Stefan Blankertz – Der Lamo-Kodex

Stefan Blankertz - Der Lamo-Kodex

Stefan Blankertz - Der Lamo-Kodex

Mit Stefan Blankertz präsentiert Joachim Körber einen Autor, der bisher im Phantastikgenre noch keine großen Spuren hinterlassen hat und nur wenigen bekannt sein dürfte. In den einschlägigen Foren und Websites sind seine beiden vorangegangenen SF-Romane jedenfalls nicht groß besprochen/diskutiert worden.
Beim Durchblättern des Buchs fällt einem gleich der umfangreiche Anhang auf. Der Autor scheint einiges an Arbeit in die Ausarbeitung der Grammatik, der Schriftzeichen und des Lexikons der beiden Innenweltvölker investiert zu haben. Ob er dabei auf bereits vorhandene Sprachen zurückgegriffen hat, erschließt sich aus dem Anhang nicht.


Die Handlung beginnt mit dem Auftauchen von vier Wesen im Affengehege des Kölner Zoos. Die vier scheinen buchstäblich der Erde entstiegen zu sein. Sie sind in Besitz von Hochtechnologie, wie wir sie auf der Erde nirgends vorfinden, sprechen keine bekannte Sprache und scheinen auch sonst sich mit den Sitten und Gebräuchen unserer Zivilisation nicht auszukennen.


Nachdem man die vier erst einmal aufs Polizeipräsidium gebracht und dort ergebnislos versucht hat mit ihnen zu kommunizieren zieht die Polizeipsychologin ihren mittlerweile im Ruhestand befindlichen Uni-Professor zu Rate, der einer der anerkanntesten Ethnologen Deutschlands gilt. Mit seiner Hilfe gelingt es dann eine Kommunikation aufzubauen und erste Elemente der Sprache dieser Wesen zu begreifen. Schnell wird klar, dass die Wesen zwei Sprachen sprechen und somit auch zwei Völkern zugehören. Weiterhin stammen sie tatsächlich aus dem Erdinneren. Dort scheint es bereits seit Jahrtausenden eine Zivilisation zu geben, von der die Menschheit rein gar nichts ahnt. Der weitere Verlauf der Geschehnisse ist geprägt von Missverständnissen, die letztlich zum Tode mehrerer Personen führen. Es geht also bei weitem nicht alles glatt und am Ende des Romans müssen beide Seiten mehr oder weniger akzeptieren, dass eine Rückkehr der Innenweltler an die Oberfläche sicherlich keine gute Idee wäre.


Die Romanidee fußt letztlich auf der Überlegung, dass die Erde eine Hohlwelt ist. Außen- und Innenweltler sind von einer ca. 2000 km dicken Felsschicht getrennt. Große Naturkatastrophen, wie der Untergang von Atlantis, führten dazu, dass Menschen in die Innenwelt „gespült“ wurden und dort völlig neue Zivilisationen aufbauten. Stefan Blankertz beschreibt ausführlich die Geschichte der beiden Völker über die Jahrtausende hinweg. Diese Passagen lesen sich deutlich interessanter wie die Passagen, die in Köln der Gegenwart spielen. Hier verläuft die Handlung doch über- und vorausschaubar. Hinzu kommt, dass Blankertz viel Raum der 68er-Vergangenheit des Professors widmet. Ein Element, welches für die eigentliche Romanhandlung nebensächlich ist. Die 68er-Bewegung spielt für das Aufeinandertreffen der beiden Zivilisationen keinerlei Rolle, ja wirkt im Verlaufe des Romans sogar störend.

Wesentlich interessanter ist die Geschichte der beiden Innenweltvölker, die Blankertz sehr detailreich schildert und deren Spannungselemente den Leser deutlich mehr in den Bann ziehen. Hier breitet der Autor eine völlig neue Welt vor dem Leser aus, die durch die Ausarbeitung einer eigenen Sprache und Grammatik noch mehr an Tiefe gewinnt. Natürlich werden sich die meisten Leser nicht die Mühe machen und sich intensiv mit dem Sprachaufbau und der Schrift beschäftigen. Sie werden es vielmehr als interessantes Beiwerk zur Kenntnis nehmen und sich ansonsten auf die Romanlektüre konzentrieren.


Aus meiner Sicht passt der Roman gut in die SF-Paperback-Reihe der Edition Phantasia hinein, da hier ein Schwerpunkt auf eine detailreich ausgearbeitete Welt gelegt wird und nicht nur auf Action und eine rasante Handlung. „Der Lamo-Kodex“ kann als reines Lesefutter, als Unterhaltungslektüre dienen, aber auch, und solche Romane sind eher rarer gesät, als anspruchsvolle Phantastiklektüre mit dessen Hintergrund sich der Leser intensiv beschäftigen kann.
Andreas Nordiek

Edition Phantasia
Paperback
Originalausgabe
Herbst 2010
302 Seiten

 

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