Story Center 2010 abgelehnt

Story Center 2010

Story Center 2010

SFCD-Redakteur Michael Haitel hat in diesen Wochen wieder einmal Anlaß, längere Schriftsätze zu verfassen: die Books on Demand GmbH hat es abgelehnt, Story Center 2010 zu drucken – Titel der Ausgabe: „Inzucht und die denkbare Gesellschaft“. Der dürre Kommentar des Unternehmens zu der Anthologie mit 19 Kurzgeschichten aus der Feder erprobter Autoren, die man im Fandom zum Teil von ihren Veröffentlichungen in der c’t her kennt, lautet:

„Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihr eingereichtes Manuskript (…) aufgrund seines Inhaltes den Grundsätzen unseres Unternehmens widerspricht und wir es deshalb nicht vertreten können, dieses unter unserem Namen zu vertreiben.“

Allein auf diese Information mußte Haitel gut zwei Wochen warten – andere Titel waren schon nach zwei Tagen freigeschaltet.

Auf Nachfrage erläutert er:

„Eine Druckerei ist angehalten, strafrechtlich relevante Inhalte als Auftrag abzulehnen. Aber Story Center 2010 enthält keine solchen Inhalte – ganz im Gegenteil. Für mich sieht das Ganze nach einer Überreaktion aus: ein leicht mißzuinterpretierendes Titelbild und keine Zeit, sich mit den Geschichten wirklich zu beschäftigen.“

Was jedoch passieren kann, wenn man sich dem mündigen Kunden Haitel in den Weg stellt, liest sich folgendermaßen:

„Es steht Ihnen nicht nur nicht zu, den Inhalt des Buches überhaupt zu prüfen, da Books on Demand ja nicht einmal als Verlag fungiert. Sie sind allein beauftragt Ihre vertraglichen Pflichten, die gemäß No. 7.a. des Vertrages zur BoD-Nr. 767381 zustande gekommen sind, zu erfüllen, die da eben aus Druck, Bindung, Versand der bestellten Exemplare des o.g. Buches und der Einspeisung der Buchdaten in Datenbanken bestehen.

Vielmehr muss ich Ihrem Schreiben indirekt entnehmen, dass Sie das Buch gar nicht wirklich einer näheren Prüfung unterzogen haben, anderenfalls Ihnen aufgefallen wäre, dass dieses Buch durchaus nicht den Grundsätzen Ihres Unternehmens – welche immer das auch sein mögen – widerspricht, da es sich um ganz simple, leicht verständliche Science-Fiction-Geschichten zu einem zugegebenermaßen ungewöhnlichen Thema handelt, die jedoch die Bedingungen für die No. 7.f. des Vertrages zur BoD-Nr. 767381 in keiner Weise erfüllen, die da wären: Erregung öffentlichen Anstoßes, Beinhaltung politisch extremistischer Positionen, Verunglimpfung von Personen, Verstoß gegen internationale Gesetze; und selbst wenn Sie behaupten wollten, die Geschichten würden »öffentlichen Anstoß erregen«, so zeigt dies nur einmal mehr, dass Sie das Buch eben gerade keiner Prüfung – zu der Sie sowieso nicht nur nicht verpflichtet, sondern auch gar nicht berechtigt gewesen wären – unterzogen haben, nachgerade also überhaupt nicht wissen können, worüber Sie hier geurteilt haben und urteilen. Denn die »Erregung öffentlichen Anstoßes« ist ganz speziell bei diesen neunzehn Geschichten ganz sicher nicht der Fall.“

Vernünftigerweise verläßt sich Haitel nicht allein auf streitbare Literatur, er hat gleich eine andere Druckerei beauftragt: bei Drucklegung soll Story Center 2010 bereits erschienen sein.

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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