Das Tagebuch der Ellen Rimbauer

Das Tagebuch der Ellen RimbauerSeattle im 20. Jahrhundert. Dort liegt das zu Hause der hübschen Ellen Rimbauer, welche in einem großen Haus, mit ihrer Familie, ein unbeschwertes Leben führt. Doch es gibt einen Makel an der nach außen hin perfekt zu scheinenden Fassade, welche sich Ellens Leben nennt. Sie ist 20 Jahre alt und ist immer noch nicht verheiratet! Ein Vergehen für das man, laut den Geschichtsbüchern zu urteilen, mit abwertenden Blicken gestraft wurde. Doch zu Ellens großem Glück lernt sie schnell den reichen, 20 Jahre älteren John Rimbauer kennen, mit dem sie sich schon nach kürzester Zeit verlobt und wenig später heiratet. Als Hochzeitsgeschenk schenkt der edle Geschäftsmann seiner viel zu jungen Gemahlin eine riesengroße Villa, die nur für das glückliche Pärchen am Ende der Springstreet errichtet wurde. Doch die riesige Residenz des damaligen Vorzeigepaars steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Das große Herrenhaus wurde nämlich auf einem damaligen Indianerfriedhof errichtet, auf dem sogar schon gemordet wurde.
Nachdem sie ein Jahr lang auf Hochzeitsreise um die Welt reisten, zieht das glückliche Ehepaar nun endlich in ihr frischerbautes, neues Heim ein. Doch die Vorfreude der zuvor noch glücklichen Ellen ist nun nicht mehr vorhanden, da die schrecklichen Erinnerungen an ihre unangenehme Hochzeitsreise sie plagen. Denn Ellen erkrankte an einer mysteriösen Krankheit, die niemand heilen zu können schien. Doch da tauchte die geheimnisvolle Sukeena auf, von der behauptet wird magische Heilkräfte zu besitzen. Sie schafft es die frischgebackene Rimbauer wieder gesund zu pflegen. Seit diesem Tag begleitet die afrikanische Wuduzauberin Ellen überall hin und wird zu ihrer besten Freundin und später auch Liebhaberin.
Doch wenig später stellt sich heraus, dass die schreckliche Hochzeitsreise erst der Anfang von Ellens persönlichem Albtraum werden soll, denn nicht nur der wachsende Größenwahnsinn ihres ach so tollen Ehemannes macht ihr das Leben zur Hölle, sondern auch ihr schönes Heim, welches sie „Rose Red“ taufte und in dem mit der Zeit immer mehr Menschen auf mysteriöse Art und Weise verschwanden und oder starben…

Der 1953 geborene Amerikaner Ridley Pearson wurde durch seinen Roman „The Art of Deception“ bekannt, jedoch hat er noch viele weitere Horror/Thriller-Romane geschrieben, wie zum Beispiel „The First Victim“, mit denen er sogar Awards gewonnen hat. „Das Tagebuch der Ellen Rimbauer“ ist ursprünglich für Erwachsene vorhergesehen, dennoch ist es auch schon für Jugendliche ab 14 Jahren freigegeben. Ich bin jedoch der Meinung, dass dieses Buch eher etwas für Erwachsene ist, da der Inhalt eine gewisse psychische Reife verlangt, welche die meisten Jugendlichen in dieser Altersklasse noch nicht erreicht haben.
Das Buch ist in der üblichen Tagebuchform formuliert und es sind nur selten Einwände und Zwischenkommentare des Autors vorzufinden. Es sind sehr viele Zeitsprünge vorhanden, da Ellen im Laufe des Buches auch mal eine kleine Schreibpause eingelegt hat. Vielleicht war ihr Leben aber auch nicht immer so aufregend und unheimlich, wie es in fast jedem Kapitel dieses Buches beschrieben wird. Pearson hat, meines Erachtens nach, die damals noch üblichen Redewendungen ziemlich gut getroffen, dennoch hat dies dazu geführt, dass man sich beim Lesen ein wenig auf den sprachlichen Aufbau der Sätze und nicht auf deren Inhalt konzentrieren musste. Trotz allem muss ich sagen, dass mir sein Schreibstil sehr gut gefallen hat, da ich diese altertümliche Redensart sehr gerne in Büchern vorfinde. Über diese Tatsache lässt sich jedoch streiten.
Was mir an diesem Buch jedoch nicht so gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass der Autor den Leser die ganze Zeit in dem Glauben lässt, eine echte, so gut wie ungekürzte Version von Ellen Rimbauers Tagebuch in den Händen hält. Doch diese hat nach Gerüchten zu Folge nie wirklich existiert. Am Anfang des Buches berichtet eine angebliche Forscherin, namens Dr. Joyce Reardon, dass sie die Herausgeberin dieses Buches sei und dass sie das originale Tagebuch von Ellen Rimbauer auf einem Flohmarkt entdeckt habe.

Trotz allem finde ich, dass es sich auf jeden Fall lohnt, dieses Buch zu lesen, denn für jeden Lesetyp ist etwas dabei. Durch die spannenden und informativen Aspekte des Buches, erfährt der Leser viel über das aristokratische Leben des 20. Jahrhunderts. Auf der einen Seite ist dieses Buch eine romantische Liebesgeschichte, da die geheime Liebe zwischen Sukeena und Ellen sogar die krankhaften Phantasien ihres verrückten Ehemanns übersteht. Oftmals erinnert Ellen sogar an ein pubertierendes Mädchen, welches mit ihren Gefühlen nicht zu Recht kommt und nicht weiß, was sie will. Auf der anderen Seite wirken manche Stellen oft dramatisch, da John Ellen durch seine sexuellen Phantasien und Wahnvorstellungen Höllenqualen bereitet und ihr ohnehin schon chaotisches Leben noch schwerer macht.
Durch das Verschwinden von Menschen und Auftauchen von Geistern sind viele Passagen unheimlich und verwirrend gestaltet. Daher fällt es mir sehr schwer dieses Buch in ein Genre einzuordnen. Ich denke einfach, dass egal welcher Lesetyp dieses Buch liest, dieses nicht mehr aus der Hand legen kann. Vor allem wird es genau den Lesern gefallen, die sehr wissbegierig sind und eine Vorliebe für die Aristokratie haben.

Melina Coniglio

Ridley Pearson
Das Tagebuch der Ellen Rimbauer
Deutsch v. Antje Görnig
Piper Fantasy 2003
(orig. „The Diary of Ellen Rimbauer“, 2002)
ISBN 3492265618

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