Mit dem Goldticket in die Con-Fabrik

Wie aus einer Aktion von Fans für Fans ein Wirtschaftsunternehmen wurde

Alle Jahre wieder ist es dasselbe Spielchen. Der Einkaufsstress kurz vor Weihnachten. Die Planung, mit möglichst wenigen Urlaubstagen möglichst lange frei zu machen, den Brückentagen sei Dank. Die Frage, ob und in welchem Rahmen der eigene Geburtstag gefeiert wird. Lieber in den Urlaub fahren oder eine Convention besuchen? Moment. Urlaub oder Convention? Eine absurde Fragestellung. Oder doch nicht? In Deutschland sind es in der Regel zwei Conventions, die diese Fragestellung aufwerfen. SciFi-Fans treffen sich üblicherweise im Frühjahr in Bonn zur FedCon, Fantasy-Fans pilgern im Herbst zur Ring*Con nach Bonn. Beide Conventions werden von der FedCon GmbH ausgerichtet. Und beide Conventions feiern in diesem Jahr Jubiläum. Zeit, um innezuhalten und die Entwicklung der Conventions näher zu betrachten.

RingCon 2010

RingCon 2010 - Diorama


Die FedCon fand zum ersten Mal in Jahr 1992 in Augsburg statt. Ein kleine Fan- Veranstaltung im Wohnort des Geschäftsführers der FedCon GmbH, Dirk Bartholomä, mit gerade einem Stargast und rein auf das Star Trek-Fandom konzentriert. Im Laufe der Jahre wuchs der Umfang der Convention, schnell verlagerte sich der Veranstaltungsort auf das Maritim Hotel in Bonn und die Convention öffnete sich anderen Fandoms aus dem SciFi-Bereich.
Im Jahr 2002 wurde schließlich die Schwesterveranstaltung der FedCon aus der Taufe gehoben. Die Ring*Con konzentrierte sich anfangs rein auf das Fandom rund um „Herr der Ringe“, als der Hype um die Trilogie jedoch langsam abflaute, wurde auch diese Convention für andere Fandoms geöffnet. Heute gehören die Vampir-Fandoms sowie das Harry Potter-Fandom fest zur Ring*Con – eine Entscheidung, mit der sich viele alteingesessene Herr der Ringe-Fans schwer taten. Stieß das „Harry Potter“-Fandom noch auf Akzeptanz, löste gerade die Ankündigung der ersten Gäste aus dem Twilight-Fandom gewaltigen Protest aus.

Allerdings war die Öffnung gerade der Ring*Con für andere Fandoms eine rein wirtschaftliche Entscheidung, um wieder mehr Besucher für die Convention gewinnen zu können. Längst war aus der reinen Veranstaltung von Fans für Fans ein Wirtschaftsunternehmen geworden, das von der FedCon GmbH alleinig organisiert wird. Und die kam mit dem schwindenden Interesse am „Herrn der Ringe“ gewaltig ins Trudeln. Viele Gaststars waren den Besuchern hinreichend bekannt, so dass neue Besucher im Laufe der Jahre ausblieben. Der Plan, dies durch die Einladung zweier bekannterer Schauspieler aus den Herr der Ringe-Filmen zu stoppen, misslang. Die FedCon GmbH hatte sich mit der Einladung von Miranda Otto und Sean Astin verkalkuliert und fuhr für das Jahr 2006 einen Verlust ein. Viele Besucher waren nicht bereit, den – im Vergleich zu den übrigen Gaststars – relativ hohen Preis für Autogramme und Fotosessions zu bezahlen. Laut Aussagen von Dirk Bartholomä haben Miranda Otto, Darstellerin der Éowyn, und Sean Astin, Darsteller des Hobbits Sam, insgesamt Kosten von 70.000,- Euro verursacht, wovon lediglich 20.000,- Euro durch Fotos und Autogramme gedeckt worden sind. Ein klares Anzeichen dafür, dass die Fans den Besuch einer Convention hart kalkulieren und nicht blindlings Geld für etwas auf den Tisch legen, das eine Prüfung von Preis und Leistung nicht besteht.
Denn viele Fans sparen laut eigenen Aussagen das ganze Jahr für die Convention. Neben der Frage, ob sich ein Goldticket, das aktuell 299,- Euro kostet, lohnt oder ein normales Wochenendticket ausreicht, müssen noch Unterkunft, Anreise, Verpflegung und eventuell ein Kostüm finanziert werden. In der Summe kommt dann in der Regel ein Betrag zusammen, der locker für zwei Wochen Urlaub reicht. Eine Summe, die nicht ohne kritisches Hinterfragen ausgegeben wird.

Kosten-Nutzen-Rechnung

Oft ist Kritik an den Gästen laut geworden, jede Gästeankündigung wird genau unter die Lupe genommen. Fast schon ironisch werden sie in Stamminventar und „Der lief mal für zwei Sekunden durchs Bild“ eingeteilt. Stößt das Stamminventar, das bei der Ring*Con aus den neuseeländischen Schauspielern besteht, auf große Akzeptanz unter allen Fandoms, wird das Für und Wider der anderen Gäste hitzig erörtert. Als im Jahr 2009 mehrere Darsteller aus den Twilight-Filmen angekündigt wurden, war der Aufschrei groß. Viele Fans sahen die klare wirtschaftliche Entscheidung der FedCon GmbH hinter dieser Ankündigung, deren Ziel es zu sein schien, die nächste Generation Fans an die Convention zu binden. Eine Generation, die vielleicht unüberlegter in diverse Ausgaben auf der Convention investiert. Eine Generation, welche die Gaststars nicht so kritisch hinterfragt. Eine Generation, die sich die Convention von den lieben Großeltern finanzieren lässt.
Der Planung der FedCon GmbH ging in jedem Fall auf. Die Ring*Con war besser besucht als in den Jahren zuvor und die Befürchtung, dass von nun an „Kreischies“ den Großteil der Convention-Besucher ausmachen würden, blieb unbegründet. Allerdings stellt sich nach wie vor die Frage, ob die Preise für die Convention nicht gnadenlos überzogen sind. Darauf angesprochen vergleicht Dirk Bartholomä die Convention mit den mittlerweile üblichen Ticketpreisen für Konzerte und hält dagegen, dass ein Konzert lediglich ein paar Stunden dauere, die Convention hingegen ganze drei Tage. Grundsätzlich kein schlechter Gedanke, ein Konzert wird aber nicht pro gesungenes Lied abgerechnet. Im normalen Eintrittspreis sind nach wie vor nur die Panels enthalten, alles andere kostet – besitzt man kein Goldticket – extra.
Letztendlich ist damit auch die FedCon GmbH nur ein Wirtschaftsunternehmen, das mit den Conventions Gewinn einfahren möchte und dazu einige Risiken eingeht. Für das Jubiläum der FedCon, die in diesem Jahr ihren zwanzigsten Geburtstag feiert, sind Gaststars angekündigt worden, die kostenintensiv sind und dennoch erstmalig verpflichtet werden konnten; einige Gäste standen lange auf der Wunschliste der Fans und es ist erfreulich, dass diese Wunschliste beachtet wird. Dies zeichnet sich ebenso für die Jubiläums-Ring*Con ab, für die erstmalig Gäste aus dem „Xena“- und „Buffy/Angel“-Universum gewonnen werden konnten.

Maritim-Hotel Bonn

Veranstaltungsgebäude der Ring-Con 2010 und 2011: Das Maritim-Hotel in Bonn

Lean Management: Signmania

Passend zum Jubiläumsjahr ist die FedCon GmbH gemäß eigener Aussage auf einen weiteren Fanwunsch eingegangen – mit der Signmania ist in Deutschland zum ersten Mal ein reines Signing-Event, ähnlich der Collectormania in Großbritannien, für den Sommer angekündigt worden. Zielgruppe sind Fans, die noch nie auf einer Convention waren und einmal Conventionluft schnuppern wollen. Die Ankündigung der Gaststars liest sich kunterbunt, vom Helden der Kindheit bis zum deutschen C-Prominenten ist alles vertreten. Allerdings sollte man auch hier wieder auf das Kleingedruckte achten. Im normalen Wochenendticket ist lediglich der Eintritt enthalten, Fotos und Autogramme kosten wie auf den anderen Conventions extra. Im Gegensatz zu den Conventions sind die Panels, die von ausgewählten Gästen gehalten werden sollen, jedoch nicht enthalten und kosten ebenfalls extra. Und wie es immer im Leben ist, kann man sich auch für die Signmania gewisse Privilegien mit einem Goldticket zum Preis von 299 Euro erkaufen. Ob das Goldticket es wert sein wird, muss jeder für sich entscheiden. Fraglich ist nur, wor dann der Unterschied zu den anderen Conventions liegen soll. Denn für die Signmania sind ebenfalls ein großer Händler- und Sponsorenbereich angekündigt worden und da stellt sich unwillkürlich die Frage, ob die Signmania nicht vom Grundprinzip eine dritte Convention darstellt, auch wenn das Package anders bezeichnet wird.
Aktuell scheint sich das Investitionsrisiko für die FedCon GmbH im Jubiläumsjahr jedenfalls auszuzahlen. Zwar werden die Gastankündigungen gerade für die Signmania einmal mehr heiß diskutiert, aber dennoch ist davon auszugehen, dass auch dieses Event einigen Zulauf erhalten wird. Am Ende des Wirtschaftsjahres werden wir dann alle schlauer sein.

Katrin Hemmerling

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Messe und getaggt mit , , , , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier hast Du nichts zu melden …