Nachruf Hans Joachim Alpers

Hans Joachim Alpers

Hans Joachim Alpers *1943 †2011

Ich muss vorausschicken, dass ich Hajo, wie er genannt wurde, nicht gut kannte. Mehr als Kollegen denn als Freund, und das hatte einen einfachen Grund: Er lebte in Hamburg, ich in Bayern. Damals gab es noch kein Internet, keine Mail, kein Skype, deswegen waren unsere Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten begrenzt.

1978 war es soweit, dass ich meinen ersten dicken Wälzer Verlagen anbieten wollte. Dazu musste ich gelbe Postkartons kaufen, weil es so viele Seiten waren. Dann ging ich in die Buchhandlung, suchte mir alle Verlage aus, die Science Fiction und Fantasy herausgaben, und schrieb mir die Lektoren auf. Bei Knaur Science Fiction war der Name Hans Joachim Alpers angegeben. Zu dem Zeitpunkt sagte mir dieser Name noch gar nichts, abgesehen davon, dass ich feststellte, wie viele Bücher aus der Reihe ich bereits zu Hause stehen hatte, und dass sie mir zum Großteil gefielen. Wie übrigens später auch die wunderbare Moewig-Reihe, die leider kaum im Buchhandel zu finden war und nur ungern von den Buchhändlern bestellt wurde. Doch mein Mann und ich wollten unbedingt diese Reihe sammeln und gaben nicht auf. Noch heute hegen wir diese Bücher, ein paar wahre Perlen waren darunter.

Hajo schickte mir das Manuskript natürlich zurück – wer ist schon so verrückt und veröffentlicht über 1000 Seiten eines Newcomers – aber nicht mit einem Standardbrief. Er gab mir Tipps und den Ratschlag weiterzumachen, aber bitte mit kürzeren Texten. Ich dürfe mich auch wieder bei ihm melden.

Das tat ich. In den folgenden Jahren schickte ich ihm weitere Manuskripte, und sie waren ihm immer noch zu lang, passten aber auch, so fair muss ich schon sein, nicht in seine Reihe. Dennoch habe ich es immer wieder versucht, und ich bekam stets einen freundlichen Brief, in dem die Absage begründet war.

Mit „Sternwolke und Eiszauber“ hatte ich dann endlich ins Schwarze getroffen, wie ich glaubte. Aber da war Hajo gerade zu Moewig weitergewandert und hatte wieder keinen Platz für mich. Doch er schrieb mir, ich solle es woanders versuchen – es würde diesmal bestimmt hinhauen. Und recht hatte er. Dazu gratulierte er mir dann auch herzlich – und stupste mich Anfang der 90er zusammen mit Werner Fuchs an, als die Bücher zum Schwarzen Auge geplant wurden. Nach so vielen Jahren, meinte Hajo, wär’s ja mal Zeit, was zusammen zu machen.

Anfang der 80er, als ich so langsam die phantastische Szene kennenlernte, war der Name Alpers für mich vor allem im Zusammenhang mit Sekundärliteratur ein Begriff, sowie als Herausgeber der Science Fiction Times.

Hajo hat so viel geleistet, dass man alles kaum aufzählen kann. Er war Autor, Übersetzer, Herausgeber, (Chef-)Redakteur, Lektor, Spieleerfinder, Firmenmitgründer, Agent, Kritiker … aber vor allem ein ausgeglichener, ruhiger, bescheidener Mensch, dessen enormes Fachwissen in vielen Lexika Niederschlag fand. Kein Wunder, dass er mehrmals und verdient den Kurd-Laßwitz-Preis erhielt. Unter vielen Pseudonymen, die sich mir erst im Lauf der Jahre erschlossen, schrieb er in verschiedenen Genres, oft mit anderen Autoren zusammen. Zusammen mit Wolfgang Jeschke bildete er „das Urgestein“ der Science Fiction und Fantasy in Deutschland. Insofern war er für Jungautoren wie mich zu der damaligen Zeit ein bedeutendes Vorbild, dessen Rat begehrt war.

Persönlich lernte ich Hajo erst 1987 auf der Buchmesse in Frankfurt am Stand von Fantasy Productions kennen, als wir gerade Fabylon gegründet hatten. Es war so, als würden wir uns schon ewig kennen, und schon nach kurzer Zeit lachten wir über viele Anekdoten, die Hajo und Werner Fuchs zu bieten hatten. Von da ab trafen wir uns ab und zu auf Cons, regelmäßig aber zur Messe in Frankfurt, unsere Stände stets einander gegenüber – das gab viel Spaß und Unterhaltung im oftmals steifen und hochnäsigen Messebetrieb. Phantastik-Kleinverlage, und vor allem Spieleverlage wie FanPro galten damals als ziemlich suspekt und wurden sehr schief angesehen. Aber der Erfolg des Schwarzen Auges, Shadowrun, BattleTech und wie sie alle hießen, war nicht von der Hand zu weisen. Und machte alles nur noch schlimmer. Da machten also ein paar Typen in Jeans mit guter Laune und lockeren Sprüchen ein Mordsgeschäft auf der Messe, hatten eine Menge Spaß mit den Kollegen aus USA, und die Schlipsträger ringsum mit ihren hohen Ansprüchen langweilten sich. Oder sahen schon mal neidisch herüber.

Im Jahr 2008 leistete Hajo, das hatte in seinem abwechslungsreichen Lebenslauf einfach noch gefehlt, mit dem Heyne Taschenbuch Ara-Toxin Band 3: „Nekrogenesis“ einen Beitrag zum Perry-Rhodan-Universum. Was lange währte, kam doch noch zusammen. Ich konnte es kaum glauben, als er es mir augenzwinkernd erzählte.

Hans Joachim Alpers war ein sehr sympathischer Mann, den ich als Menschen sehr schätzte und für sein außergewöhnliches, vielseitiges Talent bewunderte. So viele Jahre kannten wir uns und hatten immer wieder miteinander zu tun. Die Nachricht traf mich daher wie ein Schock.
Sein viel zu früher Tod mit 67 Jahren am 16.2.2011 reißt eine tiefe Lücke, die in diesem Umfang nie wieder gefüllt werden kann.

Uschi Zietsch

 

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