Schon gehört? Johnny Storm ist tot!

Ein Kommentar

Für amerikanische Comic-Verlage ist der Tod eines Superhelden seit jeher eine beliebte Methode, die schwächelnden Auflagezahlen mit dramatischen Szenen zu pushen. Der Tod eines Helden als Auflagen-Doping? Ganz sicher, und mit der wundersamen Wiederauferstehung lässt sich gleich nochmals verdienen. Tatsächlich wurden über die Jahre fast alle wichtigen Helden durch Zombies ausgetauscht, die aus irgendeinem Grund, der sowieso niemanden interessiert, wiederauferstanden sind. Und warum musste das so sein? Weil die Welt ohne den Helden oder nur mit dem zweitklassigen Nachfolger eben nicht so war wie vorher und die Verkaufszahlen nach einem kurzen Hype absackten.

Aber das kennen wir ja alle, doch was macht nun Johnny Storms Tod so besonders? Vielleicht die Art, wie schamlos das Ganze durchgezogen wurde. Mit Fantastic Four # 583 begann der Story Arc “Three” gleich mit einem Coverbild, bei dem die vier Helden um ein offenes Grab stehen. Die kommenden vier Hefte hatten dann noch Alternativcover, die einen der Helden im Sarg zeigten und oben auf den Heften gab es noch einen Countdown bis zum Tod. Das Ganze ist so etwas wie die Bankrotterklärung der amerikanischen Comic-Texter: Hey, wir spekulieren fünf Hefte lang darüber, wer ins Gras beißt und dann können wir eine noch so miese Geschichte erzählen, wie wir wollen, denn die interessiert niemanden. Und danach starten wir den Countdown to Resurrection und können nochmals ein halbes Jahr mit Unsinn vertrödeln.

Doch steht Johnny Strom wieder auf? Das hängt wohl in erster Lines vom Autorenteam (*sigh*) und den Lesern ab. Je früher, je länger und je lauter die Fans :”Blöd, blöd, blöd!” rufen, wird sich das neue Konzept überleben und wie durch ein Wunder wird der olle Johnny wieder wie ein Djinn aus einer Flasche gezogen und der schnöde Fan ist wieder zufrieden, denn eines weiß der durchschnittliche US-Comic-Leser: Wechsel ist doof und jeder Comicverlags-Chefredakteur hat seinen unweigerlichen Reset-Button auf seinem Tisch stehen:

Superman tot? – RESET
Peter Parkers Geheimidentität veröffentlicht? – RESET
Captain America tot? – RESET
Bruce Wayne tot? – RESET
Jean Grey tot? – RESET RESET RESET
Stan Lee tot?- SCHEISSE

Mit dem Aftermath dieser Geschichte wird Fantastic Four mit Ausgabe 588 eingestellt und neu gestartet mit einer neuen Serie, die einfach FF heißen wird. Ach, das ist alles so vorhersehbar, denn spätestens mit Ausgabe 12 wird FF wieder in Fantastic Four unbenannt, damit man das Jubiläum von Fantastic Four 600 begehen kann. Das Einzige was sich der Leser fragt, ob mit der Ausgabe 600 der RESET kommt oder erst später. Aber Spannung erwächst daraus nicht, oder?

Das wirklich Traurige an der Effekthascherei ist, dass man die Chance vergibt, tolle neue Geschichten zu verfassen. Für die meisten Serien sind die Bruce Waynes und die Peter Parkers wirklich nur Ballast. Es gibt ein Heer von bornierten Fans, die genau wissen, wie sich Peter Parker verhält und die sofort aufschreien, wenn er “off character” ist. Aber dies sind auch die Ersten, die fordern, dass man neue Geschichten erzählen soll, doch das ist mit dem ganzen Kontinuität-Mist nicht so einfach. Ein guter Ansatz war das Marvel Ultimate Universum, aber dort haben die Tode inzwischen inflationäre Züge angenommen und der Hass der Autoren auf die Helden hat Züge von Massenmördern. Also wieder Reset und zurück zum Anfang und mag das neue Konzept bei den Fantastic Four auch noch so gut sein: Irgendwann werden die Leser: “Doof, doof, doof!” schreien und ihren Johnny Storm zurück fordern und natürlich werden die Redakteure den Fans den Wunsch mit einem kurzen Blick auf die Verkaufszahlen gewähren. Und bis auf ein schales Gefühl ist alles wieder so wie vorher und Bobby Ewing kommt aus der Dusche. Eines wird aber wohl bald auf Dauer begraben, und zwar die Hoffnung darauf, wieder mehr herausragende US Comic-Geschichten zu lesen zu bekommen.

Rupert Schwarz

 

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