Wann ist Dein Kind alt genug für Darth Vader?

„How can you tell if your kid is old enough to watch Empire Strikes Back, and other dark classics?“ fragt Charlie Jane Anders bei io9.com, passenderweise illustriert mit dem drohenden Darth Vader, der dem noch ahnungslosen Luke bei ihrem Kampf in der Wolkenstadt eröffnet, daß er sein Vater sei. Welches Kind kriegt denn keine Angst, wenn es sich vorstellt, daß der eigene Vater eines Tages böse röchelnd daherkommt, angetan mit einer dunklen Rüstung, die seine Züge völlig verbirgt? Aber natürlich wird sich jedes Kind wünschen, daß Papa in Wirklichkeit ganz lieb sein möge, wenn er erst nur den Helm abgenommen hätte …

Der wichtigste Tip lautet: Teste Inhalte, die dein Kind möglicherweise ängstigen, erst einmal im Fernsehen, bevor Du teures Geld für Kinokarten zum Fenster rauswirfst! Ich erinnere mich gut an „Ice Age“ und daß der Film als Familienvergnügen lediglich wenige Minuten dauerte – bis Diego auftauchte. Das Kind verschwand daraufhin mit seiner Mutter zum Eisessen, während ich bockig sitzenblieb. Ist „Ice Age“ also nichts für Fünfjährige?

Das führt gleich zur nächsten Weisheit: Du kannst nicht wirklich vorhersagen, wann dein Kind alt genug ist für bestimmte Inhalte. Jedes Kind entwickelt sich verschieden und unterschiedlich schnell und während frischgebackene Jungeltern ihr Erstgeborenes noch anhand von Fahrplänen abchecken, um herauszufinden, wann es denn zu krabbeln beginnen wird, läßt sich Ähnliches bei der Rezeption von Filminhalten überhaupt nicht sagen. Kann dein Kind Realität und Fiktion gut auseinanderhalten? Taucht es sofort in eine Geschichte ein?

Darth Vader & schoolgirls

Darth Vader & schoolgirls

Ich habe schon Fünfjährige fluchtartig einen Raum verlassen sehen, wenn ich mich anstrengte, dem Drachen Smaug beim Vorlesen eine möglichst rauchige Stimme zu verleihen, und Siebenjährige weigerten sich, weiter zuzuhören, als es im Waldende zur Begegnung mit den Nazgul kam. Vertraut bin ich mittlerweile mit den Tränen einer Vierjährigen, der man es nicht zumuten sollte, mitzuerleben, wie Nemos Vater seinen Sohn sucht, oder wie Nils Holgersson von einer gefährlichen Situation in die nächste gerät.

Vieles, was für Kinder gemacht zu sein scheint, transportiert trotzdem Inhalte, die auf die eine oder andere Weise subtilen Schrecken verbreiten. Daher der Rat: Setz Dich dazu und laß die Kleinen beim Fernsehen nicht alleine. Und wenn eine an sich lächerliche Szene dein Kind ängstigt: mach kein Drama daraus, sondern schalte einfach ab. Die Autorin zitiert die Psychologin Dr. Bartell, die ein paar Tips hat, woran man erkennt, wann ein Kind von einem Film überfordert ist:

  • wenn es die Augen zuhält und den Film so aussperrt,
  • wenn es den Raum verläßt, um etwas anderes zu tun,
  • wenn es weint,
  • wenn es viele Fragen stellt wie „Gibt’s das wirklich?“ oder „Ist der böse?“,
  • wenn es vorgibt, den Film langweilig zu finden – zick dann nicht ’rum, sondern schalt ab.

Acht Jahre sei in etwa die Grenze, danach könne man auch „dunklere“ Inhalte mit Kindern anschauen. Natürlich ist das keine randscharfe Grenze. Aber ich kann bestätigen, daß ein Kind mit acht das Gröbste hinter sich und dein Geldbeutel die größten Strapazen vor sich hat: Luke schaut ungläubig, als Darth Vader den berühmten Satz sagt „Ich bin dein Vater“ und du wirst ungläubig schauen, wenn du herausfindest, was der Krieg der Sterne in Lego-Form kostet.

Manfred Müller

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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2 Antworten auf Wann ist Dein Kind alt genug für Darth Vader?

  1. Silberaugen sagt:

    Hi Manfred,

    Ich hab jetzt ein wenig rumüberlegt, was mich an deinem Artikel stört. Eigentlich ist daran nämlich nichts falsch: Guckt MIT euren Kindern Filme, besprecht die Filme im nachhinein und achtet auf das was euer Kind konsumiert. Auch das es keine wirklich festen, sondern eher schwammigen Grenzen gibt finde ich so gut dargelegt und erklärt.

    Aber: Ersteinmal bringst Du nur Beispiele von Kindern die sich vor bestimmten Inhalten fürchten (oder zu fürchten scheinen), das wirkt im Kontext mit deinem restlichen Text geradeheraus so als würden Kinder per se eher angst haben und sich fürchten.

    Und zweitens lese ich als implizite Aussage aus deinem Artikel heraus, dass fürchten etwas essentiell schlechtes für ein Kind ist. Das liegt wahrscheinlich nicht einmal an dir sondern an einer Tendenz die so heutzutage im Umgang mit Kindern vorherrschend ist: Kinder können nicht viel ertragen, sind nicht in der Lage größere Zusammenhänge zu verstehen und um Gottes Willen darf dem Kind nichts schlimmes widerfahren. Man versucht alles Böse vor einem Kind fern zu halten und jeden möglichen Schaden (ob durch Filme oder Stürze) auf ein Minimum zu reduzieren.

    Felix salten (der Autor der ursprünglichen Bambi Geschichte) war es der anmerkte das Kinder deutlich mehr vertragen als wir ihnen im allgemeinen zutrauen (und Walt Disney hat diesem Punkt zugestimmt). Schauen Sie sich einmal Bambi an, da finden sie einen Haufen für Kinder absolut ängstigende Motive: Der Verlust der Mutter, das “Böse” in den Schatten (ohne greifbare Form, aber immer da), Einsamkeit.
    Es kommt sich alles darauf an, wie die Sache verpackt ist – auch die FSK Richtlinien beruhen hierauf.

    Mein Lieblingsbeispiel hier ist die in der deutschen Version haarsträubend zerschnittene Animeserie “Naruto”: Im Original wird der Zuschauer mit Blut konfrontiert und Mit Kampfverletzungen die RTL 2 in gutem Glauben komplett entfernen ließ, Leiden oder gar Blut sind nicht mehr wahrzunehmen.

    Im Endergebnis wurden einzelne Folgen sogar höher eingestuft, als es im Original der Fall gewesen wäre: Weil Blut und Verletzungen die Konsequenz aus Kämpfen darstellen und die moralische Botschaft das Kämpfe Leiden verursachen durch das Schneiden verloren gehen. Den Figuren passiert nichts mehr im Kampf, offensichtlich bleibt ihre gewalttätige Auseinandersetzung ohne Konsequenzen für die Figuren.

    Kinder sind aber durchaus in der Lage mit zunehmendem Alter auch zunehmend mehr Zusammenhänge herzustellen.

    Ich will damit nicht sagen: “Hey, geht mit euren Kindern in SAW Filme!”. Gott behüte. Auch nicht in Horrorfilme. Was ich zum Ausdruck bringen möchte ist das Kinder nicht in Watte gepackt werden müssen, Kinder müssen Situationen kennen lernen und erfahren können, auch traurige oder schmerzhafte. Und wenn ich das als Elternteil kann, indem man mit dem Kind einen Film aufbereitet … warum nicht?

    natürlich entbindet das nicht von der Frage “Ab wann?” und gibt auch keine Antwort darauf, aber das möchte ich auch gar nicht. Ich möchte nur noch einmal erläutern, wo genau in dem Artikel ich die Schwierigkeiten sehe.

    Am besten ist es, die Filme selbst gesehen zu haben und dann etwas zu tun, was in letzter Zeit sehr in Vergessenheit gerät: Auf das eigene Gefühl zu vertrauen, denn man selbst kennt das eigene Kind am besten.

    Alles Liebe,

    Silberaugen.

  2. Andrea sagt:

    Hallo,

    ich finde den Artikel sehr gut ebenso wie Silberaugens Ergänzung, möchte aber selbst auch noch etwas ergänzen:

    Abschalten ist vielleicht nicht immer die beste Lösung. Wenn man dort abschaltet, wo Darth Vader Luke offenbart, dass er sein Vater ist, dann wird das Kind vllt immer Angst vor Darth Vader haben und erst Jahre später erfahren, dass der am Ende von Episode 6 ja letztendlich wieder gut wird (was das Problem vllt direkt behoben hätte).

    Ich denke, vor allem wenn so Fragen gestellt werden wie “Gibt es das wirklich?” usw. sollte man eben nicht ausschalten, sondern die Fragen beantworten und wenn es geht auch den Film zu Ende schauen, um zu zeigen, dass zumindest in Filmen das Gute am Ende meistens gewinnt. Das dürfte direkt viel von der Angst verscheuchen.