Pittacus Lore – I Am Number Four

Pittacus Lore - I Am Number FourIch bekenne mich schuldig. Ich habe sowohl „Harry Potter“ als auch „Twillight“ gelesen. Jeweils das erste Buch der Serie. Und, wenn ich ehrlich sein soll, habe ich nicht viel von beiden gehalten. Meine Einstellung zu Jugendbüchern ist allgemein eine sehr kritische, sie haben nämlich keine wirkliche Zielgruppe. In der Regel wagen sich Leute im Alter von 14-18 Jahren (wenn sie denn überhaupt lesen) bereits an die Erwachsenenliteratur heran und missachten Jugendbücher, die ja gerade für Heranwachsende geschrieben wurden, völlig. Bis auf zwei mir bekannte Ausnahmen. „Harry Potter“ von Joanne K. Rowling und die „Biss“-Reihe von Stephanie Meyer.
Wie gesagt, ich habe beide gelesen, und nicht für gut befunden.

Neulich, während einer besonders langweiligen Vorlesung, habe ich im Internet herumgestöbert und bin auf einen Filmtrailer gestoßen: „I am number four“. Zwei Namen sind mir sofort ins Auge gesprungen: Michael Bay und Steven Spielberg. Zwar sah der Trailer selbst nach einer Mischung aus „X-Men“ und „Twillight“ aus, aber wenn zwei so bekannte Namen da mit machten, musste es ein guter Film sein. Also habe ich etwas darüber recherchiert. Und habe festgestellt, dass es dazu eine gleichnamige Buchvorlage gibt.
Noch am selben Abend habe ich ein Exemplar bestellt.

Das Buch handelt von einer humanoiden Alienrasse, den Lorianern. Sie sehen zwar haargenau so aus, wie Menschen, sind jedoch stärker, schneller, und intelligenter. In ihrer Gesellschaft gibt es zwei Unterarten dieser Aliens: Die Garde, Krieger mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, und die Cêpan, die die Verwaltung des Planeten übernehmen. Jedem minderjährigen Gardemitglied wird ein Cêpan zugeteilt, der auf ihn aufpasst und ihm oder ihr die Welt erklärt.
Trotzdem wird der Planet von einer anderen humanoiden Alienrasse, dem Mogadori, überrannt und alle Lorianer sterben. Bis auf neun. Diese neun werden, zusammen mit ihren neun Cêpans, zur Erde (dem nächstbesten bewohnbaren Planeten) geschickt, wo sie sich verteilen müssen. Denn auf ihnen liegt ein Zauber, der es nur möglich macht, die neun Gardemitglieder in einer Sequenz zu töten. Zuerst muss Nummer 1 sterben, danach erst kann der nächste sterben usw.

Das Buch beginnt mit dem Tod von Nr. 3 im Kongo. Daraufhin brennt sich eine runde Narbe in den Knöchel von Nr. 4. Er weiß sofort, was passiert ist und informiert Henri, seinen Cêpan. Sie reisen von ihrem Haus in Florida ab, wobei sie all ihre Papiere verbrennen, zusammen mit sonstigen Gegenständen, die auf die beiden schließen könnten.
Sie lassen sich in Paradise, Ohio nieder, wo John die örtliche Schule besucht. Und mit drei weiteren Personen in Kontakt kommt. Der schmächtige Außenseiter Sam, der an Aliens glaubt, die hübsche Sarah, in die sich John (so nennt sich Nr. 4) verliebt und Mark, ihr Ex-Freund, der John nicht ausstehen kann.

Aber das war erst der Anfang. Die Dinge werden erst richtig kompliziert, als sich Johns übernatürliche Fähigkeiten zu manifestieren beginnen und er somit zum Beispiel Sarahs Fotokamera kraft seiner Gedanken zerstört. Außerdem druckt ein Magazin für Verschwörungstheorien die Geschichte von Lorien und den Mogadori ab. Henri findet die Adresse heraus, und fährt dort hin, verspricht jedoch, bis zum Abendbrot bei Sarahs Eltern wieder zurück zu sein. Als Henri sich jedoch nicht meldet und John alleine bei Sarahs Familie isst, macht er sich Sorgen und macht sich mit seinem Hund Bernie Kosar und Sam auf, Henri zu suchen.

Pittacus Lore - Ich bin Nummer vierDas Buch gefällt mir tatsächlich. Es hat von allem etwas: Etwas Fantasy (die lorische Technologie erinnert zum Beispiel eher an Zauberei als an futuristische Geräte), etwas Romantik (die Liebesgeschichte zwischen Sarah und John, die einen großen Teil des Buchs einnimmt), ein bisschen Action (als die Mogadori John endlich finden) und natürlich etwas Sci-Fi, allein aufgrund von der Tatsache dass die Hauptperson ein Außerirdischer ist.
Und da die Hauptperson ein jugendlicher Außerirdischer ist, ist es auch noch ein Jugendbuch.
Natürlich gibt es in dem Buch auch Logikfehler: Die neun verlieren den Zauber, der sie beschützt, wenn sie zusammen sind, dennoch befanden sie sich ein Jahr lang im selben Schiff, als sie zur Erde flogen.
Zum Schluss verwandelt sich auch (sorry, jetzt muss ich spoilern) Johns Hund Bernie Kosar in eine riesige Bestie, obwohl mit keinem Wort erwähnt wird, wie eine Kreatur dieser Größe sich mit Hundefutter zufrieden geben kann, das dem „normalen“ Bernie Kosar gegeben wird.
Außerdem wirken die Pläne der Mogadori etwas eigenartig. Weltherrschaft, Ressourcen der Erde für sich nutzen … das kommt mir so verdächtig bekannt vor. Und wenn dies ihre Ziele sind, wieso entsenden sie nicht gleich eine ganze Invasionsstreitmacht wie in „Independence Day“ oder „Skyline“? Das würde doch auch die Suche nach den neun Garde-Mitgliedern erleichtern, oder?

Aber abgesehen davon ist es ein gutes Buch. Die Charaktere wirken lebendig, man kann sich in John gut hineinversetzen. Man vollzieht nach, wieso er gerade so handelt und nicht anders, und wie er sich dabei fühlt. Auch wird gut beschrieben, wie sich das ständige Auf-der-Flucht-sein auf einen Jugendlichen auswirkt (John ist mit seinen 15 Jahren schon 21 mal umgezogen und hat mit jedem Mal eine neue Identität erhalten!). Und es ist ein solider Grundstein für die weiteren fünf Bücher, die noch folgen sollen.

Kurz noch einige Worte über den Autor. Er existiert nicht. Das Buch entstammt der Feder von Jobie Hughes und James Frey, die sich für die Hexalogie das Pseudonym „Pittacus Lore“ zugelegt haben. In der Geschichte ist er der Herrscher von Lorien und sozusagen der Chronist, der die Geschehnisse um die neun Garde aufschreibt und erzählt. Er lebt unerkannt auf der Erde. Entsprechend verhält „er“ sich in Interviews und entsprechende Fragen werden „ihm“ gestellt. „Wie verstecken Sie sich vor der Regierung“, zum Beispiel. Oder „Ist es schwer für einen Lorien, sich hier zurecht zu finden?“
Ein weiterer Beweis für die Kreativität des Autorengespanns, deren Fantasie und Humor.
Ich würde an dieser Stelle gerne einige Worte über den Film verlieren und ihn mit dem Buch vergleichen, aber dies würde wahrscheinlich in eine Tirade Flüche ausarten. Trotz Michael Bay und Steven Spielberg.

Abschließend möchte ich aus einem Interview mit Pittacus Lore zitieren (einem fiktiven Telefongespräch, bei dem er seine Stimme verstellt hat und von einer Telefonzelle angerufen hat).
Die Frage war: Wer würde in einem Kampf zwischen Harry Potter, Edward Cullen und Nr. 4 gewinnen?
Pittacus Lore antwortete: „Mr. Potter und Mr. Cullen würden nicht den Hauch einer Chance haben!“

Dennis Bruk

Pittacus Lore – I Am Number Four
HarperCollins 2010
ISBN: 978-0-061-96955-3
448 Seiten

Der Titel ist bereits auf Deutsch erschienen:

Pittacus Lore – Ich bin Nummer Vier
Übersetzer: Irmela Brender
Broschur, 352 Seiten
Aufbau Verlag 2010
ISBN 978-3-351-04128-1

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