DORT.con 2011 – Wo war eigentlich Lars Adler?

Fritz-Henßler-Haus
Zwischenzeitlich ist es ja schon ein Ritual – der Besuch des Dortcons. Alle zwei Jahre im April. Der Ort ist auch schon seit ewig und drei Tagen derselbe und da es in 2009 mit der Fahrgemeinschaft gut klappte, stand dieses Jahr die Wiederholung an.
Mit geringfügiger Verspätung trudelten Armin Möhle und Clemens Nissen im Osnabrücker Norden ein, klingelten und gemeinsam ging es ab nach Dortmund. Passendes Con-Wetter – trocken, Sonnenschein und stressfreies Verkehrsaufkommen. Ab etwa 11.30 betraten wir das Fritz-Henßler-Haus, hatten so das Ehrengast-Interview mit dem Grafiker Alexander Preuss knapp verpasst und konnten erst einmal Bekannte begrüßen und Con-Luft schnuppern. Während Clemens entschwand, führte ich einige kurze Unterhaltungen mit den Anwesenden der Fandom-Observer-Crew und bummelte danach über die Verkaufsbörse.

Gadgets und Hardcover

Dirk van den Boom

Dirk van den Boom

Was ist ein Con ohne Dirk van den Boom? Die Antwort: ein Tag ohne skurrile Give-aways. Dieses Mal stolperte ich nicht über Kugelschreiber und Feuerzeuge – nein, es gab quietschgrüne Aliens zum Aufblasen! Der verheißungsvolle Slogan lautete: „Kauf’ mehr als ein Buch – und ein Alien ist Dein!“ Wer sich dafür interessiert, schaue mal auf das betreffende Foto. Aus Solidarität, auch Rettungskreuzer-Ikarus-Herausgeber wollen Geld verdienen, kaufte ich ihm die Hardcover-Ausgabe von „Kaiserkreuzer“ ab.
Anschließend ließ ich mich beim SFCD-Stand dazu verleiten, ein Andromeda-Nachrichten, die Buchmesse-Con-Ausgabe, käuflich zu erwerben. Der weitere Weg führte beim Wurdack-Verlag und bei der Edition Phantasia vorbei. Ich langweile die geneigten Leser jetzt nicht mit weiteren Angaben zu Titeln und Autoren. Jedenfalls erwachte ich rechtzeitig aus dem unheiligen Kaufrausch und bewegte mich mit Armin in Richtung Cafeteria. Zielsetzung: ein Kaltgetränk mit Koffein, bevor der erste Programmpunkt, das Interview mit Ehrengast Leo Lukas anstand. Eine kurze Ablenkung erfolgte durch Michael Schneiberg, der sich den neuen Internet-Auftritt von fandomobserver.de angesehen hatte und diesen ausdrücklich lobte. Na, das freut einen doch. Auch wenn ich selbst nichts dazu beigetragen habe. Immerhin hatte ich zwei oder drei Tage vor dem Con draufgeschaut und konnte so wenigstens Rede und Antwort stehen.

Der Blinddarm war schuld

Arno Behrend und Leo Lukas

Arno Behrend und Leo Lukas

Pünktlich um 13 Uhr betraten wir den Kinosaal, um uns anzuschauen, wie Arno Behrend seinen Programmpunkt bewältigte. Interessant oder zum Schmunzeln war der sogenannte Erstkontakt von Leo Lukas mit Science Fiction bzw. der uns wohlbekannten Heftserie Perry Rhodan. Der Blinddarm war schuld! Der Bub war zur Behandlung im Krankenhaus und seine Mutter suchte nach der passenden Lektüre dafür: „Kein Comic – etwas mit mehr Text.“ Na, das passte dann ja. Natürlich brachte Arno Behrend die Sprache auf Perry Rhodan und die Tatsache, dass Leo Lukas als Kabarettist jetzt für die Heftserie schreibt. Vom Werdegang und den zu erwartenden Fragen „Wie kommt man dazu? Wie schafft man den Einstieg? Wie wird man Stammautor? Wie läuft das mit den Exposés? Wieviel Freiheit hat man? Wieviel Kabarett ist in einem Leo-Lukas-Roman? Ist überhaupt welches drin?“ Von Vorteil war für den Fragesteller Arno Behrend mit Sicherheit, dass Leo Lukas dank seiner Bühnenerfahrung locker und spritzig plaudern konnte, so dass keine Langeweile aufkam. Randthemen, wie die Wolfenbüttelner Akademie mit ihren Schreibkursen entlockten ihm ein humoriges Statement über protestantische Nüchternheit. Sätze wie: „Ornament ist ein Verbrechen! Ich habe nie zuvor etwas Unbarockeres gesehen. Selbst die Tabletts in der Kantine sind so funktional gestaltet (= dreieckig), dass vier Stück auf den Bistrotisch gelegt, exakt die zur Verfügung stehenden Tischfläche abdecken.“ Ja, so sind sie, die Katholen – lästern, wenn sich die Gelegenheit bietet! Keine Frage, unterhaltsam war es und man erfuhr so jede Menge über den Autoren, den Kabarettisten und den Menschen Leo Lukas. Dafür gibt es schon mal einen Daumen nach oben.

Are you collecting Awards?

Robert Charles Wilson

Robert Charles Wilson

Auf Lesungen oder den Nydenion-Programmpunkt verspürte ich keine rechte Lust. Das nächste Interview mit dem Ehrengast Charles Wilson war für 15 Uhr angesetzt. Also genug Zeit für die „Currywurst“. Nicht gerade der kulinarische Hochgenuss – aber genau das Richtige für den kleinen Hunger. So gestärkt ging es zur Gesprächsrunde mit dem kanadischen Autor Robert Charles Wilson. Dafür hatte sich Arno Behrend Verstärkung durch einen Dolmetscher geholt. Unerläßlich war natürlich die Frage nach den Vorbildern Wilsons. Im Gespräch fiel der Name Arthur C. Clarke, die Schilderung von fremdartigen Welten, überlegenen Mächten (Aliens), Zeitreisen usw. Wilson reagiert prompt, verwies auf H. G. Wells. „Ah ja, Krieg der Welten“, sagte Behrend. Von rechts flüsterte eine Stimme (Florian Breitsameter): „die Zeitmaschine!“ und wenige Sekunden später äußerte Wilson auf der Bühne „Time Machine“. Eine Übersetzung ist an dieser Stelle wohl nicht vonnöten.
Die Entscheidung, sich Flankenschutz durch einen Dolmetscher zu verschaffen, erwies sich als durchaus nützlich – vor allem, als es ins Detail ging und konkret auf einzelne Romane des Schriftstellers eingegangen wurde. So vertrat Wilson den Standpunkt, dass Technik und deren Weiterentwicklung zwar einzelne Probleme lösen kann, jedoch erfahrungsgemäß subtile, andere Probleme dafür mit sich bringt. Allzu konkrete Nachfragen nach Einzelheiten konterte er schmunzelnd mit der „Tolstoi-Verteidigung“. Sinngemäß zitiert: „Als ich das schrieb, wußten nur Gott und ich, wie ich das meinte – und ich habe es vergessen!“ Immerhin kündigte er schon mal an, künftig keine Trilogien mehr schreiben zu wollen.
Es folgte Arno Behrends erwartungsvoller Blick ins Publikum mit der Ankündigung, dass man jetzt auch Fragen stellen dürfe. Dem Mann konnte geholfen werden. „Na, endlich!“ verkündete ich lautstark, „ja ich habe eine.“ Artig erhob ich mich und begann mit „Mr. Wilson, in your curriculum vitae you have written …“ „Ähm, stelle Deine Frage bitte in deutsch“, unterbrach mich ein erstaunter Arno Behrend. „Aber jetzt habe ich das extra gelernt“, maulte ich. Vergebens! Er beharrte auf deutscher Fragestellung, nach dem Motto jetzt haben wir hier schon einen Übersetzer sitzen.

DORT.con 2011 Spickzettel

Günthers Spickzettel mit den Fragen an Ehrengast Robert Charles Wilson

Einschub: Für unsere englisch-sprechenden Leser findet sich auf dieser Seite der Notizzettel mit den beiden Fragen im Original. Der Punkt 1 bezog sich auf die fünf eingeheimsten Awards von Charles Wilson und endete mit „Sammeln Sie Awards?“. Wilson grinste breit, erwiderte, er würde nicht der Awards wegen schreiben, habe aber auch noch keinen abgelehnt. Außerdem hätten solche Preise ja auch den Vorteil, seinen Namen und seinen Roman einem größeren Publikum bekanntzumachen, was sich ja auch positiv auf den Verkauf auswirken könne.
Bevor der Chef-Interviewer eingreifen konnte, gab ich ein triumphierendes „Ich hab’ noch eine!“ von mir – und erhielt den Zuschlag. Dabei ging es um den Job als Korrektorin, den seine Frau ausübte. In deutsch: „Kann man damit Geld verdienen?“ Zum Hintergrund: In Deutschland ist das Berufsfeld des Korrektors, früher in Druckereien beschäftigt, ausgestorben oder abgeschafft. Nun, laut Wilson klappt das in Kanada, wobei es ähnlich läuft wie in der Branche hierzulande. Es sind überwiegend Agenturen, die diese Tätigkeit als Dienstleistung einkaufen und außerdem liest, korrigiert und überarbeitet seine Frau auch noch Disclaimer. Das sind Haftungsausschlüsse bzw. Beschränkungen, die auf dem amerikanischen Kontinent sehr wichtig sind. Zudem findet er es praktisch, dass mit seiner Frau noch jemand im Hause ist, der seine Texte liest und beurteilt.

Robert Charles & Sharry WilsonRobert Charles Wilson, Jahrgang 1953, ist seit 1986 als professioneller Schriftsteller tätig. Er veröffentlichte bisher 14 Romane, zahlreiche Kurzgeschichten sowie einige Non-Fiction-Erzäh­lungen und Rezensionen. Er lebt in Concord, Ontario, zusammen mit seiner Frau Sharry, die als Korrektorin arbeitet.
Quelle: robertcharleswilson.com; im Bild: Robert Charles Wilson und seine Frau Sharry

Soundcheck, Soundcheck …

Wir sind nicht zum Vergnügen hier. Also steuerte ich in Begleitung von Armin im Anschluss zielsicher in den sogenannten Nebenraum zum Vortrag C-Base Open-Moon-Projekt. Selbstverständlich in die vorderste Sitzreihe, weil: betagte Digitalkamera mit eher schwachem Blitzlicht. „Auf dem Dortcon sitzen Sie in der ersten Reihe“, kalauerte Armin. Er ahnte nicht, wie Recht er behalten sollte. Rechts von meinem Sitzplatz war der Beamer in Position. Auf dessen Projektionsfläche an der Wand grinste uns ein „kein Videosignal“ entgegen. Ein zunehmend ratloser wirkender Marten Suhr agierte hektisch an seinem MacBook. Ein kritischer Blick von mir offenbarte eine analoge VGA-Schnittstelle von seiten des Ausgabegerätes (Beamer). Das Kabel endete auf einem Adapter (der Ste­ckerbreite nach DVI). An diesem ein zweiter Adapter, um ins MacBook zu leiten. Interessant – eine Analog-/Digital-Wandlung über zwei Adapter hinweg. Kurzfassung: Natürlich klappte es nicht! Und ich fühlte mich fatal an den 2009er-Con erinnert, auf dem genau dasselbe Gabriele Behrend und Dirk Rottermund im großen Kinosaal passierte. Schon damals schlug ich den Veranstaltern vor, einen Sound-Check bzw. einen Probelauf vorzunehmen. Mit entsprechender zeitlicher Verzögerung ging es dann los. Die Problemlösung: ein großes Apple-Display (27”) wurde angeschlossen. Alexander Lasts besorgte Frage, ob alle was sehen könnten, konterte ich mit dem Vorschlag, den Monitor auf den Beamer zu stellen oder dafür einen Stuhl auf dem Tisch zu platzieren.
Was ist Open Moon? Die einfache Antwort lautet, lest in dieser FO-Ausgabe den Artikel „Mondlandung in 2015“. Die Kurzfassung: Es gibt den Lunar X Prize des US-Konzerns Google. Diesen Preis erhält das Team, das es schafft, einen Mond-Rover mittels Rakete in die Umlaufbahn zu bringen, den Flug zum Mond zu bewältigen, einen Lander abzusetzen, der mindestens eine Wegstrecke von 500 Metern auf dem Mond fährt und Bilder davon zur Erde sendet. Und: es darf kein Regierungsprojekt sein. Der Artikel in diesem FO erläutert die Thematik anhand des zweiten deutschen Wettbewerbs-Teams, den „Part Time Scientists“. Auf dem Dortcon war das Open-Source-Team vertreten, das seine Lösung vorstellte. Ein bisserl ist es wie das Duell von David gegen Goliath. Das Open-Moon-Team setzt auf die Open-Source-Idee und darauf, dass das Projekt die Ressourcen einer großen Fan-Gemeinde nutzt und so langsam – dann aber immer schneller – Fahrt aufnimmt.

Marten Suhr

Marten Suhr

Nach Alexander Last erklärte Marten Suhr das Modell des Landers, der Verstellbarkeit der Räder mit flexiblen Speichen-Elementen. Mangels Zeitverlust zu Beginn, hatte die dritte des Teams, Anna Gatjal, dann nur noch handgestoppte 8 Minuten zur Verfügung, um die Aktion mit den beiden Moon-Maskottchen „Lunik“ und „Ranger“ darzustellen. Diese wurden in Berlin mit einem Helium-Ballon gestartet, stiegen 25 km in den Himmel und wurden dann vom Wind gen Polen geweht.
Für Fragen war dann keine Zeit mehr vorhanden, so dass die Macher auf ihren Stand verwiesen. Dort fand ich dann Gelegenheit den Pressesprecher des Teams, Alexander Last, anzusprechen. Wenn es so klappt, wie ich mir das vorstelle, dann könnte sich in einer der nächsten FO-Ausgaben ein Porträt, Artikel oder Interview mit den Open-Moonern finden. Schauen wir mal!

Zu guter letzt

Arno Behrend

Arno Behrend

Es war 17 Uhr. Die Abend-Show und die parallele Lesung entfalteten keine große Sogwirkung auf mich. Nach einem kurzen Bummel durch die Verkaufsbörse und einem zwischen-Tür-und-Angel-Gespräch mit Michael Ehrt über Farbtöne auf der Titelseite des Programmheftes, suchte ich noch nach einer treffenden Zusammenfassung für diese Veranstaltung. Genau zu diesem Zeitpunkt hatte Dieter Schmidt das Pech, mir über den Weg zu laufen. Also forderte ich ultimativ einen Slogan, eine zitierfähige Aussage ein. Er überlegte, grübelte und meinte schließlich: „Na ja, originell ist es nicht. Aber wie wäre es mit DortCon, da weiß man was man hat.“ Stimmt, das ist vielleicht nicht originell, aber dafür passend und somit das geeignete Schlusswort.

Günther Freunek

P. S.: Ich kann es ja nicht lassen. Aber wo war eigentlich Lars Adler, der laut Programmheft Zuständige „für das passende Kabel zum Beamer…?“ Ich frage ja nur!

DORT.con 2011 PlakatDie DORT.con-Macher vermelden:
„Wir hatten 240 Besucher und 10 Newbies. Da wir vor zwei Jahren bei 230 lagen, entspricht dies rein rechnerisch einem Halten des Publikums plus den 10 neuen Gesichtern. Es ist auch ein neuer Spitzenwert für uns. Der Con hat einen dreistelligen Gewinn gemacht, der in die nächste Veranstaltung investiert wird.“
Wir meinen:
Die Idee mit dem Newbie-Tarif und der Möglichkeit, einzelne Programmpunkte zu kaufen, kann man nur loben. In einer Zeit, da eine FedCon Tausende und eine Roleplay Convention Zehntausende Besucher zieht, muß man sich wohl Gedanken machen, wie ein Con mit literarischem Schwerpunkt Publikum anziehen soll. Der wirksamste Hebel dürfte in der Tat die Geldbörse sein.
 

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2 Antworten auf DORT.con 2011 – Wo war eigentlich Lars Adler?

  1. Dirk van den Boom sagt:

    Kaiserkrieger. Nix Kaiserkreuzer.

  2. Danke für den Hinweis.