Kürzer treten – Ronald M. Hahn verläßt das Nova-Team

Nova Roomparty

Nova Roomparty beim DORT.con 2011

Als Michael Iwoleit Ende März im Nova-Forum zur Roomparty des Magazin-Teams im Rahmen des DORT.con 2011 lädt, weiß er schon, daß man anzweifeln würde, was er dort verkünden wollte. Es gehe um Umstellungen in der Nova-Redaktion. „Heißt das: Ronald M. Hahn scheidet aus und widmet sich einer Unitall-Karriere …?“ fragt prompt ein Leser. Damit hat Iwoleit gerechnet.
Am 9. April wird in Dortmund bekanntgegeben, daß Hahn das Nova-Herausgeberteam mit Ausgabe 19 verlassen wird – Nummer 18 betreue er noch ganz regulär, die 19 jedoch werde eine Abschiedsausgabe sein. Begründet wird die Entscheidung mit Hahns Wunsch, „kürzer treten“ zu wollen. An anderer Stelle wird von Hahns „plötzlich veränderter Lebenssituation“ gesprochen. Um den Verlust auszugleichen, steigt Olaf G. Hilscher, der sich auch um die Finanzen kümmert, als Mitherausgeber ein, die Textredaktion wird bei Bedarf durch Sven Klöpping verstärkt.

Hahn hob Nova 2002 aus der Taufe, zusammen mit Michael Iwoleit und Helmuth Mommers. Sein Ausscheiden aus Altersgründen mit Ausgabe 19 sei schon im letzten Jahr geplant worden, so Nachrücker Hilscher, einen Zusammenhang mit Hahns Unitall-Veröffentlichung gebe es nicht: „Wo Ronald Romane veröffentlicht hat, ist für Nova ganz ohne Belang“, sagt Iwoleit auf Nachfrage.
Ronald M. Hahn sieht sich seit Herbst 2010 heftiger Kritik ausgesetzt, weil er zusammen mit Horst Pukallus einen Roman im Unitall-Verlag veröffentlicht hatte, der mit „Stahlfront“ und „Schwarze Sonne“ zwei Reihen für ein tendentiell rechtsorientiertes Publikum im Programm hat. In der Folge gab es mindestens einen Fall, in dem ein Nova-Autor seinen Beitrag als Reaktion darauf zurückzog: Klaus Frick mochte vor diesem Hintergrund nicht in Nova veröffentlichen. Fricks Reaktion findet Iwoleit immer noch unverständlich, die übrigen Autoren habe die Sache „nicht im geringsten interessiert“.
Hilscher, der den Unitall-Deal unglücklich nennt, wiegelt ebenfalls ab: das Thema interessiere doch kaum jemanden. Die Frage, ob es noch andere als Altersgründe für Hahns Rückzug gebe, bringt Iwoleit in Rage. Er wittert Paranoia: „Ich frage mich, ob Du und Deine Mit-Verschwörungstheoretiker im Leben nichts Besseres zu tun habt, als diese Art geistiger Widerkäuerei.“

Das Interesse bleibt jedoch lebendig im Forum von scifinet.org, wo auch das Nova-Forum beheimatet ist: Die Diskussion, die nach Hahns Veröffentlichung der Morddrohung gegen ihn, Pukallus und Verleger Bernt entbrannt war, hat scifinet.org-Moderator Michael Haitel zwar schon im Januar geschlossen, doch der Disput ist seitdem in andere Themen abgewandert, die seitdem ebenfalls von Schließung bedroht sind.
Regelmäßige Leser von scifinet.org kennen jetzt zum Beispiel Frank Böhmerts pointierte Meinung zu Ronald Hahns Verlagswahl, weil sie zugegen sind, als er sie in Worte faßt. Der Rest der Welt kann nur noch nachlesen, daß er Ronald für eine Veröffentlichung dankbar ist, weil er seinen Beitrag nachträglich geändert hat. Die meisten Aktiven wissen auch, was zu dem Thema im Nova-Forum diskutiert wurde. Spätere Leser sehen davon nichts, weil der thread gestutzt wurde – nun endet er mit einem Beitrag vom November 2010. Nova-Moderator Hilscher hat die kontroverse Diskussion kurzerhand fast vollständig gelöscht.

Ronald M. Hahn

Ronald M. Hahn

Die Beseitigung kritischer Meinungen müßte Hahn selbst eigentlich zuwider sein. Im Sommer 2000 gab er Florian Breitsameter ein Interview für SF-Fan.de, in dem er berichtete, wie Horst Pukallus und er in einer Bierlaune auf den Gedanken kamen, die Science Fiction Times wiederzubeleben:
„Unser Hauptmotiv, das Blatt wieder herausgeben zu wollen, war aus der Ansicht geboren worden, dass die heutigen Fanzines für unseren Geschmack einfach nicht rotzig genug sind, weil sich nur vereinzelte Macher trauen, sich aus dem Fenster lehnen.“

Manfred Müller

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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