Mondlandung 2015? Die Part-Time-Scientists schlagen zu

Apollo 11 - Buzz Aldrin

Apollo 11 - Buzz Aldrin

Im Jahr 2007 startete der bekannte Suchmaschinen-Konzern Google den „Google Lunar X-Prize“. Ein Wettbewerb, der private Raumflugaktivitäten fördern will. Veranstalter ist die von Peter Diamandis gegründete X-Prize Foundation – finanziert wird er von Google Inc. Das Preisgeld liegt bei insgesamt 30 Mio. US-Dollar. Für den Hauptpreis muss eine Sonde ­sicher auf dem Mond landen und mit einem Rover eine Wegstrecke von mindestens 500 Metern auf der Mondoberfläche zurücklegen. Bis zum 31. Dezember 2012 sind dafür 20 Millionen US-Dollar ausgelobt, danach erhält der Gewinner bis zum 31. Dezember 2014 noch 15 Millionen US-Dollar. Mittlerweile sind 29 Teams aus 17 Ländern im Wettbewerb vertreten.

Mond und Erde

Die „aufgehende“ Erde über dem Mond. Aufgenommen von Apollo 11 während der ersten bemannten Mondlandung der NASA


Der Mond. Ein großer und luftleerer Himmelskörper. Einst gab es einen amerikanischen Präsidenten, der am 25. Mai 1961 seinen staunenden Landsleuten – und nicht nur diesen – seine Vision verkündete: Amerika solle binnen eines Jahrzehntes einen Mann zum Mond und heil wieder zurückbringen. Der Wortlaut der berühmt gewordenen Rede vor dem amerikanischen Kongress:

„I believe that this nation should commit itself to achieving the goal, before this decade is out, of landing a man on the moon and returning him safely to the earth…“

Apollo 17 - Moon Rover

Der Mond-Rover von Apollo 17 …

Damit fiel der Startschuss für das Apollo-Programm der USA. Ein sehr ehrgeiziges Programm, zumal ein Großteil der Technik während der Entwicklung erprobt, verbessert und angepasst wurde. Insofern verwundert es nicht, dass die kompletten Apollo-Missionen eine Summe von ca. 25 Milliarden Dollar verschlangen.
Und – geht das auch billiger? Genau diese Frage stellte auch die X-Prize Foundation und lobte das entsprechende Preisgeld aus. Daraufhin bewarben sich immerhin 29 Teams. Aus Jux und Dollerei machten die Interessenten das sicherlich nicht. Schon die Anmeldung der Teams unterlag einer entsprechenden Reglementierung, um die Ernsthaftigkeit des Wettbewerbes zu gewährleisten. Im Jahr 2007 betrug die Anmeldegebühr satte 10.000 US-Dollar, wurde Mitte 2009 auf 30.000 angehoben und bis zum Jahresende 2009 schrittweise bis auf 50.000 angehoben.
Asimov Jr. - Kopf

… und der Nachfolger, Asimov Jr.: der Kopf mit den Kamera-Augen …

Aus Deutschland sind bisher zwei Teams vertreten und eines davon sind die Part-Time-Scientists (PTS). Der Name verleitet zu Fehlinterpretationen. So ganz teilzeitmäßig sind die Macher nicht unterwegs. Der Gründer Robert Böhme hat zwischenzeitlich rund 70 Mitarbeiter und Interessierte um sich geschart und viele von ihnen opfern ein beträchtliches Maß ihrer Freizeit für dieses Projekt. Dabei war es zu Beginn ein kleine Gruppe von gerademal zehn Wissenschaftlern und Ingenieuren, die sich zutraute, das scheinbar Unmögliche zu schaffen. Nach sechs Monaten Planungs- und Entwicklungsphase sowie der Unterstützung durch Sponsoren (das Halbleiterunternehmen Texas Instruments und der Verleger O’Reilly) nahm das Projekt immer größere Ausmaße an. Die Mitgliederzahl wuchs stetig – die Berichterstattung in den Medien tat ein übriges.

Science-Fiction-Autor als Namensgeber

Asimov Jr.

… und hier das ca. 60 cm große Mondfahrzeug in der Komplettansicht

Im Dezember 2009 war es dann soweit: Auf dem Chaos Communication Kongress, Deutschland größter Konferenz für Informationstechnologie, präsentiert die Mannschaft den ersten Prototypen live vor Publikum. Getauft wurde der Rover auf den Namen „Asimov Junior“, eine Hommage an den bekannten Science-Fiction-Autor.
Auf der Internationalen Luft- und Raumfahtausstellung (ILA) folgte im Mai 2010 dann der zweite Streich: Die „Part-Time Scientists“ stellte den aktuellen Prototypen ihres Mondfahrzeugs „Asimov Jr.“ zur Schau. Nachdem der R1-Prototyp hauptsächlich Fahrtests zu absolvieren hatte, sollten bei der R2-Serie sämtliche Komponenten intensiven Tests unterzogen werden. Neben der Geländegängigkeit des Fahrzeugs – eine der Aufgaben des Google Lunar X-Prize besteht bekanntlich darin, mindestens 500 Meter auf der Mondoberfläche zurückzulegen – wurden auch die thermodynamischen Eigenschaften verbessert.
Des weiteren konzentrierten sich die Bemühungen der „Teilzeit-Wissenschaftler“ auf die Weiterentwicklung des Solarpanels. Im neuen Asimov Jr. ist dieses nun schwenkbar; dadurch konnte zum einen die Energieausbeute gesteigert werden, zum anderen dadurch auch der Winkel zur Erde nach Bedarf ausgerichtet werden. Letzteres ist deshalb von Bedeutung, da im Solarpanel eine eigens entwickelte Antenne eingelassen ist. Sie ist für die Kommunikation zwischen Erde und Mond vorgesehen. Um dabei weitgehend konstante Datenraten zu erreichen, will man längerfristig ein globales Netzwerk von Sende- und Empfangsstationen („Cloud Communication Network“) aufbauen.
Doch die Hauptaufgabeder Team-Ingenieure ist es weiterhin, die Mondtauglichkeit von Asimov zu verbessern. Immerhin müssen sämtliche Bauteile und Komponenten den extremen Bedingungen auf dem Mond widerstehen. Nicht nur die mehrere Meter dicke Staub- bzw. Regolithschicht will bewältigt werden – auch die starke Strahlung sowie Temperaturen im Bereich zwischen +130 °C und –160 °C muss der Rover aushalten.

Hart oder weich?

Richtig spannend wird es für den Rover jedoch beim Start von der Erde und – natürlich – bei der Landung auf dem Mond. Knapp 400.000 Kilometer muss der Rover zurücklegen. Dabei baut man auf russisches Know-how bzw. die entsprechende Raketentechnik. Sollte beim Bremsmanöver jedoch geschludert werden, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Rover fliegt in die unendlichen Weiten des Weltraums oder er bohrt sich ziemlich tief in den Mondboden. Teamleiter Böhme jedenfalls ist sich der Risiken bewusst. Nichtsdestotrotz will er den Beweis antreten, dass Raumfahrt-Projekte auch ohne staatlichen Einfluss, Bevormundung und Bürokratie machbar sind. Vor allem aber gilt für ihn und sein Team: Wir wollen zurück zum Mond. Na, der Observer drückt schon mal die Daumen.

Günther Freunek

Logo Part Time ScientistsDie Macher
Berlin, 03.01.2011. Das ambitionierte Team der Part-Time-Scientists, das mittlerweile rund 70 Mitglieder aus Deutschland, Österreich und dem Rest der Welt zählt, arbeitet seit Juni 2009 an Entwicklung und Fertigung der Komponenten für eine unbemannte Mondmission. Auf der letztjährigen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung im Juni konnten der Öffentlichkeit bereits zwei Prototypen des Mondrovers „Asimov Jr.“ präsentiert werden. Das erste Modell des Lander-Prototypen wurde Anfang Dezember auf der EuroMold vorgestellt. Der Missionsplan sieht vor, dass Rover und Lander von einem privaten Raumfahrtanbieter in den Low Earth Orbit (LEO) transportieren werden, von wo aus der Lander eigenständig weiterfliegen und schließlich den Rover auf der Mondoberfläche absetzen soll. Von dort aus wird Asimov Jr. dann Bilder und Videosequenzen in HD-Qualität zur Erde senden – so der Plan.
Teilnehmer Lunar X-Prize

Das sind sie – die insgesamt 29 Teilnehmer des Wettbewerbs

 

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2 Antworten auf Mondlandung 2015? Die Part-Time-Scientists schlagen zu

  1. Hi Günther!

    Google Alert hat uns gerade auf deinen Artikel aufmerksam gemacht. Sehr schön geschrieben und wir freuen uns sehr darüber! Melde dich mal bei uns.

    lg, Daniel
    Part-Time Scientists

  2. guef sagt:

    Moin Daniel, na, wenn ein Observer-Artikel gute Laune bereitet, freut uns das auch.