Opulent mit kleinen Schwächen – Game of Thrones

Die Mauer

Die Mauer

Es gibt Serien, die schon im Trend liegen, bevor sie überhaupt das erste Mal ausgestrahlt worden sind. Die neuen Medien ermöglichen Werbekampagnen, von denen in der heutigen Zeit kaum jemand verschont bleiben wird. Sei es, durch gezieltes Setzen von Promoted Tweets oder dem Servieren von Teaser-Trailern in wohldosierten Häppchen.
Genau dies ist der Fall bei Game of Thrones. Die Serie zu George R. R. Martins „Das Lied von Feuer und Eis“ bestimmte schon Wochen vor ihrer Premiere die Gesprächsthemen. Grund hier war neben der genannten Werbekampagne sicherlich die exquisite Besetzung der Hauptrollen, die sich ein wenig wie das Who is Who der erfolgreichen Fantasydarsteller liest.

Ich bin allerdings immer etwas zwiegespalten, wenn Serien schon im Vorfeld gehypt werden. Noch dazu, wenn es um die Verfilmung eines Stoffes geht, der schwierig umzusetzen ist. Immerhin erzählt George R. R. Martin jedes Kapitel seiner Saga aus der Sicht eines anderen Charakters. Und nicht wenige sind daran gescheitert, eigene Welten fernseh- und filmgetreu auferstehen zu lassen.
Bei Game of Thrones ist mein Zwiespalt – um es vorweg zu nehmen – unbegründet. Allein die Eröffnungssequenz ist dermaßen atemberaubend, dass sämtliche Zweifel ob der Umsetzung binnen Sekunden verfliegen. Bereits zu Beginn wird das Mysterium um die Darstellung der Mauer gelüftet. Keine Musik, keine Dialoge stören den Anblick dieses Bauwerks. Lediglich das Pfeifen des Winterwindes ist zu vernehmen und nimmt den Zuschauer mit in die Eiseskälte, die zu Beginn vorherrscht. Unterbrochen wird diese beinahe friedliche Szene jäh durch den Anblick zerfetzter Menschen. Die Produzenten sparen nicht an Filmblut und heraushängenden Gedärmen gepaart mit kleinen Horrorelementen. Bereits in den ersten fünf Minuten prasseln so viele Eindrücke auf den Zuschauer ein, werden Fragen aufgeworfen, tauchen unheimliche Wesen auf, dass der Vorspann wie eine kleine Erholungspause ist. Erfreulich: Der Vorspann ist einer der besten, der mir in letzter Zeit untergekommen ist. Eine einprägsame, auf das Genre passende Titelmusik mit wundervoll animierten Mittelalterelementen.

Haus Stark

Die Mitglieder des Hauses Stark

Die Anzahl der Charaktere in Game of Thrones ist nicht gerade klein. Umso geschickter werden sie nach und nach in der ersten Folge vorgestellt, auch jemand, der die Bücher nicht gelesen hat, findet sich schnell in Martins Welt zurecht. Mit kleinen Gesten wird für das Haus Stark dargestellt, welche Rollen die Frauen und Männer innehaben, was sich für eine Frau schickt, welche Aufgaben die Männer zu erfüllen haben. Optisch erinnert zwar gerade Sean Bean an eine seiner bekanntesten Rollen (die Ähnlichkeit mit Boromir ist unverkennbar), aber sein Schauspiel und gerade sein Akzent, der bewusst auf das nordische Englisch ausgelegt ist, lassen dies schnell vergessen. Die Hinrichtung eines vermeintlichen Deserteurs gibt einen Einblick in das Leben in der Region Winterfell. Als die Männer aus dem Hause Stark auf dem Rückweg von der Hinrichtung die Welpen eines Schattenwolfs finden, ist zudem klar, dass ein Sohn – Jon – kein vollwertiges Familienmitglied ist. Er bekommt zuerst keinen Welpen, da er der „Bastardsohn“ ist. Für ihn bleibt lediglich der Albino-Welpe. Detaillierter wird dieser Zwiespalt Jons später noch in einer kleinen, aber feinen Szene.

Winterfell bereitet sich schließlich auf die Ankunft des Königs vor und hier sind erste kleine Schwächen erkennbar. Der Special Effect bei Brandon Starks Kletterpartie lässt arg zu wünschen übrig, zu deutlich ist erkennbar, wie hier mit einem Green Screen gearbeitet worden ist. Eine kleine Enttäuschung, zieht man in Betracht, wie aufwendig die Produktion ansonsten gestaltet ist.
Die Ankunft des Königs bedient dann aber die Stereotype, die in keiner großen Saga fehlen dürfen und vielleicht deswegen so unterhaltsam sind. Tyrion, der missgestaltete Sohn, der seinen Zwergenwuchs mit dem übermäßigen Genuss von Frauen und Alkohol kompensiert, Cersei, eine schöne, aber sehr kalte Frau, die anscheinend genau weiß, was sie möchte und es gewohnt ist, ihren Willen durchzusetzen sowie Jamie – der offensichtliche Schönling.

Daenerys & Viserys Targaryen

Wirklich miese Perücken

Leider etwas schwach ist die Darstellung der Targaryens. Zu einem ist da die ziemliche unglückliche Wahl der Perücken zu nennen. Silberblond, fast weiß, ist eine Haarfarbe, die immer schwierig zu treffen ist. In diesem Falle wirkt es jedoch – und ich kann es nicht anders sagen – billig. Vervollständigt wirkt der nicht ganz so positive Eindruck durch die hölzerne Darstellung der Daenerys. Emilia Clarke beschränkt sich darauf, mit großen, verschreckt dreinblickenden Augen durch die Szenen zu stolpern und weckt wenig Sympathie beim Zuschauer. Problematisch, wenn man in Betracht zieht, dass dieser gerade zum Ende der Folge, als Daenerys mit Drogo verheiratet wird und jener sich das nimmt, was ihm in der Hochzeitsnacht zusteht, eigentlich Mitleid mit ihr haben sollte.

Jaime Lannister

Der Schönling

Die Pilotfolge von Game of Thrones dient ohne Zweifel der Einführung des Plots und der Charaktere. Glücklicherweise gelingt dies, ohne Langeweile zu wecken oder Längen entstehen zu lassen. Mit einem muss jedoch jeder rechnen, der sich die Serie anzieht: George R. R. Martin spart in seinen Büchern nicht mit Gewalt und Sex. Und dies wurde auch auf die Verfilmung übertragen. Jede Menge nackte Frauen, abgetrennte Köpfe, herumfliegende Gedärme und als Krönung gibt es sogar eine Inzestszene zwischen Cersei und Jamie. Wer damit ein Problem hat, sollte Game of Thrones eher meiden.
Wer jedoch eine Serie sucht, die sich nah an die literarische Vorlage hält, realistisch darstellt, wie das Leben im Mittelalter gewesen sein muss (denn daran hat sich George R. R. Martin orientiert), opulent und mit Liebe zum Detail ausgestattet ist, mit einer namhaften Besetzung aufwartet und den einen oder anderen fiesen Cliffhanger präsentiert, ist bei Game of Thrones eindeutig sehr gut aufgehoben. Die Serie wird dem Hype, der im Vorfeld um sie gemacht worden ist, mit Leichtigkeit gerecht.

Katrin Hemmerling

 

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