Sucker Punch: „Danger! Woman Driver!“

„Du trägst die Waffen in dir. Also kämpfe!“
das Mädchen

Sucker Punch FilmplakatEs ist eine (!) Zahl von vielen, die uns via Medien Tag für Tag überrollen. 700 000. In einen Zusammenhang gebracht, wird daraus vor unseren Augen ein „viel“ oder „wenig“. Nach persönlichen Präferenzen aufgeteilt und in Folge somit früher oder auch ein wenig später wieder vergessen.
So mancher hat nicht dieses große Glück. Siebenhunderttausend Menschen werden im Verlauf eines Jahres zu Opfern von Menschenhändlern. Damit sind allerdings nicht die Auswüchse einer neoliberalen Leiharbeit gemeint. Die neuzeitliche Sklaverei siedelt ethisch weit darunter. Junge Frauen und Kinder. Sie werden mit falschen Versprechungen, brutaler Gewalt oder direkt gegen Bares in eine schiere Ausweglosigkeit gezerrt. Ein Zustand der eher an „spätrömische Dekadenz“, denn an eine aufgeklärt globalisierte Welt denken lässt. Durch Drohungen wie Mißbrauch (alternativ auch Drogen) zur Prostitution oder jeder anderen Zwangsarbeit genötigt!
Der Kundenkreis dieser Art „Ware“ (der Euphemismus hierzu wäre „Dienstleistung“!) geht quer durch alle Schichten, Stände und jedwede Religion. Gemeinsam ist dieser Klientel allerdings die tiefergehende Verachtung anderer Menschen und im Sex-Business speziell der weiblichen. Manches Mal begegnen einem auch Vertreter einer mono-globalen Weltanschauung („Abweichung ist Häresie!“), die Frauen grundsätzlich für Menschen zweiten Rangs halten, oder gar als „bessere Tiere“ betrachten. Speziell letzterer Aspekt weiter (!) gedacht (denken!!!), sollte all den Herren dieser „Schöpfung“ im Grunde doch ordentlich Material zur Hinterfragung ihres eigenen Intellekts geben. So oder so, der zum Sex gezwungene Körper wird als Punching Ball genutzt, an dem sich die niedersten Gelüste permageiler Testikelträger abreagieren lassen. Die Illsusion persönlicher Macht über jemand. Einer mit Geld oder Gewalt erkauften Macht.

Wen wundert es also, daß in der bunten Vielfalt der Pop-Kultur die Anzahl der toughen Mädels steigt, die in Comix, Büchern, Filmen oder Serien den Brutalos ihrer kleinen Kosmen ordentlich einheizen. Eine eher symbolische Geste möchte man/frau meinen. Aber sie vermag auf die eine oder andere Weise aufzuzeigen, daß Kinder wie Frauen nicht grundsätzlich zur Gegenwehr unfähig sein können. Natürlich erheben sich zwangsläufig auch die (!) kritischen Stimmen, die bereits in jeder Darstellung von Gewalt ein fundamentales Problem sehen (wollen). Eine Sichtweise, die ich bei Gelegenheiten in der Tendenz teile (Quentins traditionelle Bilder-Orgien). In einen bestimmten Kontext gesetzt allerdings, ist die Wirkung auf den involvierten Betrachter (Leser) eine kathartische – sobald die Opfer sich durchschlagend zur Wehr setzen.

Alles in allem wäre damit eine (gewiß grobe) Heranführung an die Ebene(n) von Zack Snyders „Sucker Punch“ abgeschlossen. Ich erlaube mir allerdings noch einen weiteren Schwenk: In Anbetracht der Kostüme, die die Fighting Girls im Film tragen, dürfte in irgendeiner Kritik hierzu sicher auch (wiederum) der Vorwurf des „Sexismus“ angeführt sein. Eine ultimate Keule, werden doch knappe Outfits, Netzstrümpfe und glänzende Dekolletés, in einer Art Pawlowschem Automatismus, zum Beweis niederer Triebreizung des zumeist männlichen Zielpublikums erklärt. Die Frau werde als laszive, stets willige Ware denunziert. Ein gehaltener Vorwurf, der gewiß auf all die entsetzlich miserablen Rein-raus-fertig-Pornos dieser Welt zutrifft (kann es etwas Unsinnlicheres geben?!). Allerdings sind starke Heroinen kein billig-grunziger Fleischbeschau. Ihrer Weiblichkeit bewußt, offenbaren sie uns das Schöne an und in sich. Eine Schönheit, die beeindruckt – bewundert und geachtet werden will. Kennt einer seine Grenzen nicht, trifft ihn der Schlag dort, wo es gewöhnlich nachhaltig schmerzt.

„Wer für nichts kämpft, kann von allem aufgehalten werden.“
der Weise

Sucker Punch: Baby Doll & Madame Gorski

Baby Doll & Madame Gorski

Nacht. Irgendwann in den 1950ern. Regen in Vermont.
Mit einem ungezielten Schuß gerät eine bedrohliche Welt grundsätzlich aus allen Fugen. Die Halbwaise und Erbin (Emily Browning) versucht ihren Stiefvater (Gerard Plunkett) davon abzuhalten, sich an ihrer kleinen Schwester (Frederique De Raucourt) zu vergehen. Der Mann sackt in sich zusammen. Getroffen hat die junge Frau aber nicht das Schwein, sondern ihre unschuldige Schwester. Entsetzt starrt sie auf das frische Blut an ihrer Hand. Hält dann, am ganzen Körper zitternd, den jammernden Kinderschänder am Boden. Will ihn hier und jetzt für sein Verbrechen richten. Aber die Waffe entgleitet nach vergeblicher Anstrengung ihrer kraftlosen Hand. Das Mädchen flüchtet in tiefster Verzweiflung aus dem Haus. Zum noch frischen Grab ihrer Mutter. Hier greift sie die Polizei auf und der gewissenlose Stiefvater hat leichtes Spiel ihren klaren Verstand in Zweifel zu ziehen. Von der eigenen Schuld gepeinigt, läßt sich das Opfer willenlos eine Beruhigungsspritze geben.
Wenig später fährt eine dunkle Limousine die Auffahrt zum Lennox House in Brattleboro hinauf. Eine düstere Nervenheilanstalt inmitten einer toten Landschaft. Nach der Einlieferung werden sich der Pfleger (Oscar Isaac) und der Stiefvater schnell über das geheime Geschäft einig. Eine bald durchgeführte Lobotomie soll das Mädchen als mögliche Zeugin endgültig ausschalten. Während hinter ihrem Rücken die Details besprochen werden, verfolgt die Eingewiesene, wie Dr. Vera Gorski (Carla Gugino) auf eine Patientin (Abbie Cornish) einredet. Sie spricht vom Loslassen und der Welt, die sie sich darin selbst erschaffen kann. An einem Tisch nehmen drei weitere Insassinnen (Jena Malone, Jamie Chung & Vanessa Hudgens) Platz. Der korrupte Pfleger erzählt gerade, daß der Arzt für die Lobotomie erst in fünf Tagen eintreffen wird.
Dr. Gorski läßt Musik vom Band laufen.
Fünf Tage!
Fünf …

Im Grunde wirkt der Mitvierziger Zack Snyder eher wie ein Mann Ende der Zwanzig. Jung geblieben. Regisseur wie Produzent & Drehbuchautor, der er ist, begann Snyder vor Jahren seine filmische Karriere auf der beliebten Clip-Schiene für Musik und Werbung. Weil Hollywoods Durchlauferhitzer erst recht auch Leute des Regiefachs nutzt, bekam er 2004 mit dem Remake „Dawn Of The Dead“ eine Chance, die er zu nutzen wußte. Kritik wie Publikum waren von dieser Version ansatzweise beeindruckt. Zumal mit Sarah Polley, Ving Rhames oder Jake Weber nun Schauspieler (!) vor der Kamera agieren durften und die Zombies tiefergelegt waren.
Der Regisseur griff nach der sich bietenden zweiten Gelegenheit und landete mit der Adaption eines Frank-Miller-Comics 450 Mio. an der Box-Office – wie auch einen der inhaltlich erbärmlichsten Streifen des Jahrgangs. „300“ (siehe FO 215).
Es folgte das Großprojekt einer (als „unrealisierbar“ eingestuften) Verfilmung der „Watchmen“, die allerdings nur noch bei Alan-Moore-Fans und dem Gros der Kritiker auf fruchtbaren Boden traf. Das angepeilte breite Publikum zeigte lieber die kalte Schulter. Warner hielt in Folge dennoch an Zack Snyder fest, der sich anno 2010 mit „Legend Of The Guardians“ in gleich zweierlei technische Herausforderungen stürzte: einen komplett am Computer animierten Abenteuerfilm in der Midas-Kategorie 3D. Die Umsetzung einer Buchvorlage von Kathryn Lasky wußte an den Kassen allerdings nicht sonderlich zu überzeugen, während sich so manche Kritik am martialischen Ton störte. Persönlich lockte mich weder die Story, noch die Aussicht auf Kettenhemd rasselnde Eulen – und erst recht nicht eine penetrant angepriesene Dreidimensionalität. Die Kampfküken verschwanden eher unspektakulär von den Leinwänden und Macher Snyder sah die dringende Notwendigkeit eines erneuten Erfolgs. Er brachte sein über Jahre in der Schublade liegendes Skript wieder ins Gespräch – eigentlich hätte „Sucker Punch“ bereits nach (!) der griechisch-persischen Schlachtplatte realisiert werden sollen – und bot den verantwortlichen Anzugträgern ein Konzept an:
„Alice im Wunderland mit Uzzi & Tank Top“ (Firmenbosse lieben Filmprojekte zum Einzeiler eingedampft).
Besagte Vorstellung dürfte in den Köpfen entsprechende Wirkung gezeitigt haben, denn Zack Snyder und sein Team erhielten von den Geldgebern satte 85 Mio für die adäquate Realisierung. Zeit endlich einen guten Film in die Gänge zu werfen.

„Sobald du die Waffen ergreifst, beginnt die Reise. Deine Reise …“
der Weise

Sucker Punch: Amber

Amber

Die Musik endet.
Die Hoffnung für das unschuldige Mädchen ebenso. Zeit verrinnt in Räumen und auf Liegen, bis sie in einem Stuhl, hinter einem dicken Vorhang, fixiert wird. Der Doktor (Jon Hamm) betritt die Bühne. Der Vorhang fällt. Das Operationsbesteck blitzt zu kurz auf … Schnitt … energisch befiehlt eine Stimme damit aufzuhören. In ungeduldigem Ton werden die Umstehenden aufgefordert die Gurte zu öffnen. Eine leichte Wut im Bauch verspürend, steht Sweet Pea (Cornish) auf und stellt die Choreographin der Show zur Rede. Madame Gorski (Gugino) kennt die gelegentliche Launenhaftigkeit ihres Stars und vertröstet die Tänzerin auf Änderungen in einer späteren Probe. Während der kleinen Szene hat der Allround-Gangster Blue (Isaac) den Zuschauerraum seines Clubs betreten. Stolz wie ein Pfau baut er sich neben dem Priester (Plunkett) und der zierlichen Blondine in dessen Schlepptau auf. Ob sein Star denn nicht die Neue im Stall in alles einweisen könnte. Sweet Pea ist nach wie vor temperamentvoll und verweist auf ihre eher dafür geeignete jüngere Schwester. Ostentativ nimmt Rocket (Malone) die Kleine aus dem Waisenhaus unter ihre Fittiche. Wohlgelaunt verkündet Blue, daß der Highroller (Hamm) in fünf Tagen vorbei kommt. Für Baby Dolls (Browning) Jungfräulichkeit ist er bereit, ordentlich Scheine locker zu machen. Ein letztes Mal spuckt sie dem verräterischen Priester in Gesicht, bevor sich Baby Doll Rocket anschließt. Eine Freundschaft ist schnell geschloßen. Nach dem Rundgang durchs Bordell, lernt sie im Spiegelsaal die freundliche Amber (Chung) und die dezent skeptische („Sie ist keine Jungfrau mehr!“) Blondie (Hudgens) kennen. Pea zeigt sich – ganz Alpha – ihr gegenüber reserviert. Umso mehr gibt die kleine Schwester süffisant Contra. Immerhin hat Baby Doll (wahlweise auch gern zusammen geschrieben!) wieder jemanden gefunden.
Am folgenden Tag – nachdem Baby ihre Freundin zuerst aus den Fingern des fetten Kochs (Malcolm Scott) befreien konnte – weist Madame Gorski die Neue in die Kunst des verführerischen Tanzes ein. Unter Schwierigkeiten. Erst ihre Warnung, daß Blue mit Mädchen, die nicht vollen Körpereinsatz zeigen, kurzen Prozess macht, bewirkt die Veränderung.
Erneut läuft Musik vom Band. Verändert sich. Wirkt intensiver. Rhythmischer. Dunkler. Baby Doll verspürt die Kühle einer Schneeflocke im Gesicht. Der fernöstliche Hof vor ihr ist weiß davon.

„Wir erkennen unsere Engel in der dunkelsten Nacht oft nicht auf den ersten Blick.“
das Mädchen

Auch wenn es die eine bis andere Kritik zum Film nicht wahrhaben wollte, dreht sich im Zentrum des Drehbuchs von Steve Shibuya & Zack Snyder alles um Charaktere und deren weitere Entwicklung. Mehr als offensichtlich. Der flüchtige Blick mag von heftiger Over-the-top-Action, ordentlich viel Kaliber und Mädels in knapper Reizwäsche künden. Nehmen wir aber diese Ummantelung freudig mit auf den Weg, erfahren wir von Selbstfindung, Einsicht in das Zerbrechliche eines verratenen Ichs, wahrem Mut und ausgesprochenem Altruismus.
Baby Doll und ihre Gefährtinnen sind nicht einfach der Abzug vom Klischee einer billigen Männerphantasie, sondern die Spiegel zweier (!) Persönlichkeiten. Baby auf der einen Seite, die sich von der Schuld bedrängt sieht, ihre kleine Schwester in höchster Not erschossen zu haben. Sweet Pea auf der anderen, die mit den eigenen Dämonen der Skepsis, Labilität und des Hasardismus zu kämpfen hat.
Wir haben en détail auf der ersten Handlungsebene zwei Opfer, die sich zum ersten Mal in einer Nervenheilanstalt sehen. Auf der von Baby Doll erschaffenen Bordell-Ebene (2) begegnet sie (die reale Welt offenbart uns ja, außer „Vera Gorski“, keinen Eigennamen!) Sweet Pea. Einer jungen Frau, der drei Gemütszustände beigefügt sind. Rocket steht für ihr unbedachtes Draufgängertum, schonungslose Offenheit und Direktheit. Blondie birgt die labile wie furchtsame Seite in sich. Amber repräsentiert abwägenden Skeptizismus und die Unfähigkeit zum Entschluss im alles entscheidenden Augenblick. Im weiteren Verlauf der Handlung wird zudem klar, daß sich in der Beziehung zwischen Rocket und Pea auch die zwischen dem Mädchen und ihrer toten Schwester spiegelt. Mit den spektakulären Missionen der Mädels betreten wir die dritte Ebene der Handlung, die sowohl eine kathartische Funktion beinhaltet, als auch dramatische Auswirkungen auf die Illusion im Bordell zeitigt. Jede Entwicklung beeinflußt eine andere Facette und die Konsequenzen daraus wirken sich bis in die tatsächliche Realität aus.
Das Ende ist somit in der Tat ein großes Opfer wie der vollkommene Sieg.

Sucker Punch: Cast und Regisseur

Cast und Regisseur Zack Snyder

Mit der Besetzung der fünf wichtigen Frauenrollen tat sich die Produktion während der Casting-Phase ein klein wenig schwer. Zumindest verhinderten Terminüberschneidungen und Absagen die von Snyder angestrebte Wunschbesetzung – teilweise. So hatte er sich für die Rolle der Baby Doll just Amanda Seyfried vorgestellt, die in der Rolle nicht ohne gewesen wäre. Besagte junge Dame, die durch ein verfilmtes Abba-Musical bekannter wurde und sich seither durch eine erhebliche Anzahl von Liebesdramen bzw. Komödien selbiger Coleur gearbeitet hat, war mir vor Jahren bereits in ihrer surrealen Nebenrolle bei „Veronica Mars“ (siehe FO 203) aufgefallen. Bemerkenswert präsente (!) Augen zudem. Für den Part der Rocket wiederum sollte Emma Stone in die hohen Schnürstiefel steigen. Auch dies keine schlechte Vorstellung, ist sie doch eine durchaus vielversprechende Schauspielerin, die mir bis dato allerdings nur in eher komischen Rollen auffiel. Miss Stone entschied sich damals jedoch für „Easy A“ und landete damit einen nicht unverdienten Erfolg. Die Dritte im Bunde der Beinahen ist Evan Rachel Wood („Thirteen“ von Catherine Hardwicke), die der Amber Profil geben sollte. Auch hier ließ sich terminlich nichts Konkretes in die Wege leiten. Allerdings – mit Abbie Cornish war Snyder das Glück zum ersten Mal hold, denn der Australierin gefiel nicht nur das Skript, sie brachte auch die Zeit mit. Wer sich für die enorme Bandbreite dieser so talentierten wie attraktiven Schauspielerin interessiert, sollte sich so grandiose Dramen wie „Somersault“, oder „Bright Star“ von Jane Campion gönnen. Auch für Blondie bekam Snyder seine Wunschbesetzung, obwohl Vanessa Hudgens – bekannt durch diverse „High School Musical“-Filme – andere Dreharbeiten erst noch zum Abschluß bringen mußte.
Zu meiner nicht unbedeutenden Freude stieß alsbald eine weitere Australierin zum Cast, der ich von Anfang an eine so beindruckende Rolle (als die sich Baby Doll herausstellte!) ein klein wenig mehr zutraute als Miss Seyfried. Emily Browning. Aufgefallen als kleines Mädel, das den kompletten Cast des Sodbrand-Horrors „Ghostship“ an die Wand spielte, behielt ich den Namen im Hinterkopf. Ihre Rolle im US-Remake „The Uninvited“, aber speziell ihr Spiel im sträflich unterschätzen „Lemony Snicket“ überzeugten mich endgültig von ihren tiefergehenden Fähigkeiten. Die durchweg herbe Schönheit der 22-Jährigen nicht zu vergessen.
In einer ähnlichen Liga firmiert denn auch die Letzte im „Trio Perfekt“ des Film: Jena Malone ist in der Tat so agil wie die Rocket, die sie spielt. Die Mitzwanzigerin kann bereits auf eine ansehnliche Rollenauswahl blicken, die Werke wie „Donnie Darko“, „The Dangerous Lives Of The Altar Boys“, „Life As A House“ oder „The United States Of Leland“ umfaßt. Stets bemerkenswert und ungemein auffällig, selbst in den kleinen Parts. Ein Glücksfall für den Cineasten in jedem Fall. Das unbeschriebenste Blatt stellte für mich zu guter letzt Jamie Chung dar, die solide auf der Höhe von Vanessa Hudgens agiert.
Eine Darstellerin sollte allerdings in dieser bisherigen Aufarbeitung des Cast mitnichten fehlen – Carla Gugino. Ein Name, den mein Radar bisher immer nur am Rande wahrnahm. Die sich mit ihrer Vera Gorski indes reichlich Anerkennung erspielt hat. Nicht nur, dass diese Nebenrolle eine wichtige Funktion in der Handlung einnimmt – da sie sich im Bordell immer mehr vor ihre Mädchen stellt, ist sie nicht die „Böse“ als die sie in mancher Kurzkritik abgestempelt wird –, spielt Miss Gugino auch derart intensiv, daß nachvollziehbar wird, warum das Mädchen (Baby Doll) von ihren Worten just so beflügelt wird. Im Zusammenspiel einfach wow!
Eine Umschreibung, die auch auf den Antagonisten der Mädels zutrifft. Der Big Boss, der alle Endgegner in den Abenteuer-Leveln alt aussehen läßt. Oscar Isaac gibt seinem Pfleger (Blue) die passiv aggressive Note, die kalte Psychopathen im Film charakterisiert. Und dennoch bleibt er wandlungsfähig, denn sein krimineller Pfleger ist ein offensichtlich anderer Übelwicht, als der an der Oberfläche jovial glitzernde Mistkerl in seinem Bordell. Meine Achtung.

Sucker Punch: Rocket & Sweet Pea

So sieht es aus, wenn bei Rocket und Sweet Pea die Fetzen fliegen.

„Was willst du?!“
der Weise

Zögerlich betritt Baby Doll den japanischen Tempel und trifft dort auf einen alten Mann, der ihr eine Frage stellt. Als sie zu seiner Zufriedenheit antwortet, offenbart ihr der Weise (Scott Glenn) die Aufgabe, die vor ihr steht. Um frei zu sein, muss sie fünf Dinge finden. Eine Karte, Feuer, ein Messer wie einen Schlüssel. Die Suche danach wird ihr alles abverlangen. Damit sie die Mission angehen kann, nimmt Baby ein Katana und eine Neun Para an sich. Ihre Waffen (in der Tat ist die Para die selbe, die auch die kleine Schwester des Mädchens tötete!). Der Weise geleitet sie zum Tempel hinaus, gibt ihr einen letzten Rat mit auf den Weg: „Setz dich zur Wehr!“
Dies im Ohr tritt Baby Doll den drei dämonischen Giga-Samurai im Hof entgegen. Ein epischer Kampf zerstört das Areal und mit dem Fall des letzten Dämons, kehrt die Amazone zurück in den Spiegelsaal. Baby weiß nun um das Fünfte und Letzte, das sie auf ihrer Reise suchen muß. Im Saal indes herrscht große Begeisterung, denn in den Augen der Unbeteiligten hat die Neue einen umwerfend sinnlichen Tanz hingelegt. Madame Gorski schließt Baby Doll ins Herz.
Am Abend erzählt Baby von ihrem Plan aus dem Bordell zu fliehen und welche Gegenstände sie dafür braucht. Wie nicht anders zu erwarten, ist Rocket sofort Feuer und Flamme. Amber und Blondie lassen sich von ihrer Begeisterung und Babys Selbstsicherheit anstecken. Lediglich Sweet Pea windet sich, weist auf die Gefahr hin alles schlußendlich mit dem Leben zu bezahlen (Blue kennt hierbei keine Gnade). Sie willigt dennoch ein. Auch weil Baby ihrer Schwester Rocket beigestanden hat. Der Grundriß des Bordells, in Blues Büro hängend, ist das erste Ziel. Da Baby Doll alle Unbeteiligten mit ihrem Tanz fesseln kann, ist die Ausführung machbar. Zumal Pea eine Kopie vom Plan ziehen kann. Während dessen geht Baby mit ihren neuen Gefährtinnen den ersten gemeinsamen Level an. Eine Steampunk-Version des Ersten Weltkriegs. Inklusive Kampf-Mecha, Zombie-Soldaten und eines gigantischen Träger-Zeppelins.
Es folgen weitere atemberaubende Missionen mit tumben Orks, der Drachen-Mutter, einer Feuer speienden B-25 Mitchell, mechanischen Schützen und einer Zeitbombe mit dem Code-Namen „Küchenmesser“. Ein Kaleidoskop genial irrer Einfälle.

„Das Fünfte ist ein Rätsel. Ein großes Opfer. Aber auch ein vollkommener Sieg.“,
der Weise

Sucker Punch: Blondie

Blondie

Der Soundtrack …
Musik spielt in dieser wunderbaren Variante eines Action-Dramas eine nicht unwesentliche Rolle. Sie umfaßt nicht nur die Ereignisse, sie initiiert sie auch wie ein katalytischer Effekt. Es beginnt bereits mit der Vorgeschichte, die das Schicksal des Mädchens und ihrer Schwester erzählt. Eine düstere Version des wohl besten Eurythmic-Hits („Sweet Dreams“), gesungen von keiner anderen als Emily Browning. Die Musik vom Tonband, die Dr. Gorski für ihre Therapiesitzungen nutzt, ist mehr scheppernder Schall & Lärm, verändert sich aber grundsätzlich wann immer Baby in ihre Welten eintaucht. Ihre Initiation in der Samurai-Welt ist umrahmt von einem alten Björk-Song. Der ultimate Hammer ist allerdings die Neuinterpretation eines Jefferson Airplane-Titels zum Kampf in Paris. Gesungen von der einzigartigen Emiliana Torrini, kämpfen sich unsere Amazonen zu einer mitreißenden Gothic-Version von „White Rabbit“ durch die Horden von Steampunk-Zombies. Die Musik als Zugang für eine Reise, die allerdings auch ihr Ende markiert, wie die tragisch, schrecklich schiefgehende letzte Mission aufzeigt. Der geduldige Betrachter sollte sich aber auch den ganzen Abspann gönnen, wenn Carla Gugino & Oscar Isaac dann eine klitzernde Version von „Love Is The Drug“ geben.
Ein Soundtrack, der mitreißt.

Mit „Sucker Punch“ ist Zack Snyder ein Filmwerk geglückt, das einen inhaltlichen Ausfall wie „300“ zur Gänze vergessen läßt. Ein emotional stimmiges Drama, dessen Hauptakteure die Seele des Cineasten in Balsam zu tauchen verstehen. Angereichert mit einer phantasiereichen Action-Schiene, die nie Gefahr läuft, zum Selbstzweck zu erstarren, oder sich gar in Bay’sche Niederungen verfranst. Figuren, die einen in den Bann ziehen und das Farewell umso grundsätzlicher machen. „Sucker Punch“ ist ein Erlebnis auf vielerlei Ebenen. Tatsächlich sollte man/frau den Macher Snyder ermutigen mehr die eigenen Stoffe zu entwickeln. Allerdings ist damit nicht allzu schnell zu rechnen, befasst sich sein derzeitiges Projekt doch mit dem Relaunch der Superman-Legende. Abwarten heißt deshalb das Gebot.

Am Ende.
Der Triumph des Mädchens (Emily) über das Niederträchtige in ihrer Welt ist vollständig. Auch wenn sie einen hohen Preis dafür zu zahlen bereit war. Schlußendlich kann die Andere (Abbie) ihren Weg in die Freiheit in einem Greyhound finden, dessen Fahrer (Scott) ihr nicht nur bereitwillig hilft, sondern auch über alles Bescheid weiß. Das Mädchen wie die Andere sind Teil der selben (!) Reise gewesen. Sweet Peas alter ego begegnet nicht umsonst dem selben Jüngling, der ihr auch in den Schützengräben vor der Ruine des Notre Dame auffiel.

Sucker Punch: Steampunk-Zombie

„Ich bin hier der Bösewicht. Einer muß die Rolle ja spielen …“

Ein besonderes, ein bittersüßes Erlebnis!

Darum auch hier ein dezenter „Ab­sacker“ …
… während Baby Doll den davonsteigenden Träger-Zeppelin mit einem erbeuteten Lewis-MG in Stücke zerschießt, wütet Amber mit ihrem Mecha unter den Steampunk-Zombies. Auf der Brust ihrer Kampfmaschine steht in japanischen Schriftzeichen:

„Danger! Woman Driver!“

Robert Musa

„Sucker Punch“
USA 2011
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder & Steve Shibuya
Musik: Tyler Bates & Marius De Vries
Kostüme: Michael Wilkinson
Produktionsdesign: Rick Carter
Kamera: Larry Fong
Schnitt: William Hoy
Darsteller/innen: Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone, Carla Gugino, Oscar Isaac, Scott Glenn, Jamie Chung, Jon Hamm, Vanessa Hudgens, Frederique De Raucourt, Gerard Plunkett u. a.
110 Minuten

 

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