Andreas Brandhorst – Kinder der Ewigkeit

Andreas Brandhorst - Kinder der EwigkeitAndreas Brandhorst hat sich dank seiner beiden SF-Trilogien in den letzten Jahren wieder an die Spitze der deutschsprachigen SF-Autoren geschrieben. Nach diesem reinrassigen Ausflug in die SF legte er mit „ÄON“ erst einen Thriller vor, bevor er im letzten Jahr mit „Kinder der Ewigkeit“ wieder zur SF zurückkehrte.
Sein Weltenentwurf umfasst nicht nur die gesamte Milchstraße, sondern auch die benachbarten Sternenhaufen und Kleingalaxien. Er erinnert in Ansätzen an seine beiden ebenfalls bei Heyne erschienenen SF-Trilogien: Die Menschheit hat sich über die gesamte Milchstraße ausgebreitet und lebt in friedlicher Koexistenz mit verschiedenen anderen raumfahrenden Völkern. Die letzten Jahrtausende sind geprägt von einem überaus friedlichen Zusammenleben, gerade auch der verschiedenen menschlichen Allianzen.
Verantwortlich für diese Stabilität sind die Magister, höhere Wesen, die über die gesamte Galaxis verstreut sind und als der eigentliche Machtfaktor innerhalb der Galaxis angesehen werden muss. Dank ihrer biotechnischen Entwicklungen besteht die Möglichkeit Unsterblichkeit zu erlangen. Allerdings nicht für alle, sondern nur für diejenigen Menschen, die sich außerordentlich für das Gemeinwohl eingesetzt haben. In verschiedenen Stufen können sich die Menschen der Unsterblichkeit nähern, indem sie mit allem was sie haben dem Gemeinwohl dienen. Wer letztendlich die Unsterblichkeit erlangt, kann sich auf ein Leben einstellen, welches dann Jahrtausende zählt. Aber auch diejenigen, die sich auf den Weg zur Unsterblichkeit begeben haben, leben häufig Jahrhunderte.

Esbian ist einer von ihnen, der sich ganz und gar dem Weg der Unsterblichkeit verschrieben hat. Dafür hat er sich sogar über Jahrzehnte hinweg auf den Weg der „Dunkelheit“ begeben, denn er zählte bis vor einigen Jahrzehnten zu den besten Auftragskillern der Galaxis. Trotz des immensen technischen Fortschritts wurde er nie enttarnt oder gar gefasst. Seine Bezahlung hat er in die Unsterblichkeit reinvestiert und es so bis zur vorletzten Stufe geschafft.
Die Zeit als Auftragskiller ist allerdings für ihn abgeschlossen. Er versucht über den Weg der Wissenschaft sich genügend Meriten zu verdienen, um den Aufstieg damit bezahlen zu können. Ein mühsames Unterfangen und ein Wettlauf gegen die Zeit, denn zwischen den einzelnen Stufen der Unsterblichkeitsbehandlung dürfen nur eine gewisse Anzahl von Jahren vergehen. Ansonsten wirkt sich die körperliche Veränderung negativ aus.
Als ihm eines Tages ein geheimnisvoller Fremder aufsucht, ihm mit seiner Vergangenheit konfrontiert und ihm droht diese öffentlich zu machen, sieht er sich gezwungen zu seinem früheren Leben zurückzukehren. Er soll einmal mehr einen Menschen umbringen, nur diesmal nicht irgendwen, sondern den Vorsitzenden des Zusammenschlusses der Unsterblichen. Ein nicht ungefährlicher Auftrag, der ihm allerdings die für den weiteren Aufstieg notwendigen Meriten einbringen würde.
Mit sich selbst schwer hadernd nimmt er den Auftrag an und bringt sein Opfer tatsächlich zur Strecke. Leider bleibt der erwartete Lohn aus und stattdessen steht er mit einem Mal im Mittelpunkt des Fadenkreuzes.
Nur mit seiner langjährigen Erfahrung und viel Glück kann er seinen Tod abwenden. Nun setzt er alles daran seinen Auftraggeber zu entlarven und ihm zur Zahlung des vereinbarten Kopfgeldes zu zwingen. Da seine Tarnung aufgeflogen ist und er nunmehr mit allen Mitteln von den Unsterblichen selbst als Mörder ihres Vorsitzenden gesucht wird, sind seine Mittel und Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Immerhin findet er nach und nach heraus, dass hinter seinem Auftrag etwas viel bedeutenderes steckt, als lediglich der Tod eines Unsterblichen. Es zeichnen sich nach und nach Entwicklungen ab, die für alle Zivilisationen der Milchstraße gefährlich werden könnten.

Den einfachen Thriller-Plot verlässt Andreas Brandhorst ziemlich schnell. Es wird sehr rasch deutlich, dass die Handlung einen deutlich umfassenderen Ansatz annimmt, als man dies zu Beginn erwarten durfte. Es fügen sich Handlungsstränge zusammen, die bis tief in die Vergangenheit reichen und die Auswirkungen auf die gesamte Milchstraße haben.
Wer die beiden SF-Trilogien von Brandhorst gelesen hat, konnte mit solch einem umfassenden Handlungsansatz rechnen. Natürlich muss er sich ein wenig bei der Anzahl seiner Figuren beschränken, diese sind aber sehr detailliert ausgearbeitet und keineswegs rein schwarz/weiß gezeichnet.
Brandhorst ist ein routinierter Erzähler und ein umfassender Weltenbauer. Seine Handlung verfügt über eine Tiefe und eine Komplexität, wie der Leser sie bei anderen deutschsprachigen SF-Autoren nur selten antrifft. So verwundert es einem nicht, wenn er einige lose Handlungsstränge einbaut, die er in weiteren Romanen wieder aufnehmen kann. Eine Rückkehr in das Universum von „Kinder der Ewigkeit“ ist also durchaus möglich.

Andreas Nordiek

Andreas Brandhorst
Kinder der Ewigkeit
Heyne, Paperback
Originalausgabe, BRD: April 2010
687 Seiten

 

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