Fantasy einmal anders: AVA und die STADT des schwarzen Engels

Andreas Dresen - AVA und die STADT des schwarzen EngelsEin Held, der so gar nicht zum Helden taugt. Eine Frau in Not, die ein Jahr in der Psychiatrie verbracht hat. Und eine STADT, in der nichts so ist, wie es den Anschein hat. Das klingt auf dem ersten Blick nicht gerade nach einem klassischen Fantasyroman; und doch offenbaren sich schon nach wenigen Abschnitten so viele Fantasyelemente, dass das Weiterlesen zu einem Genuss wird.
Unser Held, der eigentlich gar nicht so zu Helden taugt, heißt Fahrat. Er entstammt aus einer Schwertlerfamilie namens deReeemer. Eigentlich sollte Fahrat ein Abenteurer sein, aber sein erstes Abenteuer ging gleich so fürchterlich schief, dass sich seine Abenteuerlust auf seine hervorragenden Kochkünste konzentriert, die ihm mittlerweile auch ein kleines Bäuchlein beschert haben. Fahrat lebt in der STADT. Normale Menschen haben keine Ahnung, wie es wirklich in dieser STADT aussieht, die eigentlich von mystischen Wesen beherrscht wird. Und so kann auch am helllichten Tag unbemerkt von den Menschen ein Golem durch die STADT marschieren. Zum Glück ist Fahrat in der Nähe und kann das Opfer vor dem Golem retten. Das Opfer ist Ava. Die Hauptfigur der Geschichte.

Ava hat ein Jahr in einer Psychiatrie verbracht. Offiziell hat sie es nicht verkraftet, dass ihre Zwillinge nach der Geburt gestorben sind. Inoffiziell behauptet sie jedoch, dass ein schwarzer Engel ihre Zwillinge entführt hat. Zudem ist Ava mittlerweile in der Lage, partiell Auren wahrzunehmen, so dass ihr klar wird, dass mystische Wesen kein Hirngespinst sind. Sie hat allerdings nur ein Ziel – sie möchte ihre Zwillinge zurück. Da Fahrat letztendlich doch ein Schwertler ist, hilft er ihr dabei.

So viel zum Plot, der auf den ersten Blick gar nicht so aufregend erscheinen mag. Andreas Dresen flicht allerdings so viele Elemente der bekannten Mystik ein, dass sich der Leser unwillkürlich fragt, ob wir Menschen wirklich einfach nur blind sind. Der Golem ist zum Beispiel so ein bekanntes mystisches Wesen. Oder auch eine Hexe, die am Hexensabbat teilnimmt. Gerade die Szene des Sabbats ist detailliert recherchiert, verbindet das Mystische mit der Realität und macht deutlich, was diese Geschichte ausmacht. Immer wieder tauchen Wesen auf, von denen man schon gehört hat und Andreas Dresen nur applaudieren kann, wie geschickt er sie für die Geschichte verwendet und einbindet. Dazu tauchen noch Wesen auf, die von Dresen selbst erdacht worden sind und auf die Geschichte zugeschnitten sind. Vornehmlich sind dies moderne Wesen. Da wäre zum Beispiel Manfred, der Lkw-Chimäre, dessen Beine mit seinem Lkw verwachsen sind und Ava und Fahrat aus der Patsche hilft.
Der klassische Fantasyfan mag vielleicht einige Probleme mit diesem Konstrukt haben, da die Geschichte bewusst in einer modernen STADT angesiedelt worden ist. Da telefonieren schwarze Engel mit ihren Handys, Wassergöttinnen werden in einem Swimming Pool beschworen, die Ratssitzungen des Stadtrats werden im Obergeschoss eines Bankhochhauses abgehalten, weil es das höchste Gebäude der Stadt ist… aber dennoch wirken genau diese Aspekte nicht plump oder unpassend.

Andreas Dresen erzählt seine Geschichte schnörkellos und zügig. Hier liegt der einzige Kritikpunkt. Teilweise fehlen innere Monologe, die dem Leser die Charaktere näher bringen, so dass er sich enger mit ihnen verbunden fühlt. So erscheinen manche Reaktionen der Charaktere überraschend, ihre Motivation bleibt unklar, was schade ist. Denn dadurch erscheint Ava teilweise wie eine emotionale Achterbahn, die zwischen Tränen, Wutanfällen und weichen Momenten schwankt. Gerade zum Ende hin fehlten die gerühmten retardierenden Momente, die geholfen hätten, die Plotstränge besser nachvollziehen zu können, was gerade für Fahrat und Baddha, die Hexe gilt.
Dennoch ist es Andreas Dresen gelungen, auf nur 196 Seiten einen atmosphärisch dichten Fantasyroman zu erzählen, der die Vorfreude auf eine Fortsetzung weckt, um zu erfahren, was er für seine Hauptcharaktere noch alles vorgesehen hat.

Katrin Hemmerling

Andreas Dresen
„AVA und die STADT des 
schwarzen Engels“
Acabus-Verlag, Hamburg 2011
196 Seiten
ISBN: 978-86282-002-3
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Andreas DresenAndreas Dresen, Jahrgang 1975, lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Aachen. Schon immer war er von fremden Welten fasziniert – von der wilden Atlantik-Küste Südirlands genauso wie von den Sagen und Legenden seiner Heimat.
www.andreas-dresen.de
 

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