FedCon XX – das Bilderbuchjubiläum

„Wir sehen uns dann am Montag!“ – „Ach ja, du hast ja 2 Tage Urlaub. Wofür nochmal?“ – „FedCon.“ – „Gesundheit?“ – „Just another Freak-Convention.“

FedCon XX - BannerEs ist salonfähig, im Fußballstadion zu stehen, die favorisierte Mannschaft anzufeuern und ein paar Tränchen zu vergießen, wenn die Meisterschaft gewonnen ist. Alternativ ist es ebenso salonfähig, sich ein paar Tage Urlaub zu nehmen, um auf ein Festival zu fahren, dort den Alkoholpegel konstant zu halten und dann völlig erledigt wieder heimzukehren. Nicht salonfähig ist es jedoch, sich mit Fandom-Gleichgesinnten in einem Hotel am Düsseldorfer Flughafen zu treffen. Absolut indiskutabel wird es dann, wenn noch Kostümierungen in Erwägung gezogen werden. So geschehen mit der Autorin dieses Artikels.
Ich kann den geneigten Leser allerdings beruhigen. Ja, ich war auf der FedCon, aber ich war nicht kostümiert. Ich bin noch nicht einmal ein richtiger SciFi-Fan (es sei denn, man zählt Doctor Who und Torchwood zum klassischen SciFi), aber einige der angekündigten Gäste waren auch mir sofort ein Begriff, so dass klar war: die zwanzigste FedCon wird meine erste SciFi-Con werden.

FedCon XX - Fans in X-Men-Kostümen

Mystique, Cyclops, Nightcrawler

Nicht unkritisch

FedCon XX - FoyerDie FedCon ist nicht unkritisch zu betrachten. Für diejenigen, die es möchten und über die nötigen Mittel verfügen, kann es ein kostenintensives Wochenende werden. Für diejenigen, die jedoch aus diversen Gründen auf ihre Finanzen achten (müssen), wird die FedCon zu einem kleinen Puzzlespiel, für das schon im Vorfeld das Budget festgelegt werden sollte. Damit meine ich nicht nur die Preise für Autogramme und Fotos, sondern auch die Nebenkosten, die eine Convention mit sich bringt. Trinken, Essen, Parken – Posten, die schon im Vorfeld hart diskutiert worden und sich letztendlich als viel heiße Luft um nichts herausgestellt haben.
Zum ersten Mal fand die FedCon XX im Hotel Maritim am Düsseldorfer Flughafen statt. Als Bewohnerin des Ruhrgebiets hatte ich somit Glück erstens das Terrain des Flughafens zu kennen inklusiver seiner Infrastruktur und zweitens ersparte ich mir die Kosten für die Unterkunft, da ich pendeln konnte. Das befürchtete Parkplatzfiasko blieb zumindest für mich aus, da ich an jedem Tag ein Plätzchen zum Contarif in der Tiefgarage des Maritims gefunden habe. 50m vom Hotel entfernt befand sich auch schon das Abfertigungsterminal mit allem, was das Herz begehrte und das Maritim nicht immer bieten konnte. Anständigen Kaffee zum Beispiel. Und eine größere Auswahl fürs Mittagessen. Ja, auch das ist während einer Convention über mehrere Tage nicht ganz unwichtig, die Chinanudeln mit Hühnchen wären mir nach 4 Tagen am Stück wohl aus dem Hals rausgekommen.

Jubiläumsprogramm

FedCon XX - Richard Dean Anderson

Richard Dean Anderson

Der aufmerksame Leser wird jetzt stutzen. 4 Tage? Waren es nicht immer 3? Stimmt auffallend. Aber wir reden hier ja von der Jubiläums-Con, so dass sich das Programm in diesem Jahr einen zusätzlichen Tag erstreckte, was ich ganz angenehm empfand. Teilweise hetzen die Besucher sonst von Panel zu Fotosession zur Autogrammjagd und haben keine Zeit für die essentiellen Dinge des Lebens. In diesem Jahr gestaltete sich dies deutlich entspannter.
Programm. Der wichtigste Punkt. In diesem Jahr ziemlich abwechslungsreich und wie immer reichlich debattiert. Ob die Preise für die entsprechenden Autogramme und Fotos gerechtfertigt sind, hat nach wie vor jeder Besucher selbst zu entscheiden. Mich interessieren in erster Linie die Panels, die ich mir – wenn mein Zeitplan es erlaubte – auch angesehen habe.
Mir waren nicht alle Gäste bekannt, das war bei jeder Con so, die ich besucht habe und wird wohl auch immer so bleiben. Dennoch ist es immer gut, sich einfach einmal in ein Panel zu setzen und sich anzuhören, was die Gäste so zu erzählen habe. Oft genug haben sie mich mit witzigen Anekdoten überrascht. Skeptisch war ich im Bezug auf Richard Dean Anderson. Als ich ihn das erste Mal bei der Opening Ceremony gesehen habe, hätte ich ihn nicht erkannt – etwas aus der Form geraten, worauf sich eine Zeitung für Lesefaule des Axel Springer-Verlags auch gleich mit der Formulierung „Speck Gyver“ stürzte. Das nächste Mal die Hausaufgaben machen, Cortison lässt jeden aufgehen wie einen Hefekloß.
Zusätzlich zu Richard Dean Anderson war die Organisation Sea Shepard, die sehr von ihm unterstützt wird, eingeladen und genau darin lag meine Skepsis begründet. Ich befürchtete, dass sich die Besucher ewig lange Vorträge darüber anhören müssten, aber diese Furcht war unbegründet.
Richard Dean Anderson war erstaunlich locker, frei von Starallüren und Berührungsängstens, so dass ich – zumindest für mich – im Nachhinein sagen kann, dass er ein Glücksgriff war.
Gleiches gilt für Scott Bakula, den zweiten „Superstar“. Und mal ehrlich: ich musste jedes Mal ehrlich lächeln, wenn ich jemanden begegnet bin, der sich gerade ein Autogramm geholt hatte oder aus einer Fotosession mit den beiden kam. Diese Personen schwebten für einen kleinen Moment ein paar Zentimeter über dem Boden; und das ist es doch, was eine Con auch ausmacht, oder?

Was darf ein Autogramm von Richard Dean Anderson kosten?

Ergebnis anschauen

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Wheeeeeeeeeeeeaton!!

FedCon XX - Wil Wheaton

Autogrammstunde mit Wil Wheaton

Mein lieber Chefredakteur ließ es sich vor der Con übrigens auch nicht nehmen, mich wegen meiner Vorfreude auf Wil Wheaton auf die Schüppe zu nehmen. Zwar konnte ich noch dagegen halten, dass Wheaton für mich als Stephen-King-Fan immer Gordie Lachance bleiben wird, aber ein Großteil des Conpublikums hatte ihn wohl noch als kleine Nervtüte Wesley Crusher im Kopf. Das erklärte wohl auch die latente Nervosität, die Wheaton im ersten Panel anzumerken war, die sich aber nach den ersten Fragen des Publikums schnell legte. Mit viel ironischem Humor („Americans re-elected George Bush, it’s not that we’re geniuses?!”) und vielen leisen, ernsthaften Tönen auf die Begebenheiten des Lebens hatte er am Ende der Con auch die überzeugt, die in ihm nur den Wesley Crusher gesehen haben. Das Abschlusspanel mit Marina Sirtis am Sonntag war für mich das persönliche Highlight der Con und das lag bestimmt nicht nur daran, dass die beiden sich die Bälle wie im Schlaf zugeschossen haben.

Tapfer durchgehalten: Garret Wang

FedCon XX - Robert Duncan McNeill + Garret Wang

Robert Duncan McNeill und Garret Wang

Einen grandiosen Master of Ceremonies hatte die Con übrigens auch zu bieten. Garret Wang, der binnen 4 Tagen die deutsche Sprache wie ein Schwamm in sich aufsaugte und mit einer Leichtigkeit durch das Programm führte, dass sogar die zwangsläufig eingespielten Trailer der Sponsoren kurzweilig angekündigt wurden. Ich gebe Garret Wang klar den Vorzug vor Mark B. Lee, der mir in seiner Attitüde immer etwas zu laut und zu amerikanisch rüberkam. Zwar versagte auch Wang nach 4 Tagen Dauerprogramm am Sonntag die Stimme, aber er hat noch tapfer durchgehalten bis zu bitteren Ende.

Etwas möchte ich zum Schluss aber auch noch hervorheben: Eine Convention funktioniert ohne Fans nicht. Über das Gelände schlendern, sich die aufwändigen Kostüme ansehen, von denen viele in stundenlanger, geduldiger Arbeit selbst geschneidert wurden und einige davon in grandios herausgearbeiteten Nummern beim Kostümwettbewerb am Samstagabend zu bewundern – das ist nach wie vor die Quintessenz der Con. Das Treffen mit Gleichgesinnten. Das, was eben jedes Fandom miteinander verbindet.
Man kann die FedCon betrachten, wie man möchte. Aber in diesem Jahr war sie vor allem eins: ein sehr entspannter Spaß, der seitens des Veranstalters ohne größere Pannen über die Bühne ging.

Katrin Hemmerling

FedCon XX - KiKa-Fernsehteam

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