Fluch der Karibik 4: Das Flair des Altbekannten

Fluch der Karibik 4: MeerjungfrauenFluch der Karibik: Fremde Gezeiten

Natürlich war das Kino fast ausverkauft. Und natürlich war mir von Anfang an klar, dass mich keine ausgefeilte Story mit tiefgründigen Charakteren und originellen Wendungen erwarten würde, sondern klassisches Popcorn-Kino. Knapp zweieinhalb Stunden seichte Unterhaltung auf hohem Hollywood-Niveau.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass man die nun also auf vier Episoden angewachsene „Fluch der Karibik“-Serie endlich einmal konsequent richtig betiteln und den Namen ihres einzigen und wahren Hauptakteurs in den Mittelpunkt stellen sollte. Statt „Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten“ müsste der Film also korrekterweise „Jack Sparrow: Fremde Gezeiten“ heißen, denn ganz ehrlich: Ohne den immer leicht tuntig wirkenden Oberpiraten mit dem schicken Bärtchen und dem sympathisch-affigen Gehabe hätte der sommerleichte Freibeuter-Cocktail nicht viel, was man ihm zu seinem Vorteil auslegen könnte.

Fluch der Karibik 4: Jack Sparrow

Leicht tuntig: Johnny Depp als Captain Jack Sparrow

Letztlich hat man jederzeit das Gefühl, alles schon einmal in den vorangegangenen Teilen gesehen zu haben. Neuer Regisseur heißt also nicht zwangsläufig neue Ideen. Dem stehen die etablierte Marke und das weltweite Franchise wie eine Mauer entgegen; der Fan kriegt das, was er kennt und alle anderen müssen eben mit der flachen Handlung und den hübschen Bildern leben.
Johnny Depp dominiert in seiner Paraderolle und eine Penélope Cruz kämpft verzweifelt aber erfolglos gegen die übermächtige Präsenz ihres Leinwand-Partners an. Gegen den blassen Auftritt der allzu offensichtlich als Quotenfrau (und Ersatz der in den ersten drei Teilen wenigstens noch amüsanten Keira Knightly) fungierenden Spanierin, wirkt selbst Keith Richards kurzer Cameo als Sparrows Daddy erfrischend.

Fluch der Karibik 4: Blackbeard

Mies synchronisiert: Ian McShane als Captain Blackbeard

Um was es in dem Film geht? Um die Suche nach der Quelle der ewigen Jugend, aber das ist gar nicht wichtig. Die Geschichte dient ohnehin nur dazu, möglichst viele bekannte Figuren vor den Augen des Zuschauers parlieren zu lassen. Als Neuzugang betritt Ian Mc-Shane als Piratenlegende Blackbeard die Bühne – und verliert sehr viel von seiner Ausstrahlung durch die völlig unpassende deutsche Synchronstimme von Hugh „Dr. House“ Laurie. Der Rest folgt dem großen Piraten-Einmaleins. Verfolgungsjagden zu Wasser, zu Lande und in der Luft, diverse Schwertkämpfe, jede Menge Sprücheklopferei, die vereinzelt durchaus witzig daherkommt, und dazwischen natürlich immer wieder Johnny Depps Poster-Antlitz in Großaufnahme.

Ich habe den Film übrigens in 3D gesehen, kann allen Filmfreunden allerdings nur bedingt empfehlen, es mir gleichzutun. Vielleicht lag es daran, dass ich statt der bislang von mir gewohnten Shutter-, diesmal mit einer Polarisationsbrille Vorlieb nehmen musste. Ein Großteil des Film spielt im Dunklen (warum eigentlich?), und da schinden die 3D-Effekte nur bedingt Eindruck. Am Ende brannten meine Augen, was mir bei Shutter-Brillen noch nie passiert ist. Der Film verliert auf jeden Fall nichts, wenn man ihn im gewohnten 2D genießt.

Fluch der Karibik 4: Syrena und Philip

Zu dick aufgetragen: Liebende aus zwei Welten


Und sonst? Die Liebesgeschichte zwischen der Meerjungfrau Syrena und dem Geistlichen Philip ist deutlich zu dick aufgetragen und wirkt im Film wie ein Fremdkörper. Überhaupt hat man das Gefühl, das weniger an vielen Stellen mehr gewesen wäre. Vereinzelte Highlights wie Richard Griffiths als herrlich dekadenter König George II. oder Damian O’Hare als spanischer Leutnant Gillette sorgen für wenige kurze Momente der Individualität. Alles andere ist optisch nahe an der Perfektion, entlarvt sich über die fast zweieinhalb Stunden Dauer dann aber eben doch nur als oberflächlich.

Fluch der Karibik 4: Angelica

Erfolgloser Kampf: Penelope Cruz als Piratenbraut Angelica

Ein Fazit? „Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten“ erfüllt die Erwartungen, sofern man sie nicht allzu hoch ansetzt. Der Streifen besticht weniger durch Spannung, als durch das Flair des Altbekannten, das jedoch langsam aber sicher der Abnutzung anheim fällt. Den geplanten fünften Teil werde ich mir definitiv nicht mehr im Kino ansehen. Wie so viele andere Filmserien hat auch die „Fluch der Karibik“-Reihe den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst. Schade. Captain Jack Sparrow hätte einen würdigen Abgang verdient gehabt.

Rüdiger Schäfer

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Fotos: Disney

 

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