Frau plus Schwert gleich Cover – Knaur wenig kreativ

L.J. McDonald - Die Krieger der Königin

Plagiat …

Mitte Mai erschien bei Droemer Knaur der High-Fantasy-Titel „Die Krieger der Königin“ von L. J. McDonald und bei Facebook freut sich der Lektor über erste Leserreaktionen. Schon letzten Herbst hatte es Kritik gehagelt: im „Verlorene Werke“-Blog erschien ein hämischer Kommentar zum ersten Coverentwurf, Zitat:

“Mich erinnert das Cover irgendwie an ein Historiencover mit unschuldiger Maid vorn drauf. Das passt zu einem Titel wie “Zeit der Sehnsucht”, aber nicht zu einem, in dem das Wort “Krieger” vorkommt. (…) Die meisten Leser sind ja fast durchweg begeistert und auch mir ist das Buch schon empfohlen worden. Aber wenn ich mir so einige Meinungen durch den Kopf gehen lasse, habe ich gleich noch mehr Unverständnis im Hinblick auf das Cover.”

Jetzt jedoch gab es lobende Worte für das neue Titelbild:

„Das Äußere des deutschen Romans hat sich komplett verändert – zu seinem Vorteil. Zu dem Wort “Krieger” passt ein Schwert wunderbar und nach allem, was ich gehört habe, beides zum Inhalt. Das obligatorische Frauengesicht ist vielleicht einen Tick zu jung geraten und mit dem Mascara war’s auch zu gut gemeint, aber alles in allem bin ich zufrieden.“

Diana Peterfreund - Ascendant

… und Original

Auf den zweiten Blick ist das Lob eher unverständlich, denn exakt diese Komposition ziert in einer etwas anderen Ausführung den Titel von „Ascendant“, dem zweiten Band der Serie über blutgierige Killereinhörner aus der Feder der US-amerikanischen Autorin Diana Peterfreund, veröffentlicht von HarperCollins im September 2010 unter dem HarperTeen-Imprint. Harper setzte mit „Ascendant“ die Gestaltung des ersten Bandes, „Rampant“, fort, auf dem schon im August 2009 die Kombination „Frauenkopf mit Schwert“ zu sehen war.
Die Anordnung ist exakt die gleiche, es wurden lediglich neue Aufnahmen von Schwert und Frauenkopf verwendet.Peterfreund wies uns darauf hin, daß die Ähnlichkeiten bis ins Detail gehen: So zeigt der Knaur-Titel ein Schwert vom gleichen Typ wie jenes auf dem Cover ihres eBooks „Errant“, das im April erschienen ist – da wurde wohl der gleiche Bildkatalog benutzt.
Die für die Gestaltung verantwortliche Münchner Agentur Zero bestätigte, daß die Ähnlichkeit mit „Ascendant“ kein Zufall ist: „Wir erhalten vom Verlag die Informationen über den Inhalt des Buches und die Referenzcover dazu – in diesem Fall war es der Roman von Diana Peterfreund. Wenn sich Geschichte, Genre und die Zielgruppe ähneln, dann sind wir angehalten, die Zielgruppe eindeutig in die Richtung zu lenken, in dem sich die Cover von der Bildsprache her ähneln.“
Die „Nachempfindung“ folgt also einem Kalkül. Die Gefahr, sich deswegen mit Urhebern auseinandersetzen zu müssen ist relativ gering: Buchtitel erreichen selten die nötige Gestaltungshöhe, um Gegenstand eines lohnenden Rechtsstreits zu werden.
Man kann sich vorstellen, daß der erste Entwurf, der schon veröffentlicht war, intern auf Kritik stieß, denkbar auch, daß die großen Buchhandelsketten den Titel so nicht ins Programm genommen hätten – da muß man schnell reagieren. Im Knaur-Marketing gibt es jedenfalls die Meinung, daß sich die Fantasy ohnehin ständig selbst zitiert, das spiegele sich dann wohl auch in der Gestaltung von Buchtiteln wieder.
Der Folgeband von „Die Krieger der Königin“ ist bereits angekündigt worden, er erscheint unter dem Titel „Die Krieger der Königin: Falkenherz“ Anfang 2012. Auf dem Cover: ein Frauenkopf mit Schwert, in der nun schon bekannten Komposition. Da bleibt man sich treu.

Manfred Müller

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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7 Antworten auf Frau plus Schwert gleich Cover – Knaur wenig kreativ

  1. PhantaNews sagt:

    Warum nehmen die eigentlich nicht die Originalcover? Ist es billiger mal eben was schlecht zusammenzustoppeln?

  2. Mit Verlaub, das Originalcover trifft den Geschmack der hiesigen Fantasyleser wohl kaum. Das sehe ich eher auf einem feurigen Liebesroman der Sorte, wie man sie links neben der Supermarktkasse findet …

  3. Soleil sagt:

    Hallo Manfred,

    danke für Deinen Hinweis!
    Mein Kommentar zum ursprünglichen Coverentwurf (auf den sich diese Meinung auch bezog) war nicht hämisch gemeint. Sondern genauso, wie es dort steht. Da ich auch diese Literatur gerne lese, weiß ich, wovon ich spreche und glaube, das einschätzen zu können.
    Und in Bezug zum ursprünglichen Coverentwurf hat jenes, das nun gewählt worden ist, deutlich gewonnen. Mehr wollte ich nicht zum Ausdruck bringen, schade, wenn das nicht ganz angekommen ist. Übrigens kenne ich auch ein bisschen die Hintergrundgeschichte zum Cover und daher bin ich schon recht zufrieden. Immerhin ist das Fantasy und zu dieser Geschichte passt ganz sicher ein Schwert. Dass ich Frauengesichter auf Covern nicht mehr sehen kann, müsste, wenn man mich regelmäßig liest, bekannt sein ;-)
    Das Buch hat übrigens eine sehr junge Heldin und ist, denke ich, auch eher für jüngere Leser geeignet. Nichtsdestotrotz konnte ich dem Werk einiges abgewinnen, da es gut geschrieben ist und eine Welt (der Krieger) enthält, die mir sehr gefallen hat.
    Das Originalcover kann man leider nie einfach so beibehalten, das ist eine rechtliche Sache. Man muss es kaufen und das ist meist einfach zu teuer. Wesentlich preiswerter also, einen eigenen Entwurf anfertigen zu lassen. Oder, siehe “Ohnmächtig” von Nina Malkin, das Originalcover nachzuahmen.
    Die Cover haben sehr viel mit der Verkaufbarkeit eines Buches zu tun. Oft wird nämlich etwas vorgegaukelt, was dann aber nicht wirklich enthalten ist. Am besten zu beobachten an der Serie von Jeanne C. Stein. Ab Band 4 gibt es … Du wirst es erraten … Frauengesichter.
    Leider ist es in Deutschland (oder halt im deutschsprachigen Raum) so, dass sich reine Urban Fantasy Serien, mögen sie auch noch so gut sein, nicht gut verkaufen. Erst, wenn eine Liebesgeschichte und/oder Erotik enthalten sind, steigen die Verkaufszahlen merklich. Sehr schade, aber nicht zu ändern. Leser halt.
    Vor einigen Jahren begann ein Verlag sehr erfolgreich damit, Cover dieser Art abzudrucken und schließlich stiegen andere ein. Jetzt haben wir nur selten etwas anderes. Schade, aber nicht zu ändern. Da müssen wir durch wie durch so manchen Hype. Er wird auch wieder vergehen und das einzige, was wirklich zählt ist der Inhalt. ;-)
    Übrigens: Nur weil ein Schwert und ein Frauengesicht drauf sind – es ist schon ziemlich ähnlich, das stimmt – muss man nicht gleich von Plagiat sprechen. So viele Gesichter wie es heute gibt, kämen wir vor Fingerzeigen gar nicht mehr zur Ruhe.
    Und der Vollständigkeit halber: Nur weil etwas das Prädikat “weiblich” trägt und/oder preiswert ist, muss es nicht schlecht sein und hat es sicher nicht verdient, von vorne herein negativiert zu werden. ;-)

    LG
    Soleil

  4. Danke für den ausführlichen Kommentar! Dem kann ich mich in vielen Punkten anschließen.

    Daß „weiblich“ nicht gleich „negativ“ ist, versteht sich ja von selbst. Dergleichen wird hier aber auch nicht behauptet.

  5. Nachtrag von heute:
    Der Artikel wurde analog zur Druckfassung von FO 264 aktualisiert.

  6. Soleil sagt:

    Schde, mein Kommentar ist ja immer noch “hämisch”, was es ja nie sein sollte. ;) Außerdem immer noch falsch zitiert, die Sätze oben beziehen sich nach wie vor auf den alten Coverentwurf!
    Übrigens: Schau mal hier: http://verlorene-werke.blogspot.com/2011/06/covergleichheit-prinzessin-im-herzen.html
    Da ist Kritik angebracht, aber nicht weil Frauenkopf und Schwert auf (wer weiß wie) vielen Romanen drauf sind ;-)

  7. Meine Interpretation, der Kommentar zum ersten Entwurf sei „hämisch“ ausgefallen, habe ich absichtlich dringelassen, um deine Entgegnung nicht davon abzuschneiden. Ich habe verstanden, daß Du es anders gemeint hast, meine Wahrnehmung bleibt davon natürlich unberührt.

    Ein falsches Zitat kann ich nicht erkennen: das erste bezieht sich auf den fallengelassenen Entwurf, das zweite auf den veröffentlichten. So war es gedacht.

    Danke für den Link! Interessanter Fall – nicht, daß sich ein Kollege da das Leben leicht gemacht hat … Das würde ich gern rausfinden.