Pathos aus jeder Pore – Transformers 3

Transformers 3

Diesen Film kann man getrost unter zwei Kategorien bewerten. Da wären zunächst einmal die Spezialeffekte. Die sind bombastisch, was bei einem Regisseur wie Michael Bay (»Armageddon«, »Pearl Harbor«) auch nicht verwundert. Und irgendwo müssen die knapp 200 Millionen US-Dollar Budget schließlich geblieben sein.
Also: Wer sehen will, wo die 3D-Technik im Jahr 2011 steht, der kann beruhigt ins Kino gehen. Er bekommt ein Effektgewitter a la card in strahlender Optik und krachendem Sound geboten. Ich selbst bin mehrfach instinktiv zurückgezuckt, wenn Explosionstrümmer scheinbar durch den Kinosaal zischten – und mit Explosionen geizt der Streifen nun wahrlich nicht. Lediglich James Camerons »Avatar« legt da in Sachen 3D-Perfektion noch eine Schippe drauf.

Die anfängliche Begeisterung verfliegt jedoch sehr schnell, wenn man die Story betrachtet. Die Idee, dass die erste bemannte Mondlandemission auf ein havariertes außerirdisches Raumschiff trifft, ist zwar nicht neu (und wer denkt jetzt nicht an die PERRY RHODAN-Serie?), aber immerhin noch halbwegs interessant. Auch der Plot, nach dem die Außerirdischen für die Einstellung der Mondexpeditionen verantwortlich waren und eine Reihe von Mitwissern (darunter John. F. Kennedy) ermorden ließen, ist durchaus kreativ und ein Festmahl für Verschwörungstheoretiker. Sobald jedoch die Transformers ins Spiel kommen, sackt die Story in bislang ungeahnte Tiefen.

Transformers 3 - Shia LaBeouf

Hat genug von Robotern: Shia LaBeouf


Abgesehen davon, dass Bay eine schon vor zehn Jahren nicht mehr zeitgemäße und geradezu ekelhaft aufdringliche Gut-Böse-Romantik zelebriert, gerieren sich die Autobots (also die gute Fraktion der Roboterrasse) als tumbe Erfüllungsgehilfen des amerikanischen Militärs und machen in dieser Rolle gerne auch mal eine Nuklearanlage im Nahen Osten platt. Schließlich gewährt ihnen der US-Präsident ein Bleiberecht im gelobten Land, wenn auch unter strenger Aufsicht.

Transformers 3 - Patrick Dempsey

Sieht eigentlich immer gut aus: Patrick Dempsey


Dabei tropft das Pathos aus jeder Pore der auf Hochglanz polierten Metallburschen und macht aus dem in Schutt und Asche gelegten Chicago, dem Schlachtfeld der finalen Auseinandersetzung, einen Abenteuerspielplatz für Helden und Sprücheklopfer. Der Tod ist dabei stets nur im Hintergrund präsent. Um der Freigabe ab 12 Jahren gerecht zu werden, benutzen die Invasoren Schusswaffen, die menschliche Körper schlicht in einer Rauchwolke verpuffen lassen.

Transformers 3 - Rosie Huntington-Whiteley

Ersetzt Megan Fox: Rosie Huntington-Whiteley

Transformers-Fans! Megan oder Rosie?

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Ansonsten geht Michael Bay gewohnt direkt zu Werke. Die neue weibliche Hauptrolle an der Seite des gesichtslosen Shia LaBeouf darf Rosie Huntington-Whiteley spielen, ein britisches Unterwäsche-Model. Ihre vordringliche Aufgabe ist es, in extrem engen, extrem kurzen Kleidchen und auf extrem hohen High Heels durch die diversen Szenen zu flanieren. Das Mitzählen der Close-ups auf die (zugegebenermaßen) beeindruckenden Rundungen der jungen Dame, habe ich im hohen zweistelligen Bereich abgebrochen.

Transformers 3 - Josh Duhamel

Schaut etwas entschlossener: Josh Duhamel


Um eine lange Geschichte und einen mit 155 Minuten (zu) langen Film kurz zu machen: »Transformers 3« ist technisch auf der Höhe der Zeit und ein wahrer Action-Orgasmus, erzählt jedoch eine Geschichte, die zwischen altbackenen Klischees, militärischer Glorifizierung und einem Humor, der dem erwachsenen Publikum albern, angesichts der allumfassenden Zerstörungsorgien sogar nahezu grotesk erscheint, nur zu erahnen ist. Nach etwa einer Stunde beginnt die große Langeweile und man wartet nur noch auf die nächste Effekt-Attacke.

Eine Frage hat mich übrigens den ganzen Film über geplagt: Warum fahren die Transformers alle Naselang als Sportflitzer oder Monstertrucks durch die Gegend, wenn sie in ihrer Robotergestalt doch fliegen können? Die Antwort kam mir auf dem Weg nach Hause: Ansonsten könnte man ja nicht diese coolen Verwandlungsszenen zeigen, die den Verkauf der Actionfiguren garantiert in neue Höhen treiben werden.

RÜDIGER SCHÄFER

»Transformers 3«, Kino, SF-Action, 155 min., FSK 12

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