Rasante Kurzweil: „Source Code“

Source Code: Jake Gyllenhaal

Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) in der Source Code-Kapsel

Geschichten, die sich um Zeitreisen drehen, sind selten frei von Logikfehlern. Sofern besagte Geschichten allerdings gut gemacht und einigermaßen spannend daherkommen, ist man als Zuschauer gerne bereit, darüber hinwegzusehen.
»Source Code«, im Deutschen mit »Quelltext« zu übersetzen, also der für Menschen lesbare Teil eines Computerprogramms, erinnert schon früh an den Comedy-Klassiker »Und täglich grüßt das Murmeltier« aus dem Jahr 1993, in dem ein unvergleichlicher Bill Murray den selben Tag immer wieder und wieder erlebt.
Der SF-Thriller »Source Code« ist nach »Moon« das zweite Werk von Regisseur Duncan Jones, und im Vergleich mit dem doch eher behäbigen Erstling von 2009 zieht der Sohn des britischen Musikers David Bowie das Tempo diesmal kräftig an.

Source Code: Michelle Monaghan und Jake Gyllenhaal

Christina Warren (Michelle Monaghan) versucht Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) zu helfen

Captain Colter Stevens (gespielt von Jake Gyllenhaal) ist ein dekorierter Helikopterpilot der US-Armee, der sich urplötzlich in einem Nahverkehrszug nach Chicago wiederfindet, jedoch keine Erinnerung daran hat, wie er dorthin gelangt ist. Ihm gegenüber sitzt Christina Warren (Michelle Monaghan), die ihn offenbar gut kennt, aber als Sean Fentress anspricht. So weit, so (zunächst) verworren. Im Lauf der Handlung findet Stevens heraus, dass er Teil eines komplexen und vom Militär entwickelten Computerprogramms namens Source Code ist, welches es ihm erlaubt, für exakt acht Minuten in den Geist eines bereits gestorbenen Menschen zu springen und diesen praktisch zu übernehmen. Danach kehrt er in seinen eigenen Körper zurück, der in einer seltsamen Kapsel eingeschlossen ist. Über Bildschirm und Mikrophon wird ihm dort weiterhin eröffnet, dass es seine Aufgabe ist, einen Attentäter zu identifizieren, der den Zug bereits am Morgen zuvor in die Luft gesprengt hat, nun jedoch einen weit größeren Anschlag mit einer schmutzigen Bombe im Herzen von Chicago plant.

Mehr sei von der durchaus reizvollen Handlung nicht verraten, und die hanebüchene pseudowissenschaftliche Erklärung, in der die bereits für zahlreichen ähnlichen physikalischen Unsinn missbrauchte Quantenmechanik mal wieder eine tragende Rolle spielt, lassen wir gnädig beiseite, zumal sie den Zuschauer ohnehin kaum mehr als zwei Minuten vom Geschehen ablenkt. Nach dem klassischen Prinzip Versuch und Irrtum kehrt der Protagonist nun Mal um Mal in die Ausgangslage (acht Minuten vor der tödlichen Detonation) zurück und sammelt dabei immer neue Informationen.

Source Code: Duncan Jones

Regisseur Duncan Jones

Ich gebe gerne zu, dass die Zeit im Kinosessel wie im Flug vergangen ist. Die intellektuell anregende Theorie paralleler Welten wird zwar sehr frei interpretiert, doch die rasante Inszenierung macht das wieder wett. Schade ist allerdings, dass sich die Story fast ausschließlich auf Jake Gyllenhaal und seine Rolle konzentriert. Vor allem die dauerlächelnde Michelle Monaghan bleibt von Beginn an gewichtsloses Beiwerk und auch der böse Attentäter ist nicht mehr als ein notwendiger Statist ohne Gesicht oder Motiv.
Dennoch ist »Source Code« gute SF-Unterhaltung im Stile von Filmen wie »Déjà-Vu« (2006) oder »Next« (2007), der allemal für eineinhalb Stunden anspruchsloses, aber kurzweiliges Popcorn-Kino gut ist.

Rüdiger Schäfer

»Source Code«
Kino, SF-Action
Regie: Duncan Jones
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan
93 min.
FSK 12

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Filme und getaggt mit , , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Rasante Kurzweil: „Source Code“

  1. Könnte mal jemand „Und täglich grüßt das Murmeltier“ neu verfilmen? Ich meine, ohne Andie MacDowell …?

  2. Rüdiger sagt:

    Es gibt Filme, von denen sollte man die Finger lassen. “Und täglich grüßt das Murmeltier” ist so einer. Was willst Du daran noch verbessern? Insofern muss jedes Remake zum Flop werden.