Verbrannte Landschaft – Attack the block

Attack the block - Joe Cornish

Joe Cornish

Im Grunde hätte man vermuten können, daß das Sub-Genre des Alien-Invasion-Films mit ‚Independence Day‘ (Verriß im FAW #164) so gründlich wie endgültig gegen dicke Mauern gefahren worden ist. Zurück bleibt eine verbrannte Landschaft, der nicht zugetraut werden kann, daß sie sich innerhalb absehbarer Zeiten rekultivieren ließe. Aber bereits die Invasionen der Dalek, Cybermen oder Sycorax auf alles Irdische in den neuen „Doctor Who“-Staffeln beweisen, daß besagter Totalausfall eine überschaubare Halbwertzeit sein Eigen nennt.
Mit ‚Skyline‘ setzten die Strause Brüder zu Weihnachten eine erste Fahnenstange dem Wind entgegen. Man/frau bemängelte die geringe Substanz des Plots, die papierflache Zeichnung der Figuren. Möglicherweise auch nur ein Mißverständnis auf Seiten der Kritikererwartungen, denn die Story um eine Gruppe Menschen, die dem Untergang zu entkommen versucht, ist durchweg spannend. Es gibt niemanden, der (für den Betrachter) die Rolle des Checkers einnimmt (eine Figur, die gewohnheitsmäßig anzutreffen ist). Ungewißheit und Überraschung bilden ein Team und eine Erlösung des Zuschauers ist in der eingefahrenen Form (Rettung) auch nicht auffindbar. Die Figurenzeichnung orientiert sich ebenso hieran und bietet vor allem nicht die obligaten Klischees, die scheinbar erwartet wurden (während dem Film im gleichen Atemzug Einfallslosigkeit vorgeworfen wird!).
Hätte hier zudem ein Tom Cruise ins Blaue hinein grimassieren sollen, um die irrige Annahme zu belegen, daß Darstellung ausschließlich etwas mit Händefuchteln und Gesichtverziehen zu tun hat?! Ein nüchtern wirkender Eric Balfour ist mir in jedem Fall lieber.
Mit ähnlich oberflächlichen Aburteilungen hatte auch der opulentere Nachfolger ‚Battle Los Angeles‘ von Jonathan Liebesmann zu kämpfen. Schlichterweise wurde in den Raum gestellt, es wäre ausschließlich ein Werbe-Clip für die US-Army-Rekrutierungsbüros. Die Stereotypen diverser Kritiken kreisten hier um grimmige Marines, die zuerst schießen und nie fragen, Zivilisten, die dem Mythos „Armee“ verfallen und pathetische Durchhaltereden. Davon ist nichts (!) im Film wiederzufinden. Dafür pures Adrenalin in einer Story, die zentral um den Überlebenswillen des Menschen kreist. Wie weit er dafür bereit ist zu gehen. Tatsächlich muß man/frau sich von dem liebgewonnenen Vorurteil verabschieden, daß Berufssoldaten grundsätzlich nur Mörder sein können. Ansonsten findet sich kein Einstieg in kritische, aber nicht einseitige Filme, wie ‚The Lucky Ones‘ / ‚Grace Is Gone‘ oder ‚Stop-Loss‘. So stellt sich in ‚Battle L. A.‘ die vorgebliche Durchhalterede von Sgt. Michael Nantz (Aaron Eckhart) als Aussprache mit dem Bruder eines, unter seinem Kommando, gefallenen Marines dar. Die Vergiftung eines Knaben mit Militarismus erweist sich als Appell an den Jungen, der gerade seinen Vater verloren hat, durchzuhalten, bis er in Sicherheit ist, um seinem Schmerz freien Lauf lassen zu können. Die Charakterisierung der Aliens als gesichtslose Aggressoren stimmt auch nicht in Gänze, denn selbst aus der Sicht der Marines (aus deren Perspektive der ganze Film spielt) ist zu erkennen, wie Verwundete aus der Schußlinie gebracht werden, oder zögernde Soldaten von Offizieren angetrieben werden. Ja, die Marines finden sogar die Zeit, um sich über die Motive der Gegner Gedanken zu machen.
Ein Themenfeld, das sich dem Anschein nach nicht so schnell erschöpfend behandeln läßt. Daß sich auch der britische Film wieder mit dem Thema Aliens im Hier & Jetzt auseinandersetzt, beweisen die folgende Zeilen.

Attack the block - Cast

Simon Howard, Alex Esmail, John Boyega, Leeon Jones & Franz Drameh

Attack The Block

Eine Rotte von fünf jugendlichen Kleinkriminellen ist dabei, eine Krankenschwester (Jodie Wittaker) auszurauben, als sie beinhart mit der Existenz außerirdischen Lebens konfrontiert werden. Aliens im Süden Londons und ihre Absichten beschränken sich keinesfalls auf ein zu tätigendes Ferngespräch. Sie sind gekommen, um zu erobern, zu morden, zu vernichten. Gnade wird keine gewährt und jeder Widerstand ist zwecklos. So lauten zumindest die Parameter der Invasion. Umstände mit denen sich die fünf Hoodies (Simon Howard, Alex Esmail, John Boyega, Leeon Jones & Franz Drameh) nicht allzu schnell anfreunden wollen, weswegen sie dem fremden Treiben auf den Grund gehen. Die Nacht in ihrem Wohnviertel wird lang und furchtbar schrecklich.
In etwa so läßt sich die Story von Joe Cornish zusammenfaßen, die er in seinem Debüt ‚Attack The Block‘ auf die große Leinwand bringt. Eine Clique von Halbstarken entdeckt im Angesicht einer ultimaten Gefahr den Wert von menschlichem Handeln – so sein Credo.
In der Tat sprang der Engländer in relativ kühles Wasser, als er sich schlußendlich dazu entschloß, seinen ersten Kinofilm anzugehen. Das Skript (vorgeblich angestoßen durch einen erlebten Raubüberfall) existierte bereits seit längerem. Eine erneute Zusammenarbeit (Skript) mit Edgar Wright (Regie ‚Scott Pilgrim‘ & davor bei ‚Hot Fuzz‘) – für das Marvel-Projekt ‚Ant-Man‘ – brachte den Stein endgültig ins Rollen. Wright erklärte sich bereit, zusammen mit Nira Park die Produktion des Stoffes zu übernehmen.

Cornish, der in seiner Jugend die Krawalle in Brixton erlebte, ist auf der britischen Insel in erster Linie für die „The Adam And Joe Show“ (zusammen mit Adam Buxton) bekannt. In der Serie, die bereits auf vier Staffeln zurückblickt, präsentieren beide unter anderem selbst gedrehte Filmparodien – unter Zuhilfenahme von Spielzeugfiguren. Daneben schrieb Joe Cornish an Drehbüchern mit oder agierte als Schauspieler (‚Shaun Of The Dead‘ wie der bereits erwähnte ‚Hot Fuzz‘). Ausgezeichnete Radioformate und Musikvideos folgten. Obwohl er also eher für leichte Muse bekannt ist, verweist Joe Cornish geduldig darauf, daß sein Erstling sich eher am ernsten Ton von ‚The Outsiders‘ oder ‚Rumble Fish‘ orientiert. Drama und Komödie treffen aufeinander. Aber darin ist das britische Kino seit längerem kompetent. Rowdys als Bürgerwehr in einem herunter gekommenen Eck Londons. ‚Attack The Block‘ lief Mitte Mai auf der Insel an. Erfolgreich?!

Robert Musa

 

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