Harry Potter – There will always be more Potter

Harry Potter - Carlsen VerlagSommer 2001. Mein Weg führt in eine Buchhandlung, um mich mit Urlaubslektüre einzudecken. Eine Woche Strandurlaub liegen vor mir und nichts in meinem Bücherschrank scheint mir würdig genug, um in meinen Koffer gepackt zu werden. Die Buchhändlerin outet mich schnell als Fantasyfan und hält mir ein Buch unter die Nase, dessen Cover ein schwarzhaariger Junge mit Brille und einer Blitznarbe ziert. Sein Name ist Harry Potter. Sie erzählt mir, dass dieses Buch momentan DER Trend ist. Ein Trend, der bis dato an mir vorbeigegangen war. Der Klappentext liest sich aber so gut an, dass ich in einem Anfall von Wahnsinn gleich die ersten drei Teile dieser „tollen Kinderbuchserie“ (Zitat Ende) kaufe.

Am Strand lernen Harry Potter und ich uns dann näher erkennen. Er hat bei Onkel und Tante in einem Schrank unter der Treppe gewohnt, sein dicker Cousin macht ihm wie Onkel und Tante das Leben zur Hölle – bis … ja bis sich herausstellt, dass Harry zaubern kann. Meine Reisebegleitung ist genervt, weil ich bald mehr Zeit mit Harry Potter verbringe als mit ihr. Aber die Bücher fesseln mich. Zeigen mir eine Welt, die mir kein Autor jemals gezeigt hat. Spielen mit Anekdoten, die jeder Mensch kennt und erklärt sie auf magische Weise. Wer hat nicht schon einmal verzweifelt seinen Schlüssel gesucht? Dank Rowling haben wir nun die Gewissheit, dass wir gar nichts dafür können!

Emma Watson, Daniel Radcliffe, Rupert Grint

Emma Watson, Daniel Radcliffe, Rupert Grint - damals

Auf dem Rückflug lese ich die letzten Seiten von „Der Gefangene von Askaban“. 2 Bücher habe ich in einer Woche verschlungen und es braucht wieder meine Reisebegleitung, die mich darauf aufmerksam macht, dass mir eine ältere Dame, die zwei Reihen von mir sitzt, vergnügt winkt und mit ihrem Buch wedelt. Sie liest gerade „Die Kammer des Schreckens“ und hält einen Daumen hoch, als sich unsere Blicke treffen. Wir nicken uns zu, wissend, dass wir beide gerade in einer Welt versunken sind, die eigentlich für Kinder gedacht war. Und doch treffe ich viele Erwachsene, die genau wie ich die Tage zählen, bis der neueste Roman veröffentlich wird. Wir stehen am Veröffentlichungstag verschlafen an unseren Türen, vor denen ein widerlich gut gelaunter DHL-Mann ein „Ihr neuer Potter ist daaaaaaa!“ trompetet und sind urplötzlich hellwach. Wir reißen ungeduldig das Paket auf und verfluchen Rowling dafür, dass man ihre Bücher einfach nicht aus der Hand legen kann.

Aber warum eigentlich? Der Aufbau der ersten Bände ist fast deckungsgleich. Harry hat Ferien, kehrt nach Hogwarts zurück, kommt einer mysteriösen Sache auf die Spur und am Ende eines jeden Bandes folgt der Showdown. Klingt nüchtern betrachtet nach Schema F. Aber es ist Rowling anzumerken, wie sehr sie jeden ihrer Charaktere liebt. Obwohl die Bücher aus der Sicht Harrys geschrieben sind, beleuchtet sie jeden Charakter in seinem Umfeld und bringt ihn dem Leser näher. Und seien wir mal ehrlich – in Harry Potters Universum findet jeder einen Charakter, mit dem er sich identifizieren kann.
Dazu ist es Rowling noch gelungen, die Leser über verschiedene Charaktere im Dunkeln zu lassen, Snapes Gesinnung wird erst im letzten Band enthüllt, der gütige Dumbledore erscheint letztendlich nicht mehr ganz so gütig. Alles Aspekte, die es schaffen, die Leser an die Bücher zu binden. Sie bringen sogar eine als lesefaul betitelte Generation dazu, wieder englische Bücher zu lesen, da die deutschen Versionen der neuesten Bände immer erst später veröffentlicht werden.

Harry Potter erlebt einen Hype wie er selten um eine Romanfigur gemacht worden ist. Das bleibt auch der Filmindustrie nicht verborgen und sie kreiert Filme, die den Büchern mehr als gerecht werden. Für die Hauptrollen hätte keine bessere Besetzung gefunden werden können und auch die Nebenrollen lesen sich wie das Who Is Who der Filmbranche. Die Schauspieler prägen das Bild ihrer Charaktere nachhaltig und in schwachen Momenten ist es immer wieder schön, Harrys Weg vom kleinen Jungen bis zum volljährigen Zauberer auch anhand der Filme zu verfolgen.

Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint

Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint - später

Nun ist es bald soweit. In wenigen Tagen ist der Starttermin für den zweiten Teil des letzten Harry Potter-Films. Ist es zu pathetisch, wenn ich sage, dass eine Ära zu Ende geht? Vorbei sind die Zeiten, in denen wir gerätselt haben, wie es mit der Handlung weitergeht, wir um den Tod eines liebgewonnen Charakters geweint haben und uns über jedes Detail, das über die Filme bekannt worden ist, gefreut haben. Ab dem 15. Juli heißt es endgültig Abschied nehmen von etwas, das unser Leben seit mehreren Jahren begleitet hat, Menschen miteinander verbunden hat und einen die alte Kindheitshoffnung, dass es so etwas wie Magie wirklich gibt, realistisch erschienen ließ.

Joanne K. Rowling

Joanne K. Rowling

Sagte ich Abschied nehmen? Nein. Niemals geht man so ganz. Das hat sich auch Rowling gedacht und pünktlich vor dem Filmstart alle Fans nochmals deftig auf die Folter gespannt. „Pottermore“ ist der Name einer Webseite, die am 23. Juni mit einer persönlichen Nachricht von JK Rowling enthüllte, was sich viele Fans gewünscht haben. Es ist nicht zu Ende. Denn auch Rowling hat zum Thema Harry Potter noch einiges im Gepäck und verspricht ihren Fans ein Online-Leseerlebnis, das seinesgleichen suchen wird. Ich freu mich drauf. Die Welt braucht Magie.

Katrin Hemmerling

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