Märchenhaft realistisch: „Wer ist Hanna?“

Hanna - Saoirse Ronan

Hanna – Blick in die Ferne


„Der Mensch läßt sich in gleichen Teilen für das Grausame wie das Wunderbare vereinnahmen.“
La Claire

Realitäten sind die aufschlußreicheren Seiten von selbst gezimmerten Legenden. Das „Wir kämpfen für die Freiheit“ wandelt sich bei Guerilleros und Warlords nicht selten zum „Nehmt euch was wir brauchen“. Moral oder Gewissen weichen der Verlockung von ausgeübter Macht über Menschen, die in einer schwächeren Position sind. Krimineller Energie sind Tür & Tor geöffnet. Der geheiligte / gerechte Kampf (gegen Wen ergibt der Tagesbefehl) rechtfertigt jede Niedertracht.
Im Grunde also nichts weiter als Abschaum, der sich pathetisch gibt. In unbeschreiblicher Barbarei werden Kinder dazu gezwungen ihre eigene Familie abzuschlachten. „Rekrutierung“ ist der euphemistische Begriff dafür. Derart innerlich gebrochen werden sie zu mörderischen Bestien gedrillt, die nur dem Oberchef und seinen dienstbaren Handlangern verpflichtet sind. Eine ruchlose Soldateska, die brandschatzend durch eine Region zieht bis sie entweder aufgerieben wird oder erkennt, daß mit schmutzigen Geschäften ordentlich viel Geld zu machen ist. Die Geschichte der Menschheit ist voller solcher Ereignisse, die sich nicht auf die „Unmoral“ unserer modernen Zeit beschränken laßen.
Eine fixe Idee einschlägig interessierter Machthaber war es seit Alters her den sogenannten „perfekten Soldaten“ zu erschaffen. Eine zweibeinige Waffe, der jede menschliche Schwäche fremd ist und die somit unbesiegbar scheint. Eine Illusion, wie die Vernichtung unzähliger Elite-Einheiten durch nominell schwächere Gegner in der Militärhistorie bewiesen hat. Dennoch wurde in den militärischen Thinktanks moderner Armeen ausgiebig weiter darüber nachgedacht, wie sich durch die Steigerung „positiver“ Anlagen, bei gleichzeitiger Eliminierung „negativer“ Bedürfnisse, der Über-Soldat herausbilden ließe. Bereits in Weltkrieg II wurden Experimente mit Wirkstoffen durchgeführt, die das Bedürfnis nach Schlaf reduzieren, wenn nicht gar gänzlich elimieren sollten. Mit derart verheerenden Folgen, daß von dem Plan einer nie schlafenden Armee bald Abstand genommen wurde. Erkenntnisse, die Verantwortliche im US-Militär nicht davon abhielten, während des Vietnam-Krieges erneut fruchtslose Versuche zu starten.
Der Traum vom völlig konditionierbaren Mega-Krieger spukt dennoch weiter in den üblichen Köpfen herum.

Wie ein Märchen …

… einst brach ein Tag an, an dem die böse Königin die Zeugnisse für ihr hexerisches Tun aus der Welt zu schaffen trachtete. So ließ sie alle, die davon Zeugnis ablegen konnten, umbringen. Allerdings gelang einem Kind die Flucht. Der Wächter des Mädchens brachte es nicht über das Herz sie zu töten. Gemeinsam flohen beide aus dem Schloß, weit in den kalten Norden, wo sie sich im tiefen Wald, in einem einsamen Häuschen verbargen. Die Königin jedoch, getrieben von der Furcht, daß das Kind zurückkehre, sandte ergebene Männer in alle Teile des Königreiches, um die Geflohenen ausfindig zu machen. Der Wächter wußte darum und so lehrte er dem Mädchen die Kunst des Kriegshandwerks, auf daß sie eines Tages die böse Königin töten konnte. Die Jahre zogen ins Land und aus dem Kind wurde eine junge Frau. Kampfesmutig, unerschrocken und meisterhaft in allen Waffengängen. Nun war es an der Zeit, daß sie ihr Schicksal ins Auge faßte. Die Kriegerin zog allein aus dem verschneiten Wald und stellte die Hexe in ihrem prachtvollen Schloß zur Rede …

„Ich habe dein Herz verfehlt.“

Hanna - Saoirse Ronan

Hanna auf der Jagd

Tief im Schnee weidet Hanna (Saoirse Ronan) das erlegte Rentier aus. Sie wirkt fast ein wenig andächtig dabei, als sie plötzlich angesprochen wird. Nur eine Winzigkeit des Zögerns und das in Felle gekleidete Mädchen wandelt sich zur beinharten Nahkämpferin. Schläge prallen in voller Wucht auf den bärtigen Mann, der ebenso ungehemmt austeilt. Eine Finte, ein Schlag und Hanna liegt rücklings im Schnee, wenige Zentimeter von den blutigen Eingeweiden. „Du bist tot“, ruft ihr der Mann an zweites Mal zu.
Ungeachtet der Schmerzen steht sie behende wieder auf den Beinen, rennt dem Gegner wild entschlossen entgegen. Ein archaischer Schrei dringt aus ihrer Kehle. Schläge, extrem harte Schläge, folgen. Ein gezielter Griff, eine effektive Bewegung. Der kräftige Angreifer landet ebenfalls im Schnee. Mühelos steht er wieder auf, blickt ihr ernst in die Augen und weist sie an das erlegte Tier allein nach Hause zu bringen. Wortlos fügt sich das Mädchen der Anweisung ihres Vaters (Eric Bana).

Kurz nach Einbruch der Nacht kommt sie an der Hütte im Wald an. Hanna wirkt ein wenig müde, aber nicht ausgezehrt. Als sie eintritt erwartet sie Dad am Feuer und stellt ihr in drei verschiedenen Sprachen Fragen, die entsprechend beantwortet werden. Er scheint damit zufrieden zu sein. Mit der Flüßigkeit der Antworten wie der Menge des erlegten Wildbrets. Zeit für das Lexikon. Monoton klingt seine Stimme als er seiner schönhaarigen Tochter ein Kapitel nach dem anderen vorliest. Hanna fragt ihn in einer Pause nach dem Klang von Musik. Erik antwortet mit der Lesung des entsprechenden Kapitels im Buch. Nur ein klein wenig läßt sich Hanna die Enttäuschung darüber anmerken. Sie hatte nicht gefragt was Musik ist, sondern WIE sie ist.

Hanna - Eric Bana & Saoirse Ronan

Der Vater (Eric Bana) lehrt Hanna das Schießen

Die Wintertage ziehen sich entlang der langen Schnur. Sind wie alle Tage an die sich das hagere Mädchen erinnern kann. Überleben und kämpfen ist eine Sache, auf die ihr Vater dabei Wert legt. Ihre Allgemeinbildung die andere. Einzig das Gefühl hatte keinen Platz nirgendwo. Selbst das ultimate Ziel – Marissa Wiegler (Cate Blanchett) – ist nur ein Objekt, das eben liquidiert werden muß. Es sei denn sie würden für immer in der finnischen Weite leben wollen. Dabei brennt Hanna innerlich danach die wahre Welt jenseits des Horizont in Augenschein nehmen zu können. Der ausgearbeitete Plan ihres Vaters ist nur eine Etappe darin. Also erklärt sie sich an einem Abend bereit dafür.
Am nächsten Morgen offenbart ihr Dad einen Sender, der die einflußreiche CIA-Agentin Wiegler direkt auf ihr Versteck aufmerksam macht. Ein einfliegendes Sonderkommando, das den untergetauchten Agenten Erik Heller aufbringt, wäre die Folge. Doch der Plan der Einsiedler ist ein definitiv anderer. Hanna überlegt noch einige Zeit, bis sie den Sender aktiviert. Erik Heller macht sich auf den Weg nach Süden, während seine Tochter stoisch das Kommando erwartet. Ein verlassen wirkendes Mädchen wie zwei tote Soldaten sind Grund genug für eine ausgiebige Untersuchung in einer geheimen CIA-Anlage. Routiniert nimmt sich die eiskalte Marissa der Sache persönlich an. Sie schickt – wissend um Hannas Vorgeschichte – eine Agentin, die ihr ähnelt, vor. Innerhalb einer Minuten hat das Mädchen der vermeintlichen Wiegler kaltblütig das Genick gebrochen, drei Wachen getötet, sich aus der Zelle befreit und bewaffnet. Der ausgelöste Großalarm kann nicht verhindern, daß die Geflohene entkommt und Marissa Wiegler innerlich schäumt.
Hanna findet sich in einer sonnendurchglühten Steinwüste wieder. Allein auf sich gestellt!

Hanna - Joe Wright

Regisseur Joe Wright

Joe Wright (nicht zu verwechseln mit Landsmann Edgar Wright – ‚Scott Pilgrim‘) gehört zu der Erfahrungsgruppe britischer Regisseure, die nach ein bis zwei Achtungserfolgen den Ruf nach Hollywood erhalten. Da in den einschlägig bekannten Studios aber ausgetrockenete Buchhalter das Sagen haben und keineswegs filmsinnige Enthusiasten, ist eine persönliche Enttäuschung quasi vorprogrammiert. Der Gerufene will eine Story mit den Mitteln der Kunstform erzählen. Die Rufer lediglich ein verkaufbares Produkt für den umkämpften Markt. Einander ausschließend Welten mußen hier in letzter Konsequenz aufeinander prallen. Wrights ernüchtende Erfahrung trägt den Titel ‚The Soloist‘. Der Film über einen talentierten Musiker, der aufgrund einer psychischen Erkrankung im Abseits landet und einen Freund findet, wurde vom federführenden Studio bereits vor der endgültigen Fertigstellung kalt fallen gelaßen. Grund war das Auseinandergehen einer Firmen-Kooperation, was wiederum zur Folge hatte, daß zwei auf den Oscar schielende Prestigeproduktionen (die jeweils sträflich überbewerteten ‚Benjamin Button‘ & ‚Revolutionary Road‘) plötzlich als Kontrahenten um die Gunst ins Rennen gingen. Kurzerhand wurde Wrights Film um fast ein halbes Jahr verschoben und die Promotion quasi auf Null eingesackt. Joe Wright durfte auf die eiskalte Weise erfahren, daß angeblicher Enthusiasmus in den Staaten nicht gleichbedeutend mit einer Wertschätzung der Person oder deren Arbeit ist. Du hast derzeit einen Namen, also arbeiten wir mit dir – so gibt sich die Kehrseite Hollywoods. Die bittere Erfahrung ist gemacht und so sieht sein aktueller Film auch wieder mehr nach Europa aus. Eckig, konrovers, vielschichtig und in Aspekten brillant.

Konfrontiert wurde Joe Wright bereits in seinen jungen Jahren mit den phantastischen Möglichkeiten Geschichten dem Publikum näher zu bringen. In Ilsington führten seine Eltern nichts weniger als ein Puppentheater. Die Imagination war damit in eine bestimmte Richtung gelenkt. Während der Grundschuljahre begann er sich für die Wirkung und Machart von Filmen zu interessieren. Die Augen öffnete ihm allerdings erst David Leans einzigartige Regiearbeit – und nach wie vor wohl beste Adaption des Dickens Roman – in ‚Great Expectations‘ (1946). Das Geschick die reale Welt in neuen Perspektiven darzustellen faszinierte den Jungen. Als Teenager folgte die Konfrontation mit Scorsese und Lynch, deren Werke ihm offenbarten, daß Film nicht nur poetische Inhalte zu transportieren vermag. Die Leidenschaft war entfacht. Anno 2005 sorgte seine eher humoristische Austen-Interpretation in ‚Pride & Prejudice‘ für ein erstes Aufmerken. Zwei Jahre später schlug Wright dann mit der stilvollen Tragödie ‚Atonement‘ voll in meinem Kontor ein. Nicht nur wegen einer bewegend mitreißenden Story in den späten Dreißigern und frühen Vierzigern. Einem anmerkenswerten Spiel von Keira Knightley wie Jame McAvoy. Auch aber nicht zuletzt wegen der Entdeckung einer mehr als talentierten Saoirse Ronan.

Hanna - Saoirse Ronan

Saoirse Ronan als Hanna

Hanna bleibt nicht allzu lange der Einsamkeit ausgeliefert. Unvermittelt trifft sie in der Nähe einer Straße auf die etwas jüngere, sich aber erfahren gebenden, Sophie (Jessica Barden). Noch ahnen beide neugierigen Mädchen nicht, daß sie jeweils eine gute Freundin ineinander gefunden haben. Hanna schließt sich der in Marroko urlaubenden, unkonventionelen Familie an. Die frühreife Sophie, Sebastian (Jason Flemyng), dem seine eher esoterische Frau Rachel (Olivia Williams) scherzhaft vorwirft er sei eher konservativ und der pausbäckige Sohnemann, der für die mysteriöse Schöne zu schwärmen beginnt. Bis zur Küste und der Weiterfahrt in Spanien saugt Hanna nicht nur alle neuen Eindrücke wie Lieder, Tanz, erotische Anziehung und fabelhaft fremdartige Szenen in sich auf. Sie erfährt auch wie eine Familie funktioniert und welchen Einfluß eine Mutter darin hat. Hanna lernt und partizipiert von jeder Erfahrung, die ihr bis dato im besten Fall ein theoretisches Abstraktum gewesen ist. In diesen Strudel eines neuen Lebens drängt sich aber alsbald eine tödliche Bedrohung, die das Mädchen fast zu spät bemerkt. Denn Marissa hat ihre Hebel gnadenlos konsequent in Bewegung gesetzt. Während der Arm des CIA nach Erik Heller Ausschau hält und ihn bis nach Berlin verfolgt, macht sich ihr Bekannter aus zwielichtigen Tagen, Isaacs (Tom Hollander), auf die Suche nach dem Resultat eines abgebrochenen, geheimen Experiments. Noch in Marroko nimmt er die Spur auf und schickt seine Skin-Schläger voraus. Während einer brutalen Hatz erkennt Sophie die andere Seite ihrer Freundin. Hanna gelingt die Flucht, aber sie läßt ihre Familie zurück und in den Händen Isaacs` & Marissas. Zwar gibt die Agentin die Fahnderin nach einem verstörten Mädchen und erhält durch taktisches Befragen das Ziel der Geflohenen, aber das Schicksal unliebsamer Zeugen ist besiegelt. Auch wenn der vierfache Mord nicht angedeutet wird, so ist die Skrupellosigkeit Marissas davor und danach Hinweis genug.

Hanna - Cate Blanchett

Cate Blanchett als Marissa Wiegler

Hanna blickt indes weiter auf das Treffen mit ihrem Vater voraus. In Berlin angekommen muß sie allerdings erfahren, daß ihr Vater nicht ihr Vater ist. Schlag folgt auf Schlag. Ihre Mutter Johanna (Vicky Krieps), die von Marissa Wiegler in der Endphase des Experiments erschoßen wurde, hatte sie zunächst abtreiben wollen. Erik warb sie für ein CIA-Unternehmen an, innerhalb dessen Föten bis zur Geburt manipuliert wurden, um perfekte Soldaten zu erschaffen. Übermenschliche Kraft, Ausdauer und sinnliche Wahrnehmung, wie ein Mangel an Angst, kritischem Denken und Gewissen. Als das Geheimprojekt in Gefahr geriet aufzufliegen, gab die CIA-Verantwortliche Wiegler den Befehl zur Liquidation aller Kinder und deren Mütter. Der Agent Heller versuchte Hanna & Johanna zu retten, aber die Flucht gelang ihm nur mit dem kleinen Kind. Erik tauchte für die kommenden Jahre unter und konditionierte Hanna weiter nach dem Programm. Bis zum Tag ihrer Entscheidung. Als Hanna den Mann, den sie bis vor kurzem für ihren Vater hielt, zur Rede stellt versucht er ihr seine Bewegründe zu erklären, daß er in ihr tatsächlich seine Tochter sieht. Aber Hanna ist zu zerrißen, um mit sich selbst wie der Situation klar zu kommen. Sie rennt davon. Weit weg will sie, als die Mördertruppe sich an die Verfolgung macht. Erik stellt sich ihnen in den Weg und selbst in der Entfernung von ein paar Häuserblocks fühlt Hanna noch wie er stirbt.
Nun gibt es keinen Ausweg mehr. In einem geschlossenen Märchenpark kommt es zum tödlichen Kampf zwischen Marissa und Hanna. „Ich habe dein Herz verfehlt…“, sind ihre letzten Worte bevor sie zum letzten Mal leidenschaftlos abdrückt.

In einer unaufgeregt subtilen Weise zitiert der Film von Joe Wright Elemente aus Märchen, die uns altbekannt sind: Die Hütte im Walde. Das unschuldige Kind, das auf Geheiß sterben soll. Die rothaarige, in grün auftretende Hexe. Der böse Kobold und seine häßlichen Schergen. Die gute, freundliche Familie. Der großherzige Gaukler (Martin Wuttke in einer kleinen, aber wichtigen Nebenrolle!). Schlußendlich der böse Wolf, der zum Showdown endgültig sein wahres Antlitz zeigt. ‚Hanna‘ ist aber auch ein Film ohne die S/W-Sicht eines Märchens. Bei all dem, was Erik für die Tochter der Frau, in die er sich verliebte, tut, bleibt er dennoch ein kaltblütiger Killer. Die Szene, in der er zwei zufällig auftauchende Polizisten tötet, entlarvt die Figur als nicht weniger Zynisch als Marissa. Zweck heiligt Mittel. Ebenso lehrt die Unschuld einer losgelaßenen Kampfmaschine, die zunächst jeden tötet, der sich ihr in den Weg stellt, das linde Fürchten. Hanna ist kein Opfer, auch wenn ihre Handlungen einer harten Konditionierung entspringen.

Sie weiß was sie tut!

Daß sie diese Einsicht hat, zeigt überdeutlich die Szene, in der sie ohne Kalkül den zweiten Wissenschaftler in der unterirdischen Anlage verschont. Für Hanna scheint eine Hoffnung möglich auch wenn sie in der letzten Einstellung einer schwer verletzten Marissa den finalen Schuß gibt. Die Szenen zwischen ihr, der Freundin, der Mutter und dem Clown deuten eine Fähigkeit zur emotionalen wie empathischen Normalität an.
Darstellerisch wird in den zentralen Rollen allererste Qualität offeriert. Ein Umstand, der zwischenzeitlich wie selbstverständlich für eine Saoirse Ronan gilt, die allerspätesten mit ‚The Lovely Bones‘ (FO #250) unter Beweis stellte, daß sie schwierige Hauptrollen zu geben und zu tragen vermag. Gil Kenans ‚City Of Ember‘ (FO #235) nicht zu vergessen. Der vielseitigen Cate Blanchett gelingt es nach langen Jahren (‚Missing‘) wieder einmal, mich restlos zu überzeugen wie zu begeistern. Miss Blanchett hat es nicht nötig, als Gegenspielerin mit dem Schnurrbart zu zwirbeln. Ein Blick in ein granithartes Antlitz und unstete Augen offenbaren die Abgründe in Marissa Wiegler. Erlesen auch die Leistung Eric Banas, der einen wölfischen Zug in Heller einfließen läßt. Gleichzeitig bleibt die gehemmte Zuneigung für seine Ziehtochter nachvollziehbar glaubhaft.

In der Abteilung für Musik können mit Abstand am besten das Thema Hannas, wie der Song für den Abspann gefallen. Nicht zu vergessen die Variationen des Kinderlieds, die den bösartigen Isaacs als Motiv durch den Film begleiten. Ansonsten bieten die Chemical Brothers einen brauchbar eingängigen Soundtrack für die harten Action-Szenen. Die feinen Melodien gewinnen allerdings eindeutig meine Sympathie.

Joe Wright ist ein märchenhaft realistischer Action-Film gelungen, der zum Erstaunen des Schreibers auch die seriöse Kritikerschaft zu überzeugen wußte. Normalerweise werden solche Stoffe von der hohen Gilde lediglich mit der desinfizierten Kneifzange angegangen – wenn überhaupt. In personam würde ich ‚Hanna‘ als unbedingt sehenswert einstufen. Interessant aber auf jeden Fall, weil er sich zwar des Märchens wie der Science Fiction bedient, die Realität in unserer konfusen Welt aber dennoch gebührend teilhaben läßt.
Gegen soviel Filmkunst ist nichts zu meinen – und persönlich ziehe ich sie jedem Kunstkino-Vehikel („Der Symbolismus in den Symbol freien Szenen!“) vor.

Der Jahrgang gibt sich bis dato ausgesprochen gut. Ein „weiter so“ kann sich der Cineast nur wünschen.

Robert Musa

Hanna - Filmplakat„Wer ist Hanna?“
Original: ‚Hanna‘
USA/GB/D 2011
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Seth Lochhead & David Farr
Kamera: Alwin Küchler
Musik: The Chemical Brothers
Kostüme: Lucie Bates
Darsteller/innen: Saoirse Ronan, Cate Blanchett, Tom Hollander, Jessica Barden, Eric Bana, Jason Flemyng, Olivia Williams, Martin Wuttke, Vicky Krieps u.a.
111 Minuten

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Filme und getaggt mit , , , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier hast Du nichts zu melden …