Hervorragend unkitschig: „Planet der Affen: Prevolution“

Plakat: Rise of the Planets of the ApesRupert Wyatt, der mit knapp 40 Jahren vergleichsweise junge Regisseur dieses Reboots, war mir bisher weitgehend unbekannt. Ein paar Kurzfilme, einige Dokumentationen und der 2008 erschienene Film »The Escapist«, ein eher belangloser Streifen um einen Gefängnisausbruch – damit wäre der filmische Lebenslauf des Briten auch schon vollständig. Und dieser Mann darf sich jetzt an einem 100 Mio. US-Dollar schweren Werk versuchen, das zudem ein jahrzehntealtes Franchise wiederbeleben soll?
Was auch immer Century Fox zu ihrer Entscheidung getrieben haben mag: Man hat damit einen Glücksgriff getan.

Planet der Affen: Prevolution - James Franco

James Franco als Will Rodman

»Planet der Affen: Prevolution« ist ein Reboot, das seinen Namen verdient, denn es erzählt die bekannte Geschichte mit modernen Mitteln. Dabei bleibt es nah genug am Original und verzichtet auf Effekthascherei. Dass in dem Film kein einziger realer Affe mitspielt und die Tiere mittels Motion Capturing im Computer zum Leben erweckt wurden, merkt man nicht, ein Umstand, der diese Form der Tricktechnik fast schon unheimlich erscheinen lässt. Caesar, der Affe, der im Zentrum der Geschichte steht, wird übrigens von Andy Serkis verkörpert, jenem britischen Schauspieler, der auch den Gollum in der »Herr der Ringe«-Trilogie mimte und Peter Jacksons »King Kong« (2005) als Bewegungsmodell diente.

Planet der Affen: Prevolution - Caesar

Andy Serkis setzt Caesar in Bewegung

Die Handlung erzählt quasi die Vorgeschichte des legendären Originals (1968), in dem eine Gruppe von Astronauten auf die Erde des Jahres 3978 verschlagen wird. Diese ist nicht nur weitgehend verwüstet, sondern zudem von intelligenten, sprechenden Affen bevölkert.
In »Planet der Affen: Prevolution« arbeitet der Wissenschaftler Will Rodman (James Franco) an einem Heilmittel für Alzheimer. Versuche an Affen zeigen vielversprechende Erfolge, darunter auch die unerwartete Nebenwirkung einer Intelligenzsteigerung. Als das Labor aufgrund eines Unfalls geschlossen wird, nimmt Rodman das Neugeborene eines seiner Versuchstiere mit nach Hause, weil er es nicht übers Herz bringt, es einzuschläfern. Der Affe erhält den Namen Caesar und wächst auf dem Dachboden des Rodman-Hauses heran …

Planet der Affen: Prevolution - Freida Pinto

Freida Pinto als Caroline Aranha

Wyatt findet in seiner konservativen, aber nuancierten Inszenierung immer wieder Zeit für die kleinen Geschichten dazwischen, für die scheinbar unwichtigen Details, die den Figuren Tiefe verleihen. Natürlich liegt der Fokus klar auf Caesar und später auf den beeindruckend animierten Affen, doch man merkt immer wieder, dass der Regisseur sein Werk nicht allein auf die Tricktechnik reduzieren wollte. Die stärkste Szene ist dabei wohl jene gegen Ende des Films, in der Caesar vor die Möglichkeit gestellt wird, einen seiner Peiniger vor dem sicheren Tod zu retten. Hier droht die Story für einen Wimpernschlag ins Kitschige abzugleiten – doch dann dreht sich Caesar um und geht davon. Affen sind eben doch nicht die besseren Menschen.

Planet der Affen: Prevolution - Caesar und Artgenosse

Caesar mit Artgenosse

»Planet der Affen: Prevolution« hat mich hervorragend unterhalten und ich bin jetzt schon auf die praktisch garantierte Fortsetzung gespannt, denn der Streifen knackte bereits an seinem Startwochenende in den USA die 50-Mio-US-Dollar-Marke – und die Abendvorstellung am Starttag in Leverkusen war ebenfalls voll.

Rüdiger Schäfer

»Planet der Affen: Prevolution«
Kino, SF, 105 min., FSK 12
Regie: Rupert Wyatt
Darsteller: James Franco, Freida Pinto, John Lithgow, Tom Felton

 

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