Lesenswerter Auftakt: „Kaiserkrieger – Die Ankunft“

Dirk van den Boom - „Kaiserkrieger I - Die Ankunft“In der auf mittlerweile sechs Romanen ausgebauten Alternativweltgeschichte wird der kleine kaiserliche Kreuzer SAARBRÜCKEN vom Vorabend des Ersten Weltkriegs in das Jahr 378 versetzt. In dieser Zeit wurde das oströmische Reich durch den Ansturm der Goten bedrängt, während sich der weströmische Teil mit einer Vielzahl von germanischen Stämmen herumschlagen musste. Beide Reiche haben ihren Zenit überschritten und die Geschichte lehrt, dass ihre Zeit langsam aber sicher ablaufen wird.

Der Autor hat sich also eine Zeit ausgesucht, in der große Veränderungen unmittelbar bevorstehen. Es ist die Zeit der beginnenden Völkerwanderung, in der große Volksstämme aus dem Osten durch die rasante Ausbreitung der Hunnen und weiterer Reiterscharen Richtung Westen ziehen.

In den ersten Kapitel des Auftaktbandes werden aber erst einmal die wichtigsten Besatzungsmitglieder der SAARBRÜCKEN eingeführt. An ihrer Spitze der erste Offizier Jan Rheinberg, ein junger Offizier mit einem Blick für das machbare, der sich dank Leistung diese Position erarbeitet hat. Ganz anders hingegen der zweite Offizier, der dem Adel entstamm und allein schon aufgrund seiner Geburt als befähigt erachtet wird ein Kommando zu übernehmen. Während Rheinberg einen guten Draht zur Mannschaft besitzt und keineswegs vergessen hat, aus welchem Stand er entstammt, überspielt …. seine Unfähigkeit durch Hochnäsigkeit und Überheblichkeit. Konflikte bleiben da nicht aus und nur aufgrund der strengen militärischen Rangordnung treten diese nicht offen zu Tage.

Zu Beginn wird die SAARBRÜCKEN in Wilhelmshaven für ihre Reise zu den afrikanischen Kolonien ausgerüstet. Neben Versorgungsgütern nimmt sie auch eine Abteilung von 160 Infanteristen mit an Bord. Es herrscht drangvolle Enge auf dem Schiff und den Offizieren ist bewusst, dass sie ein Auge auf ihre Mannschaft haben müssen.
Die Fahrt der SAARBRÜCKEN zu den afrikanischen Kolonien verläuft angespannt aber ohne besondere Vorkommnisse. Auf der Höhe Portugals fahren sie in eine Nebelbank ein, verlieren dabei allesamt das Bewusstsein und finden sich nach ihrem Erwachen im Mittelmeer wieder und zwar im Jahre 378.

Das Wieso oder Warum spielt keine entscheidende Rolle für die Offiziere bzw. wird von ihnen verdrängt. In den Vordergrund rückt sogleich die Überlegung wie ein Kreuzer der kaiserlichen Flotte ohne jedwede Hilfe in solch einer Zeit einsatzbereit bleiben kann. Jan Rheinberg, nach dem Tod des Kapitäns, zum Kapitän geworden, nimmt sich ganz pragmatischen Fragestellungen an. Während viele andere sich noch den Kopf darüber zerbrechen wie sie in diese Zeit gelangt sind und wie ihnen vor allem die Rückreise gelingen soll, stellt sich Rheinberg die Frage ihres Überlebens. Zwar sind sie den Römern technisch gesehen haushoch überlegen, aber ohne Kohlen, Ersatzteile und Munition verliert die Saarbrücken sehr schnell an Schlagkraft und wird in absehbarer Zeit als Wrack übers Mittelmeer dümpeln. Die mittelfristigen Überlebensaussichten sind also katastrophal. Rheinberg erkennt sehr schnell, dass er und seine Mannschaft nur dann eine Überlebenschance haben, wenn sie auf die Ressourcen des römischen Reiches zurückgreifen können. Hierfür benötigen sie das Wohlwollen des römischen Kaisers. Dies wiederum können sie nach Ansicht Rheinbergs nur gewinnen, wenn sie sich als nützlich für das römische Reich erweisen. Die aktuelle Bedrohung der römischen Grenzen durch eine Vielzahl von Völkern stellt einen Ansatzpunkt dar, denn militärisch gesehen sind die kaiserlichen Soldaten den Römern noch haushoch überlegen.

Dirk van den Boom lässt seine Handlungsträger gar nicht länger darüber diskutieren, wieso es zu der Versetzung kommen konnte, welche Phänomene dahinter stecken könnten und wie eine sofortige Rückkehr gelingen könnte. All diese Fragen, die in anderen Alternativweltromanen breiten Raum einnehmen, werden zurückgedrängt. Ganz pragmatische Überlebensfragen stehen im Vordergrund und hierfür benötigt der Autor eine Figur wie Rheinberg, die sich neuen Situationen anpassen kann und zudem über einen fundierten geschichtlichen und sprachlichen Hintergrund verfügt. Gerade durch letztere umschifft er die sprachlichen Hürden, die sonst unweigerlich aufgetreten wären. Missverständnisse aufgrund sprachlicher Barrieren entstehen nicht, so dass der Handlungsfaden direkt weitergesponnen werden kann.
Vermisst habe ich die Sichtweise einer Person aus den Mannschaftsdienstgraden. Diese stellen zwar den Großteil der Besatzung dar, treten aber als handelnde Personen gar nicht in Erscheinung.
Stattdessen werden unterschiedliche Handlungsschauplätze beleuchtet und Figuren eingeführt, die in den kommenden Romanen eine entscheidende Rolle spielen werden. Der Autor bereitet den Boden für die zukünftigen Ereignisse, indem er verschiedene Handlungsfäden in die Gesamthandlung einbaut. Als Leser kann man dadurch erahnen, welche Herausforderungen auf Rheinberg und seine Besatzung zukommen werden. Leider wirkt der Roman im zweiten Teil deswegen ein wenig spannungsarm.
Die eingestreute Liebesszene zwischen der Tochter eines für die Mannschaft der SAARBRÜCKEN wichtigen Senators und einem Kadetten der Saarbrücken ist ein wenig hölzern in Szene gesetzt. Birgt aber weiteres Konfliktpotential, da die beiden am Ende des Romans durchbrennen.

Dirk van den Boom hat insgesamt einen lesenswerten Auftaktroman verfasst, der für mich in einer geschichtlich überaus interessanten Zeitepoche angesiedelt ist.

Andreas Nordiek

Dirk van den Boom
Kaiserkrieger I – Die Ankunft
Atlantis-Verlag, Originalausgabe
214 Seiten

 

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