Thor ist ein Arsch: Kevin Hearne – „Hammered“

Kevin Hearne - „Hammered“Thor, der nordische Donnergott, ist, mit Verlaub gesagt, ein Arsch. Muskelbepackt, mit göttlicher Macht und miesem Ego, nachtragend, hinterhältig und heimtückisch hat er unzählige Leben ruiniert und unzählige Unschuldige ums Leben gebracht. Dadurch macht er sich natürlich auch Feinde, was, zugegebenermaßen, bei normalen Durchschnittsmenschen jetzt übersichtlich riskant ist. Dummerweise gibt es dann doch einige übernatürliche Wesen, die aus dem einen oder anderen Grund einen Groll gegen den Asen hegen und dummerweise ebenso übernatürliche wie mächtige Freunde haben.

Mit gewissen Ähnlichkeiten zu Werken wie den Glorreichen Sieben ziehen hier zwei Wikinger, die ungleicher nicht sein könnten (ein Vampir & ein Werwolf), ein russischer Donnergott, ein finnischer Volksheld vergleichbar mit dem britischen König Arthur und ein chinesischer Mystiker aus, um Thor das Handwerk ein für allemal zu legen. Dummerweise handelt es sich bei den Wikingern um Atticus’ Anwälte, denen er noch den einen oder anderen Gefallen schuldet, weswegen auch er mit von der Partie ist. Was tut man nicht alles für Freunde …

Dummerweise verstößt Atticus hierdurch gegen sämtliche Überlebensweisheiten, die er sich selber über all die Jahrhunderte seines bisherigen Lebens auferlegt hat: Bleib fern von Göttern, besonders wenn sie mit Blitzen um sich werfen können. Gehe erst recht nicht in deren Gefilde, wo sie am mächtigsten sind. Und wenn es schon sein muss, halte deinen Rückweg offen und reise leicht bepackt.

Zum Aufwärmen vor dem Unterfangen in Asgard gibt es in Tempe, Arizona noch kurz einen Territorialkrieg rivalisierender Vampirgruppen, russische Dämonenjäger geben sich ein Stelldichein und haben Atticus auf ihrer Liste als zu beseitigendem Dämonenfreund. Und weil das alles noch nicht genug ist, reserviert sich der Autor einen besonderen Platz in der Hölle, in die ja sowieso schon alle Fantasy-Freunde und Rollenspieler verdammt sind, indem er Jesus und Atticus zusammen das eine oder andere Bier heben lässt, während man sich über die Last, angebetet zu werden, austauscht und noch kurz die wundersame Vermehrung von Fish & Chips feiert.

Auch dieses Buch bietet wieder alles, was man braucht, um ein vergnügliches Leseerlebnis zu haben: Werwölfe, Zauberer, Frostriesen, Vampire, Walküren, verschiedene Götter, allen voran Thor natürlich, und diesmal sechs Ich-Erzähler zum Preis von einem, da jeder der Beteiligten sein eigenes Kapitel erhält, um seine persönliche Motivation, dem „Thor ist ein blöder Sack“-Club beizutreten, zu erläutern. Und weil es so einfach ist und sich auch wunderbar anbietet, schafft der Autor schon wieder ein paar Möglichkeiten für zukünftige Geschichten mit einer geradezu unverfrorenen Leichtigkeit. Wir dürfen uns also wirklich auf die eine oder andere Neuerscheinung freuen.
Leider, leider brauchen die Verlage selber wohl um die neun Monate, um vom abgegebenen Manuskript zum publizierten Roman zu gelangen. Kevin schreibt fleißig und gibt den vierten Roman im August ab, bedeutet dass wir im Frühjahr 2012 endlich erfahren wie es weitergeht …

Colin Wagenmann

Kevin Hearne
„The Iron Druid Chronicles: Hammered“
Del Rey, Juli 2011, 336 Seiten
ISBN 0345522486

 

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