Aus dem Leben der Leser: Interview mit Uwe Post

Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger GottesDas Komitee des Deutschen Science Fiction Preises hat am 7. September die Preisträger für 2011 bekanntgegeben: den ersten Platz in der Kategorie „Bester deutschprachiger Roman“ erhält in diesem Jahr der Titel „Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes“ von Uwe Post.
Der 1968 geborene diplomierte Physiker und Astronom Post ist seit den frühen 80er Jahren im Fandom bekannt, er ist seitdem im SFC Thunderbolt aktiv, hat als Journalist, technischer Autor und Entwickler gearbeitet und zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht, bevor er seinen ersten SF-Roman („Symbiose“) veröffentlichte, der gleich auf den Listen der deutschen SF-Literaturpreise auftauchte.
Internetmensch Post betreibt einige Webseiten, mit Autorenkollege Sven Klöpping z.B. das SF-Portal deutsche-science-fiction.de. Er spielt gern, besitzt nach eigenem Bekunden mehr Magic-Karten als MP3-Files und verfügt über eine große Portion schrägen Humor. Verheiratet ist er mit der ebenfalls schreibtüchtigen Nadine Boos, die ihm in den Ranglisten regelmäßig die Plätze streitig macht.
Für den Fandom Observer nahm sich Post direkt nach dem Spiel einige Minuten Zeit, um ein paar Fragen zu beantworten:

muellermanfredHerzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Deutschen Science Fiction Preises 2011! Wie fühlst Du Dich und wem möchtest Du danken?

Uwe PostIch fühle mich wie ein Fußballspieler, der nach Schlusspfiff befragt wird, während er das schweißgetränkte Trikot eines anderen Mannes um den Hals trägt. Mit einem Wort: deliriös (falls dieses Wort nicht existiert, betrachten wir es hiermit als erfunden, ja?).
Ich danke meinem Verleger Guido Latz, der den Mut hatte, einen Roman ohne Aliens und Tentakel zu drucken, den der Autor selbst als „ergebnisoffenes Humor-Experiment an harmlosen Genrelesern“ bezeichnet hat. Ich danke meinem Lektor, André Piotrowski, der mich nicht getötet hat, obwohl er immer noch kein signiertes Exemplar im Regal hat. Und ich danke meiner Cover-Künstlerin Si-yü Steuber, die meinen Romanhelden so lebensecht gemalt hat, dass man das Gefühl hat, man kriegt ihn gleich mitten ins Gesicht. Was in gewisser Weise ja auch der Fall ist, wenn man dann anfängt, das Buch zu lesen.

muellermanfred„Walpar …“ hat ja bereits den Kurd-Laßwitz-Preis gewonnen. Konzeptionell unterscheidet sich der DSFP vom KLP doch erheblich. Welcher der beiden Preise ist für Dich wertvoller?

Uwe PostDer DSFP findet etwas mehr Beachtung außerhalb des Fandoms und ist im Gegensatz zum KLP dotiert. Aber das wertet letzteren für mich nicht ab. Die Sensation ist, mit einem ziemlich schrägen Buch beide Preise zu gewinnen, denn das bedeutet: Auf der einen Seite hat es den SF-Schaffenden gefallen (also den vielen KLP-Preisverteilern), auf der anderen Seite der kleineren, aber sehr heterogenen DSFP-Jury. Außerdem hat das Buch gewonnen, obwohl es polarisiert. Ein paar Leuten gefiel es nämlich ganz und gar nicht, selbst einigen erklärten Freunden meiner anderen Werke. Dass es trotzdem beide Preise abgeräumt hat, heißt wohl, dass ich bei den restlichen Lesern einen absoluten Volltreffer gelandet habe. Vielleicht mit den vielen Popkultur-Zitaten, vielleicht mit dem nervtötenden, 15-jährigen Sidekick namens Kerbil, den viele erwachsene Genreleser kennen, weil sie selbst einen haben, vielleicht mit den Fidel-Castro-Sprechpuppen, vielleicht mit der alleinerziehenden Auftragsmörderin, die vor jedem Job schauen muss, wo sie ihre Tochter solange unterbringt. Das ist direkt aus dem Leben meiner Leser gegriffen!

muellermanfredVor ein paar Tagen hast Du Deinen Abschied als abhängig Beschäftigter genommen und bekanntgegeben, daß Du fortan als Entwickler und Autor Deiner Spielefirma LUDETIS tätig sein wirst. Gibt es in Zukunft nur noch Spiele und Bestseller von Dir?

Uwe PostBis zu einem Bestseller im Wortsinne fehlt noch einiges, aber im Grunde ist das ist der Plan, ja. Wir erfinden gerade ein Science-Fiction-Abenteuer für Android-Handys und Tablets, das es in der Form noch nie gegeben hat. Da bin ich natürlich auch als Autor gefordert. Und sobald ich das Fachbuch fertig habe, das ich gerade schreibe, ist auch der nächste Post-SF-Roman an der Reihe. Der wird, soviel kann ich versprechen, ganz anders als Walpar. Ob er auch ein Bestseller wird, entscheiden dann meine Leser.

-> Atlantis Verlag

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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