FOLLOW 410

FOLLOW 410Bemerkenswert an dieser Ausgabe ist das fast völlige Fehlen vereinsinterner Seiten: eine Einladung zur Mitgliederversammlung des FC e.V., das war’s. Es geht also sofort los mit den Clanbeiträgen: 22 Clanletter von 19 verschiedenen Gruppen sind diesmal enthalten, verpackt in ein psychedelisches Farbcover von Jo Schwab, das nicht nur Aquaristen gefallen wird. Als erstes schaue ich immer nach, was die Wantler geschrieben haben in der typischen Mixtur aus Berglerisch und Deutsch – das ist nicht nur wegen der Kuriosität bemerkenswert, sondern auch, weil darin stets sehr kräftige Bilder gezeichnet werden. So lernen wir in Stoaratschn 19 was über Schafe, die „Wollanan“ und werden anschließend mit „Totstreitn“, einer dramatischen Entbindunsgeschichte, belohnt. Ich kann mir nicht helfen, aber das wantlerische Leben wird wirklich nahegehend beschrieben. Das packt. Kompliment!

Daneben gefielen mir die Texte von Jörg Meierotte in Dämonenbote 68 und die Vignetten von Uwe Gehrke in Rekidaishi 39, die sich mit den geheimnisvollen Itava beschäftigen, nicht ganz menschlichen Magiern im Reich der Choson (hier stand japanische Kultur Pate). Uwe, der mit kurzen und kürzesten Texten in vielen Clanbeiträgen auftaucht, weil er es versteht, seine Figuren in den jeweiligen Hintergrund einzubauen, weiß auch mit sieben Texten im Sumpfgeblubber zu gefallen (hier ist der Hintergrund eine finstere Kultur).
Zwar kein Lieblingsbeitrag, weil ich Rollenspielberichte nicht so wahnsinnig mag, ist die Walische Kunde 72 mit Handlung aus der Zeit um Lord Edbalds Krönung (Eingeweihte wissen: irre lang her …). Ohne es beurteilen zu können, weil der walische Hintergrund so komplex ist, würde ich sagen: sehr plastisches Waligoi, kurze Abenteuer, magische Gegenstände, ungelöste Rätsel. Mal was anderes und liest sich flüssig. Auch die Sprache stimmt.

Der Erzählungsteil ist fast 100 Seiten stark und wird von Martin Heller, einem Team der Naturgeister und dem Berliner Ralf Müller bestritten. Als ich diese Ausgabe in FO 267 vorstellte, hatte ich die Texte leider noch nicht gelesen. Ich muß sagen, der erste Eindruck ist sehr durchwachsen.

Von dem Routinier Heller, dessen schnittige und kräftig gezeichnete Action ich eigentlich sehr schätze, hatte ich mir mehr erwartet: „Schatten über Ferro’Naq“ ist doch arg dozierend, in manchen Wendungen unglaubwürdig; der Autor bleibt hier weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Das Autorenteam, das in „Die letzte Hoffnung“ die tragische Geschichte der Fürstin Selesila fai Werin erzählt, schafft es nicht, den leichten Ton, der die Naturgeister-Erzählungen ausmacht, mit dem ernsten und dramatischen Charakter der Selesila-Geschichte in Einklang zu bringen. Das läßt mich ein bißchen ratlos zurück, vor allem, weil das Ende ein wenig dünn ausfällt.

Der Berliner Ralf Müller ist ein altes Fantasy-Schlachtroß und hat in FOLLOW schon so manches bemerkenswerte Stück gezeigt. In „Drei Brüder“ erzählt er aufwendig und mit schwungvollem Beginn die Geschichte eines geheimnisvollen Kriminellen, der sich Zutritt zu einer Diebesgilde verschafft. Daß alle im Gefängnis landen, läßt auf mehr hoffen: keine Klischee-Tausendsassas, sondern Leute, die auch mal scheitern. Dann aber bricht die Geschichte völlig ab, schwenkt um und endet in einer Wiedervereinigungs-Schmonzette Marke „Nur die Liebe zählt“ – gut, ich übertreibe in dem Punkt, aber von einem erfahrenen Autoren wie Ralf darf man wirklich mehr erwarten. Da passen Schwanz und Kopf nicht zusammen. Schade.

So soll das FOLLOW sein: dick.

MANFRED MÜLLER

FOLLOW 410
Mai 2011
Michael Scheuch, Darmstädter Str. 49b, 64404 Bickenbach
414 Seiten, DIN A5, Farbcover

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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