»Ist ja alles so schön bunt hier!« – MACOnvention 2011

Plakat MACOnvention 2011Nach den erfolgreichen Veranstaltungen der vergangenen Jahre ging die MACOnvention des Vereins »Manga und Anime Community« im Sommer in die siebte Runde. Vom 
22. bis zum 24. Juli 2011 trafen in der Kürnberghalle in Linz/Leonding Cosplayer, Musiker, Schauspieler, Literaten und Yu-Gi-Oh!-Spieler aufeinander – und auf ein buntes – Publikum, das gekommen war, die japanische Popkultur zu feiern. Seit 2005 bildet die Convention jährlich eines der Highlights der österreichischen Manga- und Anime-Szene.
In der bewährten Mischung aus Mangas (Comics aus Japan), Videospielen, Theaterstücken, Filmen, Workshops, Lesungen und Wettbewerben präsentierte der Verein einmal mehr ein abwechslungsreiches Programm. Wie aber kommt eine 42-jährige Zombieexpertin aus München auf ein japanisches Jugendfestival in Linz? Die Antwort ist einfach: mit dem Auto. Hinter meiner Teilnahme an der »MACO« steckte natürlich wesentlich mehr als Reiselust oder der Wunsch, ein Stück Linzer Torte zu futtern: Heuer wurde auf der MACOnvention ein zusätzliches Spezialprogramm angeboten. Unter dem Motto »Zombie culture, rotten society?« konnten sich die Besucher mit dem aktuellen Zombiefieber auseinandersetzen. Die Wiener Fantastikautorin Nina Horvath hatte hierzu eine vielseitige Lesereihe zusammengestellt und neben anderen Autoren auch mich eingeladen. Als erklärte Verfechterin der Rechte von Untoten habe ich mich nicht lange bitten lassen und mich auf den Weg nach Linz gemacht.

MACOnvention 2011 - Gemeinschaftsstand

Am Gemeinschaftsstand seht ihr, von links nach rechts: Autor und Verleger Helmfried Protsch, Herbert W. Muellner, Autorin und -Verlegerin Simone Edelberg, Autorin Manuela P. Forst und Autorin Nina Horvath

Ödnis, Kreiselverkehr 
und Hup-Gene

Und dieser Weg hatte es in sich! An meiner Seite: Deutschlands ältester Jungverleger Helmfried Protsch (71), der eigens für die Reise nach Österreich einen Wagen gemietet hatte. Für die 248 Kilometer lange Strecke würden wir nicht länger als drei Stunden brauchen. Dachten wir. Doch die Götter der Literatur müssen zornig auf uns gewesen sein, denn unterwegs begegneten wir allerlei merkwürdigem Getier: kriechenden Autofahrerschnecken, penetranten Buswinkern, drängelnden Wunschkennzeichenfahrern, elefantösen Lastkraftwagenviecherln und linksfahrenden Bergaufbremsern. Dazu ergoss sich ein Wolkenbruch nach dem anderen über uns, während wir uns tapfer durch Baustellen schlängelten und uns die nahtlos ineinander übergehenden Staus mit dem Rezitieren von Gedichten versüßten.

MACOnvention 2011 - Tüte

Mit Tüte entzieht man sich lästigen Nachfragen

Helmfried und ich bemühten uns nach Kräften, die Unbequemlichkeiten der Fahrt mit Humor zu nehmen. Doch die Ödnis der kargen niederbayerischen Landschaft um uns herum legte sich schwer auf unsere Seelen. Munter wurden wir erst wieder, als wir die stillgelegten Gebäude der deutsch-österreichischen Grenze passierten und kurz mit dem Gedanken liebäugelten, diese zu erwerben und in ein Literaturhotel umzuwandeln. In Oberösterreich bekam unsere aufblühende Heiterkeit aber schnell einen Dämpfer. Nicht nur, dass unsere per »ViaMichelin« erstellte Routenplanung arg zu wünschen übrig ließ, nein, uns verwirrten auch die zahlreichen Kreisverkehrangebote unseres Nachbarlandes. Aus welchen Gründen die Oberösterreicher diese von uns »Kreiselverkehr« getauften Schwindelmacher so gern bauen – um das Geld für Ampeln zu sparen oder um Touristen zu ärgern –, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben.

Einigermaßen hilflos irrten wir von Ortschaft zu Ortschaft. Die Uhr tickte. 16:45 Uhr, 17:00 Uhr, 17:15 Uhr … – um 17:30 Uhr sollte die Eröffnungsansprache gehalten werden und wir kreiselten immer noch um Linz herum, ohne die Abzweigung nach -Leonding zu entdecken! Unsere Aufgabe wurde nicht leichter durch das Hupkonzert der oberösterreichischen Autofahrer. Wagten wir es auch nur für Sekunden, ein wenig langsamer zu fahren, um Straßenschilder zu entziffern, wurden wir mit dröhnendem Gehupe »abgemahnt«.

Der Oberösterreicher gehört an und für sich zu einem sympathischen Menschenschlag, scheint aber ein von der Wissenschaft noch unerforschtes Hup-Gen in sich zu tragen, das ihn zwingt, beim Anblick von vom Wege abgekommener Reisender auf die Hupe zu drücken. Glücklicherweise entdeckten wir auf einer einsamen Landstraße einen Mann, der uns die richtige Richtung wies. Sieben Kreisel später und wenige Minuten vor Eröffnung der MACOnvention erreichten wir erschöpft die Kürnberghalle. Wie durch ein Wunder fanden wir sogar direkt vor der Halle einen freien Parkplatz. Eine riesige, kostümierte Menschenschlange versperrte uns die Sicht auf den Eingang. Kurzes Durchatmen, dann stürzten wir uns ins Getümmel.

Bettenlos in Linz

MACOnvention 2011 - Cyberpunk

„Cyberpunk“ – ohne namentliche Nennung

Leuchtende Perücken im Wechsel mit knalligen Kostümen, wilde Accessoires, viel nackte Haut und mutige Make-up-Zusammenstellungen empfingen uns. Die Cosplayer waren los! Beim Cosplay, dem Verkleiden als Comicfigur oder Videospielcharakter, darf man nicht nur der Welt die eigene Kreativität beim Entwurf auffälliger Kostüme beweisen, sondern auch in die Rolle seines Lieblingshelden schlüpfen. Um uns herum drängten sich Gestalten, die direkt der Leinwand entstiegen oder aus den aktuellen Mangas gekrabbelt sein mussten. Reizüberflutung pur. Für Helmfried und mich war dies der erste hautnahe Kontakt mit der schillernden Manga- und Anime-Welt. Aber bestimmt nicht der letzte. Die MACOnvention ist übrigens, wie wir später erfuhren, auch offizielles Partner-Event der europäischen Cosplay-Meisterschaft »EuroCosplay« – -einem europaweiten Wettbewerb, bei dem in jedem Jahr Europas bester Cosplayer -gekürt wird.

Viel Zeit, die Besucher zu bewundern, hatten wir allerdings nicht. Es galt, sich an der Menschentraube vorbeizuschieben, uns dem Ordner vorzustellen und Nina Horvath zu finden. Der Ordner führte uns zum Check-in, wo wir unsere Con-Pässe erhielten und zu unserem Entsetzen erfuhren, dass noch nicht klar war, wo wir denn nun schlafen würden. Eigentlich hatten wir ja noch vor der Veranstaltung unser Gepäck abstellen wollen. Aber dazu war es nun ohnehin zu spät. An ein Frischmachen oder gar Umziehen war nicht zu denken. Essen? Fehlanzeige! Plötzlich stand wie aus dem Boden gewachsen Nina Horvath mit ihrem Freund Markus Bayr neben uns. Die Wiedersehensfreude war groß. Ich habe Nina 2008 im Forum der Edition Geschichtenweber kennengelernt. Seitdem treffen wir uns immer wieder bei den verschiedenen Conventions und ich war glücklich, endlich ein vertrautes Gesicht unter all den Cosplayern zu entdecken. Noch glücklicher war ich, als sich wenige Sekunden später auch Autorin Manuela P. Forst samt Ehemann zu uns gesellte und wir es mit vereinten Kräften schafften, gerade rechtzeitig vor Beginn der Eröffnungsansprache unsere Bücher am Gemeinschaftsstand der Autoren im Hauptsaal auszulegen. Sogar ein kurzer Besuch der Damentoilette war zeitlich noch drin. Hurra! Die Ansprache selbst rauschte mehr oder minder an mir vorbei. Was nicht an der Technik, sondern am Akzent des Sprechers lag. Vollkommen unverständlich für meine preußischen Ohren. Und da dachte ich immer, nach elf Jahren in Bayern könnte mich kein Dialekt mehr erschüttern …

Wo viel Dampf ist, 
muss auch Feuer sein

Direkt nach der Ansprache rasten Nina und ich in den Workshopraum 1, um die Steampunk-Anthologie »Von Feuer und Dampf« vorzustellen. Vor einem kleinen, aber feinen Publikum – darunter sogar ein echter Steampunk namens Julian aka »JulianTheAssassin« – und untermalt von den Klängen von »Heidi« und den Schlümpfen stellten wir unter Beweis, dass Autorinnen mehr als heiße Luft produzieren und voller Feuer stecken. Und das nach der Anreise … Ächz! Aber was tut frau nicht alles für ihre Leser? Der Applaus für unsere Geschichten entschädigte uns dann aber reichlich für -unsere Mühen.

MACOnvention 2011 - Horvath & Edelberg

Zwei Autorinnen auf Lesung: Nina Horvath (li.) und Simone Edelberg (re.)

Mehr Feuer konnte ich allerdings nach der Lesung nicht mehr aufbringen. Mein Magen hing in den Knien und behinderte mich beim Gehen und Helmfried war vor Hunger schon ganz grün im Gesicht. Also erkundigten wir uns erneut nach unserem Zimmer (ergebnislos) und ließen uns dann im hauseigenen Restaurant nieder, wo wir die schlechtesten Pommes frites der Weltgeschichte verzehrten. Leider verpassten wir dadurch die Lesungen von Martin Skerhut und Magdalene Ecker – sie mögen uns verzeihen! Reichlich angeschlagen hielten wir im Anschluss noch eine Weile Wache am Autorentisch, bis wir endlich, endlich die Adresse unseres Hotels erfuhren. Ausgestattet mit einer Anfahrtsbeschreibung kämpften wir uns durch weitere Kreisverkehrangebote und gelangten nach einer abenteuerlichen Fahrt zu unserem »Hotel«. Welches diesen Namen nicht verdiente. Aus Höflichkeit erspare ich mir die Schilderung von Einzelheiten, möchte aber erwähnen, dass ich in meinen jungen Jahren in einer berüchtigten Kairoer Absteige besser genächtigt habe…

Frisch gefrühstückt 
ist halb gewonnen

MACOnvention 2011 - Maske

Eine unbekannte italienische Schönheit

Am nächsten Morgen genossen wir ein kaiserliches Frühstück im traditionsreichen Linzer »Café Traxlmayer«. Dann stand auch schon mein Haiku-Workshop an. Hatte ich anfänglich nur zwei Teilnehmer, plätscherten nach und nach weitere Interessenten in den Raum, sodass wir zum Schluss eine nette dichtende Truppe waren. Weniger nett war die Lärmbeschallung aus dem Hauptsaal, die sich, bei aller Liebe zur japanischen Popkultur, dann doch ein bissl zerstörerisch auf die Feinheiten der japanischen Lyrik auswirkte. Unseren Spaß hatten wir trotzdem.

Spaßig ging es auch beim Fimo-Bastel-Workshop zu, der von Marianna Mondelos von »Sweet Ticket« angeboten wurde. Lustvoll knetete ich mich eine volle Stunde lang in Ekstase. Das Ergebnis: ein dicker Fimo-Doughnut, der nun mein Handy schmückt. Sehr »kawaii« (niedlich, süß), sehr japanisch!

MACOnvention 2011 - Andreas Gruber

Nicht Karaoke-singend, ­dafür lesend: Autor Andreas Gruber

Den Rest des Tages verbrachte ich überwiegend am Autorenstand und genoss die zahlreichen Showacts junger Theatergruppen aus ganz Europa. Von unserem Platz auf der Galerie hatten wir eine perfekte Sicht auf das Programm. Ab und zu schaute ich bei den übrigen Ausstellern vorbei, erwarb zwei Cosplay-Perücken, kiebitzte ins Fotostudio, lehnte das Angebot von Andres Gruber ab, gemeinsam mit ihm Karaoke zu singen (dafür besuchte ich am Abend seine Lesung) und informierte mich über die neuesten Videospiele. Kurz: Ich amüsierte mich prächtig! Am Abend las ich dann aus meiner Anthologie »Auch Zombies brauchen Liebe«.

Der dritte Tag verlief wie der zweite im Flug und brachte die Erkenntnis, dass ich beim nächsten Jahr am Cosplay-Wettbewerb teilnehmen möchte, Linzerisch ein schwieriger Dialekt ist und Mangas sich gut in meinen Bücherregalen machen. MACO 2012 – ich komme!

Simone Edelberg

MACOnvention 2011 - Dancecrew

Showact „Lost in Time“ der X’n’Y Dancecrew

 

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