Seicht, nicht platt: „X-Men: Erste Entscheidung“

X-Men: First Class
Die größte Schwierigkeit sogenannter Prequels, also Filmen, die sich auf ein bereits bestehendes Franchise stützen, jedoch zeitlich vor den eigentlichen Originalen angesiedelt sind, ist meistens die Kontinuität. Nach drei X-Men-Streifen (2000, 2003, 2006) und einem Origins-Film („Wolverine“, 2009) hat sich nun Matthew Vaughn („Stardust“, „Kick-Ass“) erstmals an die legendären Marvel-Mutanten herangewagt und erzählt die Vorgeschichte der beiden Erzfeinde Charles Xavier (Professor X) und Erik Lensherr (Magneto), die sich Anfang der 1960er Jahre kennenlernen und zwischen denen sich zunächst eine Freundschaft entwickelt. Gemeinsam nimmt man den Kampf gegen Sebastian Shaw auf, der mit einer kleinen Gruppe von Mutanten die USA und die Sowjetunion in einen nuklearen Krieg zwingen will, um die Menschheit zu vernichten und die Mutanten, die er als neue und dominante Spezies des Planeten ansieht, zu den neuen Herrschern zu machen. So weit die wenig originelle Story …

»X-Men: Erste Entscheidung« ist dennoch Popcorn-Kino wie es sein muss. Zwar wirken James McAvoy als der junge Professor X und Michael Fassbender als der werdende Magneto ab und an ein wenig überfordert, doch wer kann schon gegen einen Patrick Stewart oder einen Ian McKellen anspielen, deren Bilder sich in den Köpfen der X-Men-Fans festgesetzt haben? Als Ausgleich zeigt Kevin Bacon als Oberfiesling Sebastian Shaw eine Glanzleistung.

Der Film ist seicht, ohne platt zu sein. Die Charaktere haben weder Ecken noch Kanten, und wirken trotzdem nicht oberflächlich. Gut und Böse sind klar getrennt, doch die Klischees stören nicht, weil die Geschichte schnell, spannend und ohne Längen erzählt wird – die über zwei Stunden Laufzeit vergehen rasend schnell.

Kenner der bisherigen Filme freuen sich zudem über zahlreiche Anspielungen. Diese sind manchmal offensichtlich (wie der Cameo von Hugh Jackman als Wolverine) und manchmal versteckt (die spätere Storm erscheint in einer Sequenz als kleines Kind). Ein bisschen schade sind dagegen die Logikfehler, wie beispielsweise die Tatsache, dass es in „X-Men – Der letzte Widerstand“ (zeitlich nach „X-Men: Erste Entscheidung“ angesiedelt) eine Szene gibt, in der Professor X noch nicht im Rollstuhl sitzt. Das hätte er nach dem Finale von „X-Men: Erste Entscheidung“ jedoch zwangsläufig müssen.

Fazit: Ein von Beginn bis zum Ende unterhaltsamer Action-Streifen nicht nur für X-Men-Experten.

Rüdiger Schäfer

„X-Men: Erste Entscheidung“
Kino, SF-Action
127 min., FSK 12

 

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