Biedere Allerweltsware: „Scream 4“

Plakat „Scream 4“Ich ärgere mich eigentlich selten. Und noch seltener ärgere ich mich über Filme. Bei »Scream 4« war es leider wieder einmal soweit …
Die in den Jahren 1996-2000 von Horror-Legende Wes Craven realisierte »Scream«-Trilogie gehört heute längst zu den wichtigsten Filmen des Genres und fand in der Folgezeit zahlreiche Nachahmer. Craven hauchte dem ausgelutschten Slasher-Movie praktisch neues Leben ein. Mit einem Gesamtbudget von rund 80 Mio. US-Dollar gedreht, verdienten die drei Filme an den Kinokassen insgesamt über 500 Mio. US-Dollar.
Die Handlung dreht sich dabei um einen Serienmörder, der – aufgrund einer weißen Maske mit großen schwarzen Augen und einem verzerrten Mund als Ghostface bezeichnet – in der fiktiven Stadt Woodsboro seinem blutigen Handwerk nachgeht. Im Laufe der Trilogie werden immer mehr Hintergründe über die Taten bekannt, in deren Mittelpunkt die von Neve Campbell gespielte Sidney Prescott und deren vor Jahren brutal ermordete Mutter stehen.
Warum man nun zehn Jahre nach »Scream 3« auf die Idee kam, die abgeschlossene Story müsse unbedingt fortgesetzt werden, entzieht sich meiner Kenntnis, doch ich war durchaus bereit, mir den fertigen Film völlig unvoreingenommen anzusehen, zumal ja nicht nur der komplette Original-Cast (zumindest der Teil, den Ghostface übrig gelassen hatte), sondern auch Wes Craven als Regisseur mitwirken sollten.

Plakat „Scream 4“»Scream 4« spielt (ebenfalls) zehn Jahre nach »Scream 3«. Sidney Prescott hat ihre traumatischen Erlebnisse in mehreren Büchern verarbeitet und kehrt im Rahmen einer Lesereise in ihre alte Heimatstadt Woodsboro zurück. Es kommt, wie es kommen muss: Ein Unbekannter in Ghostface-Verkleidung beginnt eine grausame Mordserie und stellt die Ereignisse von damals nach. Der Rest ist Horror-Hausmannskost aus dem Klischee-Kochbuch.
Wäre »Scream 4« unmittelbar nach Teil 3 gedreht worden, hätte man das Werk vielleicht noch als zwar schlechte Fortsetzung, durch den damaligen Hype aber zumindest nachvollziehbaren Versuch werten können, die Kuh bis zum bitteren Ende zu melken. Statt dessen pflanzt Wes Craven einen antik anmutenden Film in eine Zeit, die mit den beiden »Hostel«-Streifen oder der »Saw«-Serie längst den ewig gleichen Slasher-Orgien der 1980er und 1990er Jahre entwachsen ist. »Scream 4« hätte mit seiner antiquierten Inszenierung, den aus heutiger Sicht linkisch wirkenden Schockeffekten und der banalen Handlung vor 30 Jahren noch für Interesse gesorgt; 2011 reicht es nicht einmal mehr zur simplen Anerkennung der bemühten Leistung einer Horrorfilm-Ikone.

Wes Craven enttäuscht seine Zuschauer mit biederer Allerweltsware und recycelt die ersten drei Folgen seines Franchises mit einer geradezu beleidigenden Penetranz. Fast jede Szene glaubt man schon einmal gesehen zu haben, fast jeder Gag ist aus den Vorgängern bekannt. Die Figuren haben sich in zehn Jahren nicht einmal ansatzweise weiter entwickelt und am Ende der Vorstellung habe ich ernsthaft überlegt, ob man im Vorführraum vielleicht die falsche Kopie in die Abspielgeräte gelegt hat. »Scream 4« ist nichts weiter als eine Art Best Of von »Scream 1-3«!

Spoiler – aus Bosheit

Genug gezetert. Ich verrate in meinen Rezensionen sonst nie den Plot eines Films; hier tue ich es (aus reiner Bosheit). Wer sich dieses Machwerk trotz meiner Warnungen ansehen möchte, der sollte jetzt mit dem Lesen aufhören. Also: Die irre Killerin ist Sidney Prescotts Cousine Jill, die es nicht ertragen kann, dass Sidney aufgrund der Woodsboro-Morde berühmt geworden ist und es ihr deshalb gleichtun will. Deshalb arrangiert sie die neue Mordserie an deren Ende sie als einzige Überlebende und Heldin dastehen soll. Und ja: Das ist im Kern die Handlung von »Scream 2«.

Fazit: Die »Scream«-Trilogie ist von heute an – zumindest für mich – genau das: eine Trilogie. Und sie wird es immer bleiben. Die Drohung Wes Cravens, bei einem Erfolg des vierten Teils zwei weitere Filme nachfolgen zu lassen, lässt mich dabei kalt, denn die werde ich mir garantiert nicht mehr antun!

Rüdiger Schäfer

»Scream 4«
Kino, Horror
111 min.
FSK 16

 

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