Gute Serien fallen nicht vom Himmel: „Falling Skies“

Falling SkiesEine scheinbar belanglose Information vorab: Für die knapp sieben Stunden (10 Episoden) der ersten Staffel von »Falling Skies« habe ich drei Abende gebraucht. Das klingt zunächst nicht besonders ungewöhnlich, wenn man jedoch bedenkt, dass ich zum Beispiel die achte Staffel von »24« an einem einzigen Wochenende inhaliert habe, relativiert sich die Aussage. Was ich sagen will ist dieses: Wenn mich eine Serie packt, sind Schlafmangel und rote Augen am Morgen durchaus ein kalkuliertes Risiko, auch wenn dieser Fall nicht sehr häufig eintritt. Bei »Falling Skies« hatte ich nie ein Problem damit, den Fernseher auszuschalten und ins Bett zu gehen. Das lag keineswegs daran, dass die im Vorfeld massiv gehypte Serie aus der Ideenwerkstatt von Steven Spielberg schlecht oder gar langweilig ist. Allerdings sticht sie auch in keinster Weise aus dem gewaltigen Berg von ähnlichen Serien und Filmen heraus, die man dem Zuschauer in den letzten Jahren vorgesetzt hat. »Falling Skies« ist das, was man solide Handarbeit nennt; gewöhnlich in ihrem jederzeit vorhersehbaren Ablauf, unterhaltsam in ihrer technisch einwandfreien Ausführung und dem gelungenen Design, und irgendwie angenehm vertraut in der biederen Art der Inszenierung. Es ist ein bisschen so, als würde man sich den Spielberg-Klassiker »E.T. – Der Außerirdische« (1982) zum zehnten Mal anschauen. Man weiß genau, was einen erwartet – und man freut sich darauf.

Wir befinden uns irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft. Die Erde ist von Aliens angegriffen worden. Innerhalb weniger Tage starben mehr als 90 Prozent der Weltbevölkerung. Was die Invasoren wollen, bleibt zunächst unklar (und wird auch bis zum Ende der ersten Staffel nicht enthüllt). Auffällig ist lediglich, dass sie offenbar besonders an Kindern zwischen 8 und 16 Jahren interes siert sind. Diesen wird ein sogenannter harness (ich habe die Folgen im Original gesehen, kenne also die exakten deutschen Begrifflichkeiten nicht) auf den Rücken gesetzt, der sich mit Stacheln in den Körper bohrt. Wenn man ihn entfernt, stirbt die betroffene Person.

Die Serienhandlung folgt dem Weg einer Gruppe von Überlebenden in der Nähe von Boston, die von dem Golfkriegsveteranen Dan Weaver (Will Patton) und dem Uni-Professor Tom Mason (Noah Wyle) mit Fachgebiet Militärhistorie angeführt wird. Geht es zunächst hauptsächlich darum, sich vor den Patrouillen der Aliens zu verstecken und ausreichend Nahrung zu finden, reift gegen Ende der Staffel der Plan, ein Mutterschiff der fremden Eroberer anzugreifen und diese so empfindlich zu schwächen. Dazwischen gibt es immer wieder kleine und größere Geschichten um Liebe, Hass, Loyalität, Opferbereitschaft und was der üblichen Zutaten für einen klassischen TV-Serieneintopf mehr sind.

Überraschungsfreiheit

Das Problem bei »Falling Skies« liegt neben der so gut wie komplett überraschungsfreien Story vor allem in der Austauschbarkeit der meisten Nebenfiguren. Entwickeln Patton und Wyle noch so etwas wie einen eigenen Stil, einen unverwechselbaren Charakter, so trifft das auf den Rest der Überlebenden allenfalls in Ansätzen zu. Einzig Colin Cunningham als rücksichtsloser Gangleader John Pope kann hier noch mit so etwas wie Ausstrahlung punkten. Der übrige Cast versinkt in einer gesichtslosen Masse von Mitläufern, und die seichten Nebenhandlungen schaffen es nie, ihn von seiner tranigen Einförmigkeit zu befreien.

Sehr hübsch ist dagegen das Design der Aliens, auch wenn ich mich zum wiederholten Mal frage, warum Außerirdische immer wie eine Mischung aus Insekt und Dinosaurier daherkommen müssen. Die Skitters, sechsbeinige Spinnenwesen, fungieren als eine Art Kommandanten, die über eine Armee aus Mechs verfügen, cylonenähnliche Roboter, die ein wenig unbeholfen auf zwei Beinen durch die Gegend staksen. In den letzten Episoden findet man heraus, dass eine weitere außerirdische Spezies existiert (große, schmale, humanoide und vorerst namenlose Gestalten), die den Skitters Anweisungen gibt – die einzige wirkliche Überraschung in der ansonsten – wie schon mehrfach erwähnt – viel zu konservativen Handlungsführung.

Ansonsten kämpft die Serie wie so manche ihrer Vorgänger mit dem nicht logisch begründbaren Umstand, dass praktisch waffenlose Menschen gegen hochmoderne Technik und einen zahlenmäßig weit überlegenen Feind überhaupt eine Chance haben. Schusswechsel mit Robotern sind und bleiben lächerlich, vor allem dann, wenn diese Roboter permanent daneben schießen oder sich umdrehen müssen, um ein Ziel in ihrem Rücken unter Feuer zu nehmen. Hinzu kommen die gerade in amerikanischen Produktionen oft furchtbar statischen Moralvorstellungen, denen fraglos eine hehre Absicht zugrunde liegt, die jedoch immer wieder aufgesetzt und nicht nachvollziehbar wirken.

»Falling Skies« liefert das, was ich erwartet habe – und das ist naturgemäß weniger, als all die vollmundigen Ankündigungen versprochen haben. Die Serie erinnert an »V – Die außerirdischen Besucher kommen«, eben nur auf dem aktuellen Stand der TV-Technik. Originalität oder Elemente, die dem ausgelutschten Invasionsthema etwas halbwegs neues abgewinnen können, sucht man vergebens. Daran werden wohl auch die zehn Episoden der zweiten Staffel nichts ändern, die im Sommer 2012 gesendet werden. Ansehen werde ich sie mir trotzdem. Warum? Weil ich SF-Serien nun einmal mag.

Rüdiger Schäfer

 

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3 Antworten auf Gute Serien fallen nicht vom Himmel: „Falling Skies“

  1. Langatmig, actionarm, gedehnte Dialoge (völlig unglaubwürdig: der tiefsinnige Dialog des Plünderers mit dem Geschichtslehrer) – als solle ein dünnes Buch möglichst ökonomisch auf eine bestimmte Anzahl Folgen gestreckt werden, um aus dem Namen Spielberg mit dem geringsten Mitteleinsatz (Schauplätze, Effekte, Cast) das Maximum herauszuholen.

    Ich bin froh, daß „V“ überstanden ist, denke jedoch, daß „Falling Skies“ das beste Argument ist, den Montagabend fürderhin mit dem Erlernen fortschrittlicher Massagetechniken zu verbringen.

  2. RoM sagt:

    Business as usual aus der Spielberg-Manufaktur. FALLING SKIES ist eingeebnetes TV-Material, direkt erprobt im Windkanal amerikanischer Erwartungen. Zur Plattheit gesellt sich der obligate Pathos. Dazu ausgeprägte Langeweile, weil einem die Figuren in einiger Ferne am Allerwertesten vorbei schliddern. Steven & SF sind nach wie vor schlecht miteinander kombiniert. Und er tut damit dem Genre keinen Gefallen.

  3. Barney sagt:

    V war besser, wenigstens nicht ständig so moralinsauer wie Falling Skies. Spielberg ist echt unterirdisch mies.