Lupenrein und glatt poliert: „Captain America“

Captain AmericaEr ist nicht nur vom Namen her der amerikanischste aller Superhelden: Captain America. Der in den Nationalfarben der USA kostümierte Steven Rogers war erstmals im Jahr 1941 im Comic aktiv – damals in der Hauptsache gegen Nazis, Saboteure und ähnliche Kriegsgegner. Inzwischen läuft bei Marvel USA die fünfte Heftserie mit dem Captain im Titel.
Im Film konzentriert sich Regisseur Joe Johnston (»Jurassic Park 3«, »Rocketeer«) ganz auf die originale Entstehungsgeschichte der Figur. Wir schreiben das Jahr 1942. Der extrem patriotische Steven Rogers will unbedingt in die Armee, um seinen Beitrag im Kampf gegen Hitlerdeutschland zu leisten, doch seine schmächtige Statur bringt ihm eine Ablehnung nach der anderen ein. Im Rahmen eines streng geheimen Regierungsexperiments wird er schließlich jedoch mit einem neuen Serum behandelt, dass die normalen Körperkräfte um ein Vielfaches potenziert. Captain America ist geboren.

Eigentlich hat der Film alle Zutaten, die einen unterhaltsamen Blockbuster ausmachen. Da sind die abgrundtief bösen Nazis, allen voran Hugo Weaving als psychopathischer Johann Schmidt alias Red Skull. Da ist eine geheimnisvolle Energiequelle, die Schmidt durch den genialen Wissenschaftler Arnim Zola zur Superwaffe entwickeln soll. Da ist das klassische Ziel der Weltherrschaft. Und da gibt es massig Action, nette Spezialeffekte, ein paar hübsche Frauen und am Ende den Sieg für die Guten.
Leider wird die ganze Suppe ein wenig zu konservativ aufgekocht. Es fehlt das hintergründige Augenzwinkern, das dem überspannten Patriotismus auf der einen und der abgrundtiefen Boshaftigkeit auf der anderen Seite einen Grauschleier überwirft, der einer modernen Interpretation des Themas entspräche und die Extreme als das entlarvt, was sie sind: die Polarisierung eines längst vergessenen Lebensgefühls, einer Welt des Schwarzen und Weißen, die es in der Realität ebenso wie in der Unterhaltung längst nicht mehr gibt.

Die Charaktere sind – wie die Bilder – lupenrein und glatt poliert. Die Altersfreigabe ab 12 verhindert, dass der Krieg so dargestellt wird, wie er ist, grausam und schmutzig. Anstatt diese klinische Sauberkeit jedoch zu nutzen und die schwachbrüstige Story mit Humor anzureichern, bietet der Film lediglich das, was die meisten anderen Superhelden-Adaptionen auch schon geboten haben.

Ja, ich habe mich amüsiert. Ja, ich kann den Film den Marvel-Jüngern durchaus ans Herz legen. Länger in Erinnerung wird er mir allerdings nicht bleiben, doch möglicherweise wird die Fortsetzung ja interessanter. Nach einer Bruchlandung im ewigen Eis wird Captain America am Ende des Films nämlich eingefroren und überspringt fast 70 Jahre, bevor ihn Nick Fury (der Chef der Avengers, gespielt von Samuel L. Jackson) weckt – zweifellos der Aufhänger für den im kommenden Jahr folgenden „Avengers“-Streifen.

Rüdiger Schäfer

»Captain America – The First Avenger«
Kino, SF/Comic
124 min.
FSK 12

 

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