Humorfreie Verstandesprüfung:
„Cowboys & Aliens“

Poster „Cowboys & Aliens“Western sind ganz sicher nicht mein bevorzugtes Genre, auch wenn ich John Wayne in »Rio Bravo« (1959) und als Rooster Cogburn in »Mit Dynamit und frommen Sprüchen« (1975) noch heute gerne sehe. Wenn allerdings ein Jon Favreau die altehrwürdige Gattung in die Hand nimmt und noch dazu mit einer guten Prise SF würzt, zieht es auch mich in den Kinosessel. Der amerikanische Schauspieler, Autor und Regisseur hat nicht zuletzt mit den beiden »Iron Man«-Streifen bewiesen, dass er es kann. Da ist ein Harrison Ford als leuchtender Stern in der Riege der Darsteller nur noch das fehlende Glied in der Kette. Was also soll da schief gehen?

Jake Lonergan (gespielt von James-Bond-Mime Daniel Craig) erwacht verletzt und ohne Erinnerung mitten in der Wüste von Arizona. Um sein linkes Handgelenk trägt er ein seltsames Metallband, das sich nicht öffnen lässt. Wir schreiben das Jahr 1873 und Lonergan schleppt sich in das nahe gelegene Städtchen Absolution, wo er mit dem heimlichen Herrscher des Ortes, dem reichen Rinderzüchter Colonel Woodrow Dolarhyde (Harrison Ford) und dessen nichtsnutzigem Sohn Percy konfrontiert wird. Dummerweise erkennt der Colonel Lonergan als den Mann wieder, der ihn kurz zuvor bestohlen hat und die Situation droht zu eskalieren. Just in diesem Moment wird Absolution von fliegenden Untertassen angegriffen.

Um ehrlich zu sein: So richtig funktioniert die Fusion zwischen SF-Action und Wildwest-Flair eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Viel zu oft hat man das Gefühl, dass sich weder Regisseur noch Schauspieler entscheiden konnten, was sie da nun eigentlich drehen wollten. Einen SF-Film, der im Wilden Westen spielt, oder einen Western mit SF-Elementen. Und so reiht man fröhlich ein Klischee ans andere, ohne dass es gelingt, auch nur einen Hauch von Dramatik zu erzeugen.
Die Aliens sind – wie immer – hässliche Monster mit gewaltigen Klauen und Zähnen (wie schrauben solche Wesen eigentlich hochwertige Technik zusammen respektive entwickeln überhaupt die zivilisatorische Entwicklungsstufe, die es ihnen zu tun erlauben würde?). Sie bluten – natürlich – grün (was aber auch dem Ziel einer möglichst niedrigen Altersfreigabe geschuldet sein mag). Sie entführen Menschen, um an ihnen mysteriöse Experimente durchzuführen (wie unsagbar originell). Und nebenbei bauen sie Gold ab, das sie für ihre Maschinen benötigen.

Plumpe Klischees

Angesichts einer solchen Ansammlung von plumpen Genre-Plattitüden fällt es schwer, die wenigen positiven Aspekte des Films in einen angemessenen Kontext zu setzen. Sowohl Craig als auch Ford spielen ihre Rollen großartig, selbst wenn die direkte Konfrontation der beiden Männer aufgrund der ständigen Unterbrechungen durch die Angriffe der Außerirdischen zu kurz kommt. Auch die Trickeffekte sehen allesamt prima aus. Überhaupt ist an »Cowboys & Aliens« optisch nichts auszusetzen. Lediglich die Handlung versinkt mit jeder weiteren Minute mehr in Seichtheiten und logischen Brüchen.

Dass eine Truppe mit Colts und Gewehren bewaffneter Viehtreiber eine Alien-Invasion abwehrt, den Chef der Außerirdischen umbringt, die im Mutterschiff gefangenen Menschen rettet und den fliehenden Raumer schließlich in die Luft jagt (wenn auch mit etwas Hilfe) kann man zur Not noch akzeptieren, auch wenn der Verstand dabei einer harten Prüfung unterzogen wird. Warum Favreau das Thema dann aber in einer derart staubtrockenen Ernsthaftigkeit angeht, bleibt sein Geheimnis. Ein wenig mehr Humor, ein paar markige Han-Solo-Sprüche von Ford, meinetwegen auch zwei oder drei Bond-Girls an der Seite eines um sich ballernden Craigs hätten das prinzipiell sehenswerte Spektakel aufgelockert.

So bleibt nur ein toller Effektfilm mit hübschen Bildern aber wenig Substanz. Nicht ganz so schlimm wie der grausige Steampunk-Western »Wild Wild West« (1999 mit Will Smith und Kevin Kline), aber auch nicht wesentlich besser.

Rüdiger Schäfer

»Cowboys & Aliens«
Kino, SF-Western
118 min.
FSK 16

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Filme und getaggt mit , , , , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier hast Du nichts zu melden …