Resteverwertung: „Die Saat“ von Hogan/del Toro

Guillermo del Toro & Chuck Hogan - „Die Saat“Der Auftakt des Romans „Die Saat“ bietet ein wirklich eindringliches und spannendes Szenario. Die beiden Autoren halten sich gar nicht mit einer längeren Vorgeschichte auf, um so nach und nach den Spannungsbogen ansteigen zu lassen, sondern bieten gleich eine echte Spannungsspitze. Als Leser ist man sogleich mitten in der Handlung angekommen und kann sich nur schwer den ersten Kapiteln entziehen.

Auf dem JFK-Flughafen in New York landet eine Boeing 777, eines der größten Passagierflugzeuge der Welt. Alles sieht nach einer normalen Landung aus, bis die Maschine völlig unvermittelt auf den Fahrstreifen, der zu ihrem Stehplatz führt, hält. Alle Versuche Kontakt mit dem Cockpit aufzunehmen schlagen fehl. Von außen wirkt sie leblos und fast schon gespensterhaft still. Die Rollladen sind heruntergezogen, es fällt kein Licht aus der Maschine und es ist rein gar kein Lebenszeichen erkennbar.
Die Öffnung der Maschine gestaltet sich als unheimlich. Im Innern erwartet die Rettungsmannschaft das Grauen. Alle Passagiere sitzen an ihren Plätzen, es scheint keinerlei Panik gegeben zu haben. Anzeichen für einen Viren- oder Bakterienbefall sind nicht vorhanden. Das ganze Szenario ist überaus rätselhaft, die Leichen sind wirklich bleich, ja fast blutleer. Dies bestätigt sich dann auch bei der Autopsie.
Spätestens als im Laderaum des Flugzeugs ein riesiger, uralter Sarg, mit Erde angefüllt gefunden wird, dürfte auch dem letzten Leser klar werden, dass nur ein Vampir für den vermeintlichen Tod der Passagiere verantwortlich sein kann.

Von den verantwortlichen Untersuchungsbeamten werden alle Anzeichen natürlich geflissentlich übersehen. Niemand kommt auf die Idee, dass ein Vampir für das Ganze verantwortlich sein könnte. Nicht einer spricht dies als Verdacht aus. Vielmehr bleibt es einem Überlebenden des Holocaust, der bereits in seiner Kindheit mit dem Vampirismus konfrontiert wurde, überlassen den Verantwortlichem der Seuchenschutzbehörde von der Existenz dieser Wesen zu berichten.

Ephraim Goodweather hat im Verlaufe seines Berufslebens schon so einiges Katastrophen miterlebt und zählt zu den gefragtesten Spezialisten seiner Behörde. Da er der Verantwortliche vor Ort ist, wird er mit als erstes alarmiert. Mit seinem Team zusammen untersucht er die Leichen und stellt sehr schnell fest, dass diese Katastrophe nicht in ein bereits bekanntes Schema hineinpasst. Ihm selbst kommen erhebliche Zweifel hinsichtlich der geäußerten Erklärungen seiner Kollegen. Dem alten Mann, der ihm von einer aufziehenden Plage berichtet, kann er allerdings ebenso wenig Glauben schenken. Erst die Begegnung mit den wieder auferstandenen Toten, die ohne Zweifel ihre Mitmenschen leer saugen, belehrt ihn eines Besseren.

Die kleine Gruppe um Ephraim und dem alten Mann, der sein gesamtes Leben der Jagd nach den Vampiren gewidmet hat, sind die einzigen in dem aufziehenden Wahnsinn, die anscheinend begreifen was da auf die Menschheit zukommt.

Entscheidende Schwächen

Gerade dies stellt eine der entscheidenden Schwächen des Romans dar. Die völlige Ignoranz des offensichtlichen aller Beteiligten. Für den Leser ist es nicht nachvollziehbar, dass niemand an Vampire denkt und entsprechend handelt. So Betriebsblind kann ernsthaft niemand sein.
Dies lässt sich nur durch den größeren Handlungsbogen erklären, den die beiden Autoren für ihre Leser bereit halten. „Die Saat“ ist nur der Auftaktroman einer Trilogie, deren zweiter Teil bereits als Hardcover in den Buchläden ausliegt. Die knapp über 500 Seiten enden mit dem bevorstehenden Heraufziehen einer neuen Vampirplage, der sich nur eine kleine Gruppe Menschen entgegenzustellen scheint.

Guillermo del Toro, der bestens bekannt ist als Filmemacher von „Hellboy“ und „Pans Labyrinth“, dürfte der Ideengeber für dieses Szenario sein. Chuck Hogan ist für die schriftstellerische Umsetzung verantwortlich, wobei natürlich nicht erkennbar ist, wer wie viel Anteil an diesem Roman hat. Vieles erinnert einem im Romanaufbau an entsprechende Genrefilme und der Filmemacher del Toro ist klar als Handlungsgebend erkennbar.
Dies gereicht allerdings nicht zum Vorteil, denn viele Szenen, die vielleicht in einem Film funktionieren und die schnelle Szenenfolge mit ihren ebenfalls filmisch notwendigen Schnitten, stellen den Leser vor eine große Herausforderung. Diese liegt keinesfalls darin, dass dieser sich voll und ganz auf den Roman konzentrieren muss, um diesen komplett zu durchdringen, sondern darin, nicht einfach weiterzublättern oder quer zu lesen.

Wäre del Toro nicht der Ideengeber bzw. Resteverwerter seiner „Blade“-Verfilmungen gewesen, dann hätte der Heyne-Verlag diesen Roman sicherlich nicht als Hardcover herausgebracht ggf. nicht einmal als Taschenbuch. Nach der Lektüre des ersten Roman werde ich mir die anderen beiden Teile schenken. Es gibt wahrlich besseres Lesefutter als diese Trilogie sie bietet.

Andreas Nordiek

Guilliermo del Toro/Chuck Hogan
„Die Saat“
Heyne Hardcover, 2009
Originaltitel: „The Strain“ (2009)
Übersetzung: Jürgen Bürger und Kathrin Bielefeldt
523 Seiten

 

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Eine Antwort auf Resteverwertung: „Die Saat“ von Hogan/del Toro

  1. Leyley sagt:

    Vielen Dank für das Verraten des Endes. :)