„Attack the Block“ – Aliens in London!

Attack the BlockHeute möchte ich einen der wenigen Filme besprechen, die meine Erwartungen übertroffen haben. Er heißt »Attack the Block« und es geht darin um Außerirdische, die in einem Vorort von London landen und um eine Gang kleinkrimineller Kids, die den Kampf gegen die Aliens aufnehmen. Anfangs war ich skeptisch, was den Film anging, und zwar aus zwei Gründen:

1.) Es ist ein Regiedebut. Meine Erfahrung mit Regiedebuts sagt mir, dass sie in der Regel schlechter sind, weil die Regisseure noch unerfahren sind.

2.) Die Story hört sich, sagen wir, unkonventionell an. Meine Befürchtung war, dass die Macher die Geschichte zu sehr ins Lächerliche ziehen.

Nichts davon hat sich bewahrheitet. Der Regisseur ist zwar unerfahren, aber der Rest des Teams hat sich schon durch Filme wie »Shaun of the Dead« einen Namen gemacht. Und sie haben sich mit dem Humor zum Glück zurückgehalten. Statt die Geschichte ins Lächerliche zu ziehen, haben die Macher einen cleveren Genremix hergestellt: etwas Action, etwas Horror, sogar ein bisschen Drama ist vertreten. Der Humor wurde dezent an ausgewählten Stellen zugeführt.
Zudem gibt es einen netten running gag, nämlich in Form von Probs und Mayhem, zwei neunjährigen Möchtegerngangstern, die unbedingt in die Bande der Großen aufgenommen werden wollen, diese ganze improvisierte Alienjagd als Spiel sehen und keinen wirklichen Zweck erfüllen, außer dass sie eine der Kreaturen aus einer Wasserpistole mit Benzin bespritzen und dann mit einem Böller anzünden.

Attack the Block

Es erfreut auch, zu sehen, dass der Regisseur mit Nick Frost nur einen halbwegs bekannten Schauspieler an Bord geholt hat und sich sonst nur auf junge Talente verließ. Ich sage nicht umsonst Talente, denn die Jugendlichen, die im Film die Gangmitglieder spielen, machen ihre Arbeit wirklich gut. Am Beeindruckendsten finde ich deren Fähigkeiten, mit dem Straßenslang Londons umzugehen. Da ich durch das Hören von englischem Hip-Hop eine ungefähre Vorstellung davon habe, wie so etwas klingen muss, kann ich bestätigen, dass sie den Slang aus meiner Sicht einwandfrei beherrschen. Das überrascht jedoch nicht, wenn man bedenkt, dass dies durch zahlreiche Besuche in Jugendhäusern gelernt und trainiert wurde. Die Sprache ist aber auch ein zweischneidiges Schwert: Sie erschwert das Verständnis des Films, denn Londoner Straßenslang hat relativ wenig mit normalem Englisch zu tun.

Attack the Block

Ich bin ich ein großer Skeptiker, was Alienbesuche auf der Erde angeht, selbst wenn sie nur auf der Leinwand stattfinden. Ich werde nun versuchen, diese Glaubwürdigkeit bei »Attack the block« anhand von vier Fragen zu überprüfen.

1.) Warum die Erde? Hätten die Außerirdischen auch auf einem anderen Planeten landen können?
Im Film wird die Vermutung geäußert, dass diese Wesen in Rudeln ziellos in antriebslosen Kapseln durch All treiben. Wenn das stimmt, hätte eine solche Invasion überall stattfinden können.

2.) Was sind die Ziele der Aliens?
Im Prinzip wollen sie sich nur vermehren, mehr nicht.

3.) Wie ist die Technologie der Aliens? Wirken eventuelle Waffen und Raumschiffe realistisch?
Diese Wesen sind überhaupt nicht technisiert. Sie sind bloß eine Horde „Gorilla-Wolf-motherfuckers“ (so beschreibt sie ein Charakter aus dem Film), die ihrem primitivsten Instinkt folgt: dem Fortpflanzungstrieb.

4.) Falls die Aliens feindlich sind: Wie funktioniert die Bekämpfung? Wie reagieren die Außerirdischen darauf?
Im Prinzip sind die Menschen den »Gorilla-Wolf-motherfuckers« völlig egal; sie kümmern sich, wie oben bereits gesagt, nur um die Suche nach einem Weibchen. Zur Bekämpfung reicht eine Gruppe Jugendlicher, bewaffnet mit Haushaltsgegenständen und Feuerwerk, völlig aus.

Attack the Block

Ich kann den Film in jeder Hinsicht nur empfehlen, auch ein Kinobesuch lohnt sich. Der einzige Kritikpunkt wäre die schwer verständliche Sprache, wobei ich da persönlich kein großes Problem sehe, denn die Bilder sind selbsterklärend. Und die Kinobesucher sind ja nicht blind, im Gegensatz zu den »Gorilla-Wolf-Motherfuckers«.

Meine Sorge ist eine Andere: Die Sprache macht den Film gerade so authentisch, trotz seiner leicht unrealistischen Story. Dadurch, dass die Jugendlichen im Slang sprechen, wirkt es so, als würde man tatsächlich eine Straßengang durch den Stadtteil begleiten und ihnen über die Schulter blicken. Ich fürchte, dass eine Übersetzung ins Deutsche diese Atmosphäre zerstören könnte.

Dennis Bruk

 

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