Geballte Einfallslosigkeit: „Green Lantern“

„Green Lantern“ - PosterDieser Blockbuster mit einem Budget von satten 200 Mio. US-Dollar ist mir über die Sommermonate durchgegangen; schlicht und ergreifend, weil es inzwischen allein im Phantastik-Bereich einfach viel zu viele Neuerscheinungen gibt und ich mir das Geld für Kinobesuche und Blu-ray-Käufe auch ab und an mal verdienen muss – abgesehen von der benötigten Zeit, die Filme anzuschauen. Großes habe ich in diesem Fall aber nicht versäumt, denn »Green Lantern« ist kaum mehr, als ein weiterer jener inflationären Superhelden-Streifen, die seit längerem unsere Kinos heimsuchen. Das Einspielergebnis (220 Mio. US-Dollar) lag denn auch nur knapp über dem Budget, was Kritiker bereits als erstes Anzeichen einer abflauenden Begeisterung des Publikums für diese Art von Produktionen werten.

Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Korps von sogenannten Wächtern, deren Mitglieder sich kein geringeres Ziel gesetzt haben, als das Universum zu beschützen. Dazu bedienen sie sich der Kraft des Willens, repräsentiert durch ein grünes Leuchten, das seinem Träger über einen Ring scheinbar unbegrenzte Macht verleiht. Die Ringe müssen regelmäßig über eine Laterne neu aufgeladen werden, was irgendwie reichlich albern anmutet. Bösewicht vom Dienst ist Parallax, ein ehemaliger Wächter, der sich der gelben Essenz der Angst bedient und nun Oa, den Basisplaneten des Korps angreifen will. Als einer der von Parallax schwer verwundeten Wächter auf der Erde notlandet und dort stirbt, erwählt dessen Ring den US-Testpiloten Hal Jordan zum Nachfolger und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Das alles klingt ziemlich bombastisch, ja beinahe überdreht, aber vielleicht setzt auch bei mir mittlerweile ein Ermüdungsprozess in Sachen Comicverfilmungen ein. Die knapp zwei Stunden können durchaus unterhalten, doch nach einer Weile fragt man sich unwillkürlich, ob sich die Macher bei der schieren Fülle der Story nicht übernommen haben. Für eine derart teure Produktion sind die Spezialeffekte zudem reichlich dünn ausgefallen – und das, obwohl Warner das Budget für die visuelle Veredelung während der Post-Produktion noch einmal um neun Mio. US-Dollar aufgestockt hatte, um den Film rechtzeitig zum angepeilten Starttermin fertigstellen zu können.

Wer Space Operas mag, wird sicherlich nicht ganz unzufrieden nach Hause gehen, doch der Film wirkt in seiner linearen Erzählstruktur und der optischen Trivialität wie ein zäher Aufguss von längst Altbekanntem. »Iron Man«, »Thor«, »Captain America«, »X-Men «, die kostümierten Helden schlagen mittlerweile fast im Wochentakt in den Kinos auf, und das wird noch eine Weile so weitergehen. Die Machart der Streifen ist dabei nahezu identisch; insofern wundert es nicht, dass man angesichts dieser geballten Einfallslosigkeit als Filmfan langsam aber sicher ermüdet.

»Green Lantern« ist bemüht und ambitioniert, und doch hat man stets das Gefühl, dass etwas fehlt, etwas, dass diesen endlos-öden Kampf zwischen Gut und Böse aus der Alltäglichkeit heraushebt. Der Film will, kann aber nicht. Ob aus dem Streifen angesichts der schwachen Kritiken und des mangelhaften Einspielergebnisses tatsächlich – wie von Regisseur Martin Campbell angedeutet – eine Trilogie wird, wage ich deshalb zu bezweifeln.

Rüdiger Schäfer

»Green Lantern«
Kino
SF/Comicadaption
114 min.
FSK 12

 

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Eine Antwort auf Geballte Einfallslosigkeit: „Green Lantern“

  1. RoM sagt:

    Gegen die Langeweile durch geclonte Superhelden-Streifen hilft vielleicht am besten Matthew Vaughns Sicht auf das Genre. KICKASS, oder sein Anfang der X-Men-Saga. Bei GREEN LANTERN hatten mir bereits die Trailer gereicht.