Gut investiertes Geld: „Trollhunter“

„Trollhunter“ - PosterNa schön, ein richtiger Horror-Film ist »Trollhunter«, oder »Trolljegeren«, wie er im norwegischen Original heißt, wohl nicht, aber als Geheimtipp für Liebhaber von ein wenig schrägen, jedoch gut gemachten und atmosphärisch dichten Gruselstreifen, taugt er allemal. In vorliegendem Fall handelt es sich um eine sogenannte Mockumentary, also um einen als Dokumentation verkleideten Spielfilm, a la »Blair Witch Project« (1999), die Mutter aller Mockumentarys.
Finn, Kalle und Johanna, drei norwegische Studenten, wollen einen Film über den mutmaßlichen Bärenjäger Hans drehen, der im westlichen Teil ihres Heimatlandes unterwegs ist. Dabei kommen sie einer Art Verschwörung auf die Spur, denn die angeblichen Bärenattacken entpuppen sich als Heimsuchungen von Trollen, deren Existenz die offiziellen Stellen natürlich geheim halten wollen.
Trolle sind Wesen aus der nordischen Mythologie und werden oft als die Gegenstücke zu Feen und Elfen betrachtet. Sie bringen üblicherweise mehr Schaden als Nutzen und können alle möglichen Größen erreichen. So wartet »Trollhunter« auch mit einer ganzen Reihe an Trollen auf, deren Erscheinungen von Zwergen über wuchtige Zweieinhalb-Meter-Kolosse bis hin zu einem 100 Meter hohen Riesentroll reichen, der an Tollwut erkrankt ist. Da Trolle äußerst lichtempfindlich sind, arbeitet Hans mit einer Art mobiler UV-Kanone. Ein entsprechender Beschuss lässt die Trolle zu Stein erstarren oder doch zumindest zurückweichen.

Regisseur André Øvredal, der dem deutschen Publikum ebenso unbekannt sein dürfte wie die Riege der Schauspieler, durfte immerhin 2,5 Mio. Euro in sein Werk stecken – und er hat das Geld gut investiert. Die Landschaftsaufnahmen sind grandios, die Handlung ist spannend, und die Effekte können sich sehen lassen. Dazu kommen eine Reihe von ebenso skurrilen wie originellen Gags, die den trockenen nordischen Charme des Streifens angenehm auflockern.
Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die hohen Stromleitungsmasten, die sich durch die Schneelandschaft West-Norwegens ziehen, in Wahrheit Teil eines Elektrozauns sind, der die Trolle daran hindern soll, aus ihrem Reservat auszubrechen? Auch die Pressekonferenz mit Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg, in der sich dieser scheinbar verplappert und die Existenz der Fabelwesen zugibt, ist stimmig in den Film eingepasst.

»Trollhunter« hat mir persönlich richtig gut gefallen und stellt einen angenehmen Kontrast zu den in ihrer Art doch sehr ähnlichen Hollywood-Blockbustern der letzten Monate dar. Die Blu-ray erfreut mit klarem Bild und bestem DTS 5.1-Sound. An Extras findet man das übliche wie zusätzliche Szenen, ein kleines Making-of, Bloopers und Bildergalerien. Wer auf Filme wie »Der letzte Exorzimus « oder »Paranormal Activity« steht, der kann sich »Trollhunter« beruhigt anschauen. Er wird es nicht bereuen.

Rüdiger Schäfer

»Trollhunter«
Blu-ray
Horror
104 min.
FSK 12

 

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Eine Antwort auf Gut investiertes Geld: „Trollhunter“

  1. Da muß ich Rüdiger recht geben: Wirklich ein nettes Stück Unterhaltung abseits der gewohnten Klischees. Wahrscheinlich wird man als Norweger das Augenzwinkern darin wesentlich besser verstehen, doch auch so ist es ein Vergnügen, leidlich spannend, ordentlich gemacht, mit nur wenigen Schwächen (die Fantasy-Zutat, Stichwort „Christenblut“, ist wahrscheinlich dem Willen zur Satire geschuldet, einmal wird die Mockumentary-Perspektive gebrochen und insgesamt ist es erstaunlich, daß die Behörden nicht eher und konsequenter zuschlagen).

    Unterm Strich weniger ein Horrorfilm als ein subtiles Stück Satire. Ansehen!