Lupenreiner SF-Roman –
„Perlamith“ von Dieter W. Schmitt

D.W. Schmitt - „Perlamith“Im Perlamith-System wurden drei Planeten von den Menschen kolonisiert. Seitdem die außer­irdischen Yasemi den Menschen den Weg in den Weltraum eröffnet haben, kolonisieren diese nach und nach die Sonnensys­teme ihrer näheren kosmischen Umgebung. Da sie keinen Überlichtantrieb besitzen, schreitet die Ausbreitung der Menschheit nur langsam voran und die einzelnen Systeme sind durchweg autark. Verbunden sind sie mit einer Art von Ferntransmitterstraße, die immerhin den Austausch von Menschen ermöglicht.
Auf den drei Planeten Rogamar, Menz und Karhenan haben sich ganz unterschiedliche Gesellschaftsformen entwickelt. Gerade Rogamar, regiert von einer Militärdiktatur, Menz, auf dem demokratische Strukturen herrschen, beobachten sich misstrauisch. Größere militärische Auseinandersetzungen fanden bisher nicht statt, was sich schlagartig ändert, als die Regierenden auf Menz Unterlagen in die Hand bekommen, aus denen hervorgeht, dass die technisch etwas rückständiger entwickelten Rogamarer eine Präventivwaffe entwickeln, mit deren Hilfe sie Menz in Schutt und Asche legen können. Die Falken in der Regierung von Menz gewinnen die Oberhand und ein Präventivschlag wird ausgeführt, der zur völligen Vernichtung der militärischen Strukturen auf Rogamar führt. Gleichzeitig wird der Planet aber auch unbewohnbar, so dass eine Flüchtlingswelle auf die anderen beiden Planeten zuschwappt.
Wäre dies bereits nicht schlimm genug für die eigentlich recht friedliebenden Menzer, müssen sie im Verlaufe der militärischen Besetzung von Rogamar erkennen, dass diese gar keine Präventivwaffe entwickelten. Der Präventivschlag beruhte also auf Falschinformationen, etwas was der Bevölkerung von Menz nur schwer zu vermitteln wäre, so dass man in Regierungskreisen hektisch die Hintergründe beleuchtet.
Während der intensiven Nachforschungen stellt sich heraus, dass die angeblichen Beweismittel allesamt gefälscht sind und die eigenen Spione auf Rogamar scheinbar von außen beeinflusst wurden. Warum sollte aber eine Macht außerhalb des Perlamith-Systems an einem Konflikt zwischen den beiden Planeten interessiert sein und wer steckt überhaupt hinter solch einem ausgeklügelten Täuschungsmanöver?

D.W. Schmitt beantwortet diese und noch einige weitere Fragen zum Schluss seines Romans, der letztlich nur den Auftakt für eine ganze Reihe von weiteren Romanen darstellt. Bevor aber die Hintergründe aufgeklärt und die Fäden für den kommenden Roman ausgelegt werden, bietet der Autor seinen Lesern einen lupenreinen SF-Roman.
Ganz bewusst hat der Autor dabei auf eine ausführliche Darstellung des Schlachtengetümmels verzichtet. Der Angriff auf Rogamar und die anschließende militärische Besetzung findet eher im Romanhintergrund statt. Im Vordergrund steht der junge Leutnant Jev Maltin, eigentlich einer von vielen Kampfpiloten der Militärdiktatur, der im Kampf gegen die überlegenden Menzer wie der Großteil seiner Kameraden gefallen wäre. Kurz vor seinem Ausrücken wird er zurückbeordert und findet sich alsbald auf einer Geheimmission wieder, über die er so gut wie keine Informationen hat. Bedacht sich bedeckt zu halten, nicht aufzufallen tritt er seine Reise als einer von vielen Flüchtlingen nach Karhenan an. In der Fähre macht er Bekanntschaft mit dem Lateral-Mönch Mericon, der vor kurzem aus dem Nachbarsystem nach Perlamith eingereist ist. Dieser schließt sich ihm an, wobei Jev dessen Gründe nicht nachvollziehen kann. Mericon bleibt eine geheimnisvolle Gestalt und nimmt im Verlaufe der Handlung noch eine zentrale Rolle ein.
So entwickelt sich die Handlung langsam, aber stetig. Nach und nach tauchen weitere entscheidende Figuren auf, lassen ihre Maske fallen und zum Schluss hin legen alle ihre Karten auf den Tisch und die Menschen erfahren die Hintergründe für den ihnen übergestülpten Konflikt. Dieser ist aber trotz aller Toten und der ganzen Zerstörung vernachlässigbar, sieht man einmal welche Gefahr auf alle drei Planeten zukommt.

D.W. Schmitt ist übrigens ein „Pseudonym“ von Dieter Schmitt, der in den Anthologien des Wurdack Verlags nicht nur einige Geschichten veröffentlicht hat, sondern dort auch im Hintergrund als Lektor u.ä. fungierte. Nun präsentiert er mit dem vorliegenden SF-Roman den Auftakt einer ganzen Reihe und bereichert damit das SF-Programm des Wurdack Verlags um eine weitere lupenreine SF-Serie.
Die Leser wird es freuen, denn Armin Rößler legt mit seinen Werken aus dem Argona-Universum gerade eine längere Schreibpause ein.

Schmitts Erstlingswerk hat mich unterhalten. Er hat einen Einstiegsroman verfasst, der sich gerade zu Beginn sehr stark auf die einzelnen Charaktere konzentriert und weniger auf die detailreiche Beschreibung eines kriegerischen Konflikts zwischen zwei Planeten. Dies erfolgt dann vor allem zum Schluss des Romans, was die eigentliche Handlung nicht besonders voran treibt. Vielleicht hätte der Autor mit weniger Aussagen insgesamt mehr erreichen können. Sprich er hätte es durchaus bei einigen Andeutungen/Vermutungen belassen können und dem Leser nicht den gesamten Hintergrund präsentieren müssen. Diese erklärenden Passagen überstrahlen die eigentliche Handlung, die zu diesem Zeitpunkt eh ins stocken gerät.

Noch ein paar Worte zur Hauptfigur. Diese wird eher durch die Handlung getrieben, als dass sie denn selbst aktiv wird. Sie bestimmt nicht das weitere Vorgehen, da dies andere tun. Insofern verfügt sie über eine eher passive Rolle, was für eine Hauptfigur schon ungewöhnlich ist. Das mehr in Jev steckt, als nur sein Psi-Talent, bleibt der Autor zumindest im Auftaktroman schuldig.
Der ganz große Wurf ist Dieter Schmitt nicht gelungen. Vielmehr muss er sich in den kommenden Bänden sowohl vom Handlungsablauf wie auch von der Figurenzeichnung noch steigern.

Andreas Nordiek

 

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