Mit dem Dimensionsbrecher durch Raum und Zeit

Zum Tod von H. G. Francis (1936-2011)

H.G. Francis Bremen 1981

Hauptbahnhof Bremen, 1981: Olaf Brill (14) und H. G. Francis (45)

Er hieß Hans Gerhard Franciskowsky, geboren in einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein. Den Großteil seines Lebens verbrachte er als Schriftsteller in Hamburg, wo er Hunderte Romane und Hörspiele aller Genres schrieb, auch schon mal ein Buch über Reparatur und Pflege von Mofas und Berichte über seine Reisen nach Indien, China und Ostafrika.

Franciskowsky, das klang irgendeinem Verleger einmal zu polnisch, und verkaufen ließen sich nur Romane englisch klingender Autoren. So wurde aus Hans Franciskowsky H. G. Francis, das klang auch ein bisschen wie H. G. Wells, und so erschienen Hans’ Romane fortan hauptsächlich unter dem Namen H. G. Francis (und noch einem halben Dutzend weiterer Pseudonyme). Franciskowsky nannte ihn niemand mehr, nicht mal er selbst.

Commander Perkins 1Ich habe Hans 1981 bei einer Autogrammstunde der Bremer Bahnhofsbuchhandlung kennengelernt, da war er 45 und ich 14. Die ersten sechs Hörspiele seiner »Commander Perkins«-Serie hatte ich in den Siebzigern auf Schallplatte rauf und runter gehört. Da hatte Professor Common auf dem Mond ein Gerät gebaut, mit dem man durch Raum und Zeit reisen konnte: den Dimensionsbrecher. Auf die Reise geschickt wurden der mutige Commander Randy Perkins und sein treuer Begleiter Major Peter Hoffmann, der immer wieder den hoffnungslosen Versuch unternahm, mit Commons Tochter Cindy zu flirten. »Commander Perkins« war eine Art »Perry Rhodan für Kinder« und für viele sicherlich die »Einstiegsdroge« ins Science-Fiction-Lesen.

Hans kam also zu uns, zusammen mit dem damaligen Perry-Chefautor Willi Voltz, und ich habe mit meinem Kassettenrecorder ein Interview mit beiden gemacht. Hans hat uns Fans dann zu sich eingeladen, und später haben wir ihn tatsächlich in Hamburg-Stellingen besucht. Er holte uns mit seinem Mercedes vom Bahnhof ab, und dann verbrachten wir einen tollen Tag in seiner Kellerbar. Es gab Vanilleeis und Gespräche über Perry Rhodan: Einmal habe er ein Atlan-Exposé bekommen, erzählte er uns, da sei zwar die Augenfarbe der Protagonisten präzise beschrieben worden, aber die Handlung bestand praktisch darin, dass sie oben in einen Fahrstuhl einstiegen und unten wieder rauskamen (ich habe nachgeschaut, es muss sich wohl um Atlan Nr. 19 gehandelt haben, »Tödliche Tiefen«). Auf den Hang von Büroarbeitern zur Gewichtszunahme angesprochen, reagierte Hans humorvoll: Schon scholl Marius Müller-Westernhagen aus der Kellerbar-Anlage: »Ich bin froh, dass ich kein Dicker bin.«

Daher erinnere ich mich an Hans nicht nur als nimmermüden Autor, sondern vor allem als gutgelaunten und netten Menschen, der sich immer um seine Fans gekümmert hat, mehr als nur die Pflicht verlangte, und der 14-Jährige so ernst nahm wie Erwachsene.

Commander Perkins 3Bei Lichte betrachtet waren nicht alle seine Werke große Glanzleistungen. Das kann man bei einem solchen Gesamtwerk auch gar nicht erwarten. Immerhin musste Geld für die Brötchen verdient werden, und Termine waren einzuhalten. Das nimmt aber nicht ein Stückchen weg von seiner Gesamtleistung: Er hat uns unterhalten und erfreut, und obwohl selbst »Commander Perkins« genau genommen voller Logiklöcher war – wie haben wir diese Serie geliebt!

Im Sommer 2009 erlitt Hans einen schweren Schlaganfall. Jetzt ist er nach langer Krankheit in Hamburg gestorben. Er war ein legendärer Autor der deutschen Nachkriegs-SF, hat uns durch unsere Jugend begleitet und war immer für seine Leser da. Hans, das hast du gut gemacht. Danke für deine Geschichten.

Olaf Brill

-> Olafs Besprechung eines Perry-Romans von H. G. Francis gibt es auf retrosektor.de

 

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