Panik in der Söldnerseele –
Andreas Winterer, „Scott Bradley …“

Andreas Winterer - „Scott Bradley …“

„… mit der Verbreitung neuer Waffensysteme wie Teppichmesser, Scheren und so weiter könnten die Feinde der Freiheit katastrophale Macht erlangen. Und zweifellos würden sie diese Macht einsetzen, um uns anzugreifen. Daher müssen wir die neuen totalitären Kräfte mit all unserer bescheidenen Macht bekämpfen. Wir werden nicht warten, bis es zu spät ist. Das Volk weiß, dass wir schnell genug reagieren, und es versteht, dass der Kampf gegen den Terror lange dauern wird und das wir viele Opfer bringen müssen …“

Nein, das ist nicht ein Auszug aus einer Rede des US-Präsidenten nach dem Anschlag auf das WTC in New York. Nicht wirklich! Auch wenn der Ausgangspunkt beinahe der Gleiche ist. Diesmal schickt das Galaktische Imperium allerdings seine stärkste Waffe, um den terroristische Akt zu rächen: Commander Scott Bradley! Und er führt seinen Auftrag mit erbarmungsloser (was ist das denn?) Konsequenz aus. Alle feindlichen Planeten werden vernichtet. Zuerst natürlich die, die bewaffnet sind. Dann die, die bewaffnet sein könnten, dann die, die sich gerne bewaffnet hätten oder zumindest das nötige Kleingeld dafür gehabt hätten, schließlich die die sich nicht glaubwürdig genug von den Terroristen distanziert haben und zuletzt – sicher ist sicher – auch noch die, die nicht rechtzeitig genug Waffenhilfe angeboten haben.

Niemand kann behaupten Scott Bradley würde seine Arbeit nicht gründlich erledigen. Bei all der Gründlichkeit verwundert es eher, dass es im ganzen Universum noch Welten gibt, auf denen wir intelligentes … oder sagen wir lieber überhaupt noch Leben vorfinden. Nun, das Universum hatte ja auch keine Wahl. Eine Welt ohne Scott Bradley, wäre keine Welt, wäre nur ein Nichts, ein ödes, verschlafenes gottverdammtes Nichts. Schließlich hat nicht Scott Bradley das Licht der Welt erblickt. Es war umgekehrt. Und damit ist schließlich alles erklärt, oder? So verdeutlicht uns zumindest Leo Lukas in seinem Geleitwort den kosmologischen Zusammenhang.

Aber zum Glück ist Scott Bradley nur eine Romanfigur und wir können uns weiter in unserer politisch-korrekten Welt langweilen. Sie entsprang dem Kopf von Andreas Winterer, der damals noch die Absicht hatte eine Schundroman-Heftserie zu schreiben. „Bradley vereint Pragmatismus und Militarismus sowie eine tiefe Abneigung gegen jede Form von Heuchelei in einer hartgesottenen Söldnerseele.“ skizziert der Autor seine Figur. Andreas Winterer, gebürtiger Kölner, verdient sein Geld als freiberuflicher Autor, Schriftsteller und auch als Medien-Coach und Berater für Kommunikation und Kreativität mittlerweile in München. Vielleicht bringt es eine solche Tätigkeit mit sich, ab und zu mal richtig „die Sau raus lassen zu müssen“. Denn nur wer alle moralischen, ethischen und sonstige abstruse Bedenken irgendwo auf einem schleimigen Planeten im dritten Spiralarm einer längst vergessenen Galaxie zurücklassen kann, der wird an diesem Buch und an den Missionen Commander Scott Bradleys seine Freude haben. Aber alle anderen sind es eh nicht wert, dieses Buch zu besitzen. Man sollte es allerdings in kleinen Dosen genießen. Denn – wir müssen es uns eingestehen – das Leben eines vagabundierenden Söldners ist im Grunde doch genauso langweilig wie das jedes anderen abhängig beschäftigten Arbeitssklaven: Aliens abschießen, Blondinen flachlegen, in rauhen Mengen Alkohol vor dem Missbrauch durch andere bewahren und überdimensionale Zigarren in Rauch und Asche aufgehen lassen. Mehr ist doch nicht dran, an so einem Söldnerleben.

Besonders die Episoden sind gelungen, in den Andreas Winterer mit Versatzstücken aus bekannten SF-Filmen oder Romanen spielt und sie in seine Missionsberichte einbaut. So tauchen in der Mission XI „Seminar für Eroberer und Imperatoren“ eigentlich alle SF-Bösewichte auf, die man so kennt. Grausig wird es nur, wenn Frieden droht und keine intergalaktischen Konflikte zu „lösen“ sind. Dann kann in der Söldnerseele schon einmal Panik ausbrechen.

Neben Andreas Winterer haben Peter Hostermann drei und Franz Grieser zwei von den insgesamt 16 Missionsberichten dieses Bandes beigesteuert. Kurzweilig sind sie allesamt – auch wenn Scott Bradley selbstverständlich keins dieser verf****ten hirnverdummenden Bücher jemals in seine Blaster erprobten Finger nehmen würde …

Holger Marks

Andreas Winterer
„Scott Bradley – Blondinen, Blobs und Blasterschüsse“
mit einem Vorwort von Leo Lukas
Evolver Books
213 Seiten
ISBN 978-3-9502556-3-6

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Bücher und getaggt mit , , , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Panik in der Söldnerseele –
Andreas Winterer, „Scott Bradley …“

  1. Pingback: Scott Bradley, Scott im Fandom Observer | Science Fiction Satiren

  2. Pingback: Evolver läd nach: Super Pulp 2 | Fandom Observer