Perry Rhodan im Mittelpunkt – Weltcon 2011

Weltcon 2011 - Rosengarten

Mannheim. Freitagnachmittag, 14.30 Uhr: Noch deutet nichts auf den Weltcon 2011 hin.

Nach sage und schreibe 31 Jahren sehe ich Mannheim wieder. Da sieht man mal, wofür ein Weltcon gut sein kann. Angenehm war die zentrale Lage des Kongresszentrums Rosengarten. Vom Autobahnkreuz Mannheim auf die A656 und dann nur noch stumpf geradeaus, bis vor das Kongressgebäude bzw. in die Tiefgarage. Das war einfach. Anschließend ging es schnurstracks durch die Konferenzräume des Dorinthotels, vorbei an der Veranstaltung der „bilingual bzw. bipolar Gestörten“ zum Glastunnel, der das Hotel mit dem Kongresszentrum verband. Von von da aus abwärts auf die Erdgeschoss-Ebene des Kongresszentrums. Die Fanzine-Tische waren rasch gefunden – die einzige logistische Herausforderung lautete: Welcher Tisch ist für den Fandom Observer?

Geduldige Helfer

Wer ein Perry-Rhodan-T-Shirt trägt und einen Button mit der Aufschrift Weltcon Team, der hat Pech gehabt. Der arme Kerl vor dem Tiefgaragen-Lastenaufzug sah sich demzufolge mit den Fragen „Welches ist der FO-Tisch?“ und „Stühle! Uns stehen doch zwei Stühle zu – wo bekomme ich die?“ konfrontiert. Ein ausdrückliches Lob dem Helfer, der trotz Nichtzuständigkeit weiterhalf. Und so lautete das Endergebnis beim FO-Stand: Fertig um 15.26 Uhr. Da war dann auch ein Rüdiger Schäfer zufrieden und überreichte das offizielle Weltcon-Badge. Währenddessen pausierte FO Herausgeber Martin Kempf zusammen mit John Lochhas in der Dorint-Gastronomie und nahm erste Verkostungen vor. So stellen wir uns die Arbeitsteilung vor!

Weltcon 2011 - FO-Stand

Das Aufbaukommando hat fertig! FO-Rollup und -Tischaufsteller sind platziert, die Fandom-Observer-Reservierungsschürze baumelt und die Erdnüsse sind in Griffweite. E s fehlt: der Herausgeber mit den FO-Heften

Auszeit

Furchtbarerweise motivierten mich die Eröffnung und die nachgelagerten Programmpunkte noch nicht zum Eintauchen in das sogenannte Perryversum. Also gab es einen entspannten Aufenthalt am FO-Stand und prompt brauchte ich nicht auf die Suche nach „alten Bekannten“ zu gehen – sie kamen von selbst vorbei. Mit Olaf Brill tauschte ich mich über Filme, das Fandom der Achtziger, die Jugendherberge Heidelberg und bauliche Veränderungen im Kongresszentrum im Vergleich zum ersten Weltcon aus. Mit Gerald Jambor vertiefte ich mich in die Frage „Wie genau halten sich Autoren und Autorinnen an Exposés?“
Kurz vor 20 Uhr versammelte sich die Schar der Hungrigen am Stand, verließ gemeinsam das Kongresszentrum, wechselte die Straßenseite und fiel beim Edel-Italiener ein. Kürzen wir es ab – lecker war es. Und bisher war ich noch nicht an der Verursachung einer so hohen Restaurant-Rechnung beteiligt. Ende von Tag eins.
Aus Gewohnheit hatte Martin das Hotelzimmer ohne Frühstück gebucht. Die Vorgehensweise bewährte sich einmal mehr. Der Abstecher in die Fußgängerzone Mannheims führte ins Frühstücks-Café und zur Auswahl des „Viernheimer Frühstücks“ von der Speisekarte.

Weltcon 2011 - Karl-Herbert Scheers Diktaphon

Persönliche Gegenstände von Autor Karl-Herbert Scheer, im Detail: Füller, Diktiergerät und Brille

Programm – ja, bitte!

Entsprechend entspannt betraten wir das Congebäude und ich behielt die Armbanduhr im Auge. Getreu dem Motto „Wenigstens zwei Programmpunkte pro Tag sollten es diesmal sein!“ Angepeilt hatte ich die 13.15-Uhr-Veranstaltung mit dem Titel „Präsentation Perry Rhodan Neo“. Viertel vor eins betrat ich zusammen mit John Lochhas den abgedunkelten Mozartsaal. In diesem wetteiferten noch Team Terra (Hermann Ritter) und Team Arkon (Uschi Zietsch) in einem Quiz um den Titel bei „Wer wird Galaxionär?“. Moderiert von Leo Lukas. Herrjeh, ein Österreicher moderierte! Kein Wunder, dass sie überzogen als hätten sie ein Gottschalk-Abo. Aber, wenigstens gab es freie Sitzplätze und so beschlossen wir, wir bleiben hier sitzen, bis die fertig sind. Das kann ja solange nicht mehr dauern. Das Ende vom Lied: Team Terra gewann, Hermann verkündete, von seiner virtuellen Währung (1 Million Galax) den einen Teil für den Kauf eines Perry-Rhodan-Romans zu verwenden – und vom verbleibenden Rest einen Autor zu engagieren, der ihn schreibt. Na prima!

Weltcon 2011 - Willy Voltz’ Schreibmaschine

Aus der Abteilung „Technisches“ aus den Siebzigern: Die mechanische Schreibmaschine von Perry-Rhodan-Autor Willi Voltz

Olfaktorische Wahrnehmung

Mit ordentlich Verspätung betraten Elke Rohwer und Klaus N. Frick die Bühne und – zugegeben – ich war gespannt auf die Präsentation von Perry Rhodan Neo. Ja, wir saßen und warteten. Und zwar nicht alleine. Der Fan links von mir gehörte zur Kategorie der essenstechnischen Selbstversorger. Das wäre ja an und für sich kein Problem, hätte er sich an normale Stullen gehalten. Jedenfalls, es knirschte und raschelte, die Duftwolke breitete sich aus – und zwei Sitzplätze rechts von unserem munteren Esser stöhnte John Lochhas entsetzt: „Döner, das ist Döner!“ Ja, recht hatte er. Laut Wikipedia sterben die Riechzellen eines Menschen alle 60 Tage ab und werden erneuert. Hier kam der finale Zelltod innerhalb von 6 Minuten. Und hatte ich noch gedacht, nach Verzehr des Döners wäre Ruhe, so erlebte ich anschließend die schreckliche Tatsache, dass der Sitznachbar noch einen zweiten aus der Plastiktüte hervorkramte.
Mit Mühe gelang es mir, den Ausführungen des Neo-verkündenden Duos auf der großen Bühne zu folgen. Was ist Perry Rhodan Neo? Ja, was? Ein Neustart sollte es sein. Gewissermaßen die Antwort auf die Frage, wie würde ein Perry-Rhodan-Band 1 aussehen, wenn er nicht aus dem Jahre 1961 stammen würde, sondern wenn er heute, in der Jetztzeit, im Kalenderjahr 2011, geschrieben wird? Und genau diese Frage sollte der Roman „Sternenstaub“ von Frank Borsch beantworten. Es ist insofern keine Neuauflage des alten Perry-Stoffes – es ist mehr eine Neuinterpretation, wobei die heutige gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und militärische Situation auf der Erde einfließt. Insofern ist klar, dass einige Punkte aus dem damaligen Roman „Unternehmen Stardust“ entfallen müssen, einige andere neu reinkommen und auch die Handlung nicht 1:1 identisch sein kann. So richtig vorstellen konnte ich mir das Ganze auch nach den Erläuterungen des Redakteurs-Duos noch nicht. Doch immerhin, es sollte ja diesen ersten Band als Geschenk an alle anwesenden Con-Besucher geben.

Weltcon 2011 - Atlan-Pappaufsteller

Der Atlan-Pappaufsteller im Foyer

Ein putziges Detail am Rande bleibt noch zu vermerken. Klaus Frick machte vorsorglich darauf aufmerksam, dass der weiße Streifen am rechten Rand des Taschenheftes kein Fehler, sondern beabsichtigt sei – wegen des Glanzumschlages mit den „Einklappseiten“. Hier gilt das abgewandelte Zitat aus dem Film Independence Day: „Das ist so nicht ganz richtig, Mr. Chefredakteur!“ Auch wenn man (schwäbisch) kostenbewußt den Seitenbeschnitt nach dem Leimen und Binden vornimmt, so muss doch kein weißer Streifen bleiben. Man hätte einfach auf Seite 3 einen 4 mm breiten Streifen vom rechten Titelbild aufdrucken können. Der wäre dann zwar nicht hochglänzend gewesen, sondern matt, weil auf dem Naturpapier des Innenteils aufgebracht – aber der Kontrast wäre längst nicht so krass gewesen, wie zu unbedrucktem Papierweiß. Der FO empfiehlt augenzwinkernd, beim nächsten Mal den Drucker fragen und nicht den Controller.

So, damit hätten wir sogar noch einen konstruktiven Verbesserungsvorschlag untergebracht. Zusammen mit John flüchtete ich dann vor den Massen der Autogrammwilligen. Ein Zwischenaufenthalt in der Lounge ließ noch genügend Zeit, um mit dem kaffeetrinkenden Achim Mehnert zu plauschen.

Perry-Rhodan-Tanker auf Kurs 3000

Einmal ist keinmal. Und so schlüpfte ich gegen 17 Uhr erneut in den Mozartsaal. Anscheinend hatten 1.000 andere Besucher denselben Gedanken – nur früher. Von wegen Sitzplatz. Dabei war noch die übliche Verspätung am Start und Dr. Rüdiger Jehn war noch damit beschäftigt, sich zu den Perspektiven bei der ESA zu äußern. Also ging es ganz nach hinten auf der Erdgeschossebene des Mozartsaals. Schließlich betraten Exposéautor Uwe Anton und Chefredakteur Klaus N. Frick die Bühne. Der Arbeitstitel lautete “Kurs 3000″, interpretierbar mit inhaltlicher Ausblick bis auf den Heftroman Nr. 3000. Wobei Inhalt – na ja. Und, wie war es nun? Antwort – bombastisch! Wie wir das schon von anderen Cons kennen: Perry-Rhodan-Leser stellen Fragen und die Autoren geben „verklausulierte“ Antworten. Nur dass dieses Mal vor lauter Effekten kein Inhalt mehr ankam. Getragene sphärische Musik der Band Cosmolodics, die wohl Spannung erzeugen und die kurzen Ansagen der Herren Frick und Anton untermalen sollte. Lichtkegel und Spots, die effekthaschend mal nach links (zur Band) mal nach rechts (zum Duo Informale) huschten. Zwischendurch gab es kleine, vage Häppchen zum Serieninhalt der Zukunft: einen angedeuteten dritten Weg Perry Rhodans, zwischen Kosmokraten und Chaotarchen und eine Gefahr bzw. die Auswirkung eines Ereignisses, das in ferner Vergangenheit des Perryversums lag. Neben mir gab es ächzende Geräusche. Martin Kempf erhob sich und suchte kopfschüttelnd das Weite. Wohl weil man dem Braten nicht traute, arbeiteten Uwe Anton und Klaus Frick noch einen Schluss-Gag mit sprechender Banane ein. Entschuldigung, es sollte wohl ein gurkenähnlicher Swoon sein, der mit der Digicam gefilmt und von Sprecher Hermann Ritter synchronisiert wurde. Ja, sie mühten sich. Ob es lustig war? Ich fand es nicht, aber vielleicht war ich kritischer als das anwesende Publikum. Jedenfalls war es nun genug in Sachen Programm und ich kehrte zum FO-Stand zurück. Der Tag fand seinen Ausklang mit dem Abendessen – dieses Mal reduziert auf noch vier Personen des Vorabends.

Abstruses wird versteigert

Weltcon 2011 - FO-Rollup

Antje Brand – oh, Entschuldigung Dr. Antje Brand (soviel Zeit muss sein) – dokumentiert den Fließtext des FO-Rollups. Dieser beginnt mit „Ich lese den Fandom Observer weil …“. Im Hintergrund (von links): Martin Kempf, Petra Kufner, Rüdiger Schäfer


Was macht man mit Staubfängern im Verlagsarchiv? Man platziert sie auf der Bühne des Perry-Rhodan-Weltcons, schickt Marc A. Herren und Hermann Ritter auf eben diese und beauftragt die beiden, die Utensilien zu versteigern. Und so stand der Sonntagmittag im Zeichen der sogenannten großen Auktion. Mit moderatem Einstieg, sowohl in Sachen Preis wie auch in Sachen Bieterbeteiligung beim Publikum begann es. Mit eher geringen ein- bis zweistelligen Beträgen versuchten die beiden erstmal ihre eigenen – und handsignierten – Romane feilzubieten. Doch rasch zogen die Preise an und die namentliche Erwähnung in einem Heftroman der ersten Auflage kratzte schnell an der 200-Euro-Marke. Recht fassungslos starrte ich auf das Geschehen, während zu meiner Linken Dieter Schmidt penibel die erreichten Gebote zu den entsprechenden Verlosungsnummern notierte. Unvorsichtigerweise hatte ein freundlicher Fan von der Sitzreihe vor uns, die entsprechende Liste zur Verfügung gestellt. Justament hier klingelte das Handy und Martin verkündete seine Aufbruchabsichten. Da seine Reisetasche sich im Kofferraum meines Autos befand, bestand Handlungsbedarf. Angesichts von rund 400 km bevorstehender Heimfahrt entschloss ich mich, ebenfalls die Abreise einzuleiten. Das Observer-Rollup wurde eingefahren, verpackt und wir verabschiedeten uns in der Tiefgarage.

Günther Freunek

 

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