Der etwas andere Kurs in nordischer Mythologie – „Mara und der Feuerbringer“

Tommy Krappweis - „Mara und der Feuerbringer“Am Donnerstag donnerte es, am Freitag hatte Herr Mohn frei und am Samstag kam dann bekanntlich das Sams. So entschied es einst Paul Maar. Aber warum heißt der Donnerstag eigentlich Donnerstag? Und warum fordern andere Menschen Bäume auf mit ihnen zu sprechen? Und warum sind Eichhörnchen gar nicht so niedlich, wie sie immer vorgeben? Tommy Krappweis liefert mit seiner Fantasy-Trilogie „Mara und der Feuerbringer“ die Antwort auf diese und noch ganz andere Fragen.
Eigentlich hat die 14jährige Mara Lorbeer schon genügend Probleme. Ihre Eltern haben sich scheiden lassen und in der Schule gehört sie jetzt auch nicht gerade zu den Coolsten. Zu allem Überfluss befasst ihre Mutter sich mit allen Facetten der Esoterik. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir Mara als erstes bei einem Baumsprechseminar begegnen, zu dem ihre Mutter sie mitgenommen hat. Denn Maras Mutter hat ein Faible für solche Seminare, ganz im Gegensatz zu ihrer Tochter. Und so nimmt sich Mara die kleine Rache heraus, ihre Mutter nicht auf den Zweig aufmerksam zu machen, der ihr noch während des Heimwegs in den Haaren hängt. Allerdings fangen damit Maras Probleme erst einmal so richtig an – denn der Zweig beginnt, zu ihr zu sprechen. Wie Zweige nun einmal so sind, wenn sie erst einmal reden, drücken sie sich etwas umständlich aus. Worte, wie Spákona, Loki und Ragnarök fallen. Mara bleibt nichts anderes übrig als zu googlen. Pardon, zu recherchieren. Die Recherchen führen sie schließlich zu Professor Weissinger an die Ludwig-Maximilian-Universität, der auf seine ureigene Art ihre vermeintlichen Wissenslücken füllt. Denn eine Spákona ist eine Seherin und Mara sieht sich keiner geringeren Aufgabe gegenüber, als die Götterdämmerung zu verhindern. Damit beginnt für Mara und Professor Weissinger ein Abenteuer, das sie im Verlauf der Trilogie quer durch Deutschland führen wird.

Tommy Krappweis - „Mara und der Feuerbringer - Das Todesmal“Was sich auf den ersten Blick nach einem typischen Fantasyroman für Jugendliche anhört, entpuppt sich schon auf den ersten Seiten als ein höchstamüsanter Fantasycrashkurs in die nordische Mythologie, dessen Humor Erwachsene und Jugendliche an unterschiedlichen Stellen zum Lachen bringt. Manchmal leise schwingende Ironie, manchmal klar gesetzte Zitate aus anderen Fantasywerken sowie die stete „Was soll das eigentlich alles?“-Haltung der Protagonistin sorgen für permanente Schmunzler, die jedoch binnen Sekunden ob der Handlung schnell wieder in Ernsthaftigkeit umschlagen. Tommy Krappweis hält eine wunderbare Balance zwischen dieser Leichtigkeit und den benötigten dramatischen Elementen, die die Handlung vorantreiben. Fast nebenbei wird dem Leser die Welt der nordischen Mythologie vermittelt und Hintergründe beleuchtet, die für das Verständnis der Handlung notwendig sind. Tommy Krappweis entführt seine Leser an Originalschauplätze, was der Geschichte um Mara und ihre Reise den letzten liebevollen Schliff gibt. Für Leser, die die Schauplätze in München, Osnabrück und Detmold kennen, ist dies ein extra Lesegenuss, jedoch werden die Schauplätze so lebendig beschrieben, dass jeder, der die Städte nicht kennt, das Gefühl hat, diese Orte schon einmal bereist zu haben. Hier liegt die Stärke im Stil von Tommy Krappweis. Er schafft es mühelos, Bilder zu vermitteln, ganze Filmszenen vor den geistigen Augen seiner Leser ablaufen zu lassen. Zwar zeichnet er manchmal groteske Bilder (mein Verhältnis zu Eichhörnchen ist dank der Trilogie mittlerweile etwas unentspannt), jedoch sind diese nie überzeichnet. Hinzu kommt noch, dass jedes groteske Bild einen logischen, nachvollziehbaren Grund für die Handlung hat und somit nicht als reißerisch empfunden wird.

Tommy Krappweis - „Mara und der Feuerbringer - Götterdämmerung“Tommy Krappweis hat mit „Mara und der Feuerbringer“ eine Trilogie geschaffen, die sich wohltuend von den aktuellen Angeboten auf dem Fantasymarkt abhebt. Jeder Teil der Trilogie ist zudem in sich abgeschlossen und nervt nicht mit unnötigen Cliffhangern zum Ende. Wer sich immer schon einmal davon überzeugen wollte, dass Fantasy nicht immer in eigens dafür erschaffenen Welten spielen muss und auch noch auf unterhaltsame Weise lernen möchte, warum der Donnerstag Donnerstag heißt, ist bei „Mara und der Feuerbringer“ definitiv sehr gut aufgehoben. Schön, dass der Fantasymarkt auch noch solche Geschichten bietet.

Katrin Hemmerling

Tommy Krappweis

„Mara und der Feuerbringer“
SchneiderBuch, BRD 2009
gebunden, 332 Seiten
ISBN: 978-3-505-12646-8

„Mara und der Feuerbringer 2 – Das Todesmal“
SchneiderBuch, BRD 2010
gebunden, 336 Seiten
ISBN: 978-3-505-12786-1

„Mara und der Feuerbringer 3 – Götterdämmerung“
SchneiderBuch, BRD 2011
gebunden, 332 Seiten
ISBN: 978-3-505-12648-2

maraunderfeuerbringer.de

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Bücher und getaggt mit , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Der etwas andere Kurs in nordischer Mythologie – „Mara und der Feuerbringer“

  1. Marco Burggraf sagt:

    Eine echt Super geschriebene Trilogie. Ich hab selten so gelacht und dabei noch einiges über die nordisch-germanische Mythologie gelernt. Geht zu einer Lesung, ihr verliebt euch sofort. Und ihr werdet Hasen und Ostern nebenbei mit anderen Augen sehen. Absolut genial. *thumbs up*