Grandiose Spannung: „Das Schiff“ von Greg Bear

Greg Bear – „Das Schiff“Der US-amerikanische Genreautor Greg Bear – und das nimmt mich schon einmal für den Mann ein – gehört nicht zu den AutorInnen, die einen einmal erfolgreich etablierten Handlungsrahmen bis zum allerletzten Blutstropfen (und darüber hinaus) leersaugen. Der Mann hat sich ursprünglich mit Space Operas und im Themenbereich der Biotechnologie angesiedelten Thrillern einen Namen gemacht, zwischendurch war aber auch mal eine Gespenstergeschichte („Stimmen“) oder eine allzu ambitionierte Endzeitphantasie („Die Stadt am Ende der Zeit“) dabei.

Mit „Das Schiff“ hat der Mann nun das Genre auch nicht neu erfunden (als ob so etwas von unsereins noch erhofft würde); zuletzt wurde das Motiv des Generationenraumschiffs, in dem wieder einmal etwas fürchterlich schief gegangen ist, wahrscheinlich in dem beeindruckenden kleinen SF-Film „Pandorum“ aufgegriffen. Bear bedient sich hier einer Hauptfigur, die ohne über nennenswerte hilfreiche Erinnerungen zu verfügen an einem Ort aufwacht, der sich zusehends als regelrechter Kriegsschauplatz entpuppt.

Das mit dem Generationenraumschiff dürfte ein einigermaßen belesenes Publikum wohl recht schnell ahnen, darüber hinaus blicken wir aber auch nicht mehr durch als unser armer Protagonist. Der begegnet auf seinem Weg durch ein in weiten Teilen verwüstetes Raumschiff unterschiedlichen Menschenwesen, von denen einige durchaus freundlich, andere aber blutrünstige Killer sind, die angreifen, ohne zu fragen, und bei deren Entstehen offensichtlich fortgeschrittene Gentechnologie am Start war.

Greg BearWenig hilfreich sind auch die traumhaften Erinnerungen an ein intaktes Raumschiff, eine nach Plan verlaufende Mission die unseren Freund in Abständen überfallen. Irgendwann wird ihm klar, dass er nicht einmal seinen eigenen Erinnerungen voll vertrauen kann …

„Das Schiff“ ist insgesamt ein handwerklich ausgesprochen gelungener Roman, der lange Zeit von einer grandiosen Spannung leben kann und davon, dass er seine Geheimnisse ausgesprochen zögerlich preisgibt. Am Ende gipfelt alles allerdings in einem Finale, das das große Versprechen, das der Roman gegeben hat, nicht ganz einzulösen vermag; bis dahin wird man aber bestens unterhalten.

Peter Herfurth-Jesse

„Das Schiff“
Science-Fiction-Roman
„Hull Zero Three“ (2010)
aus dem Amerikanischen
von Uschi Kiausch
Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design
deutsche Erstausgabe, München 2011
Heyne TB 53375, 478 Seiten
ISBN 3-453-53375-2

 

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Eine Antwort auf Grandiose Spannung: „Das Schiff“ von Greg Bear

  1. Jürgen Eglseer wies mich darauf hin, daß er eine andere Meinung hat:

    … ein Buch, das seine Möglichkeiten leider verschenkt. Tolle Beschreibungen und Charakterisierungen, interessante Ausgangspositionen verschwinden im Laufe der Seiten im Einerlei.

    aus: http://fictionfantasy.de/das-schiff