Ohne echte Substanz: „Priest“

„Priest“ – Poster»Priest« ist eigentlich ein Manwha, ein südkoreanischer Comic um einen Priester und dessen Kampf gegen den abtrünnigen Erzengel Temozarela. Der Film von Scott Stewart (»Legion«) basiert allenfalls lose auf der Comicvorlage, denn das Drehbuch von Cory Goodman verlegt das Geschehen in eine diffuse, post-apokalyptische Welt in ferner Zukunft.

Die Menschheit hat den jahrhundertelangen Krieg gegen die Rasse der Vampire nach großen Opfern gewonnen und diese in streng abgeschottete Reservate eingesperrt. Maßgeblich beteiligt an diesem Sieg waren die Priests, eine Kaste speziell ausgebildeter Krieger, die im Auftrag der Kirche agierten und den übermächtigen Feind schließlich in die Schranken wiesen. Als sich plötzlich die Anzeichen für einen neuen Großangriff der Vampire mehren, ignorieren die Kirchenoberen die Gefahr. Ein namenloser Priest (gespielt von Paul Bettany) widersetzt sich jedoch dem Willen des Klerus und nimmt gemeinsam mit zwei Begleitern den Kampf gegen die neue Bedrohung auf.

„Priest“

»Priest« wurde von der allgemeinen Kritik zerrissen. Auch finanziell spielte er gerade einmal knapp sein Budget von rund 60 Mio. US-Dollar ein. Letzteres reichte immerhin aus, um dem Streifen eine durchaus opulente Optik zu spendieren. Stilistisch an Filme wie »Matrix« oder »Underworld« erinnernd, transportiert die düstere Atmosphäre die eher gewöhnliche Story sehr gut. Auch die Kampfszenen und die diversen Vampirarten sehen prima aus. Dabei ist es löblich, dass es sich bei den Blutsaugern einmal nicht wie üblich um verwandelte Menschen, sondern um eine eigene Spezies mit diversen Mutationen handelt.

„Priest“Was dem Film fehlt, ist der individuelle Charakter. Weder Regisseur noch Schauspieler schaffen es, der porträtierten Welt oder den arg klischeehaften Protagonisten etwas zu geben, an dem man sich als Zuschauer festhalten kann. Ein paar (zugegebenermaßen tolle) Action-Szenen reichen heute nicht mehr aus, um einen Film im Gedächtnis haften zu lassen. Und so wirkt »Priest« eher wie ein Zusammenschnitt diverser SF- und Horrorstreifen der letzten Jahre, eine Art Genre-Trailer in Spielfilmlänge, optisch grandios, jedoch ohne echte Substanz – und für den epischen Charakter der Story eindeutig zu kurz.

Unterhaltsam ist die rasante Hetzjagd dennoch. Das lupenreine HD-Bild der Blu-ray und der donnernde 5.1-Sound reizen die Heimkino-Anlage voll aus, und auch die Extras können sich sehen lassen. Insofern: Hirn abschalten und eineinhalb Stunden lang Vampire schnetzeln!

Rüdiger Schäfer

„Priest“ - Poster»Priest«
Blu-ray
SF-Horror
87 min.
FSK 16

 

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