„Terra Nova“ – Spielberg und die Dinos

Terra Nova Cast
Eine neue SF-Serie von Steven Spielberg? Mit Dinosauriern? Selbstverständlich gehört ein solches Projekt zwingend zum Pflichtprogramm eines jeden Phantastik-Fans …
Im Prinzip ist alles wie immer. Wir schreiben das Jahr 2149 und die Menschheit hat sich mal wieder ziemlich heftig in die Ecke manövriert. Die Erde ist übervölkert, die Städte ersticken in Müll und schlechter Luft und grundsätzlich sieht alles ziemlich trostlos aus. 22 Jahre zuvor haben Wissenschaftler bei Experimenten jedoch eine Anomalie entdeckt, eine Art Tor, durch das man 85 Millionen Jahre in die Vergangenheit reisen kann (ins letzte Drittel der Kreidezeit). Dort, auf Terra Nova, der neuen Erde, gibt es saubere Luft, frisches Wasser, haufenweise Grünzeug – und jede Menge Saurier mit langen, scharfen Zähnen.

Held der Serie ist der Ex-Polizist Jim Shannon, der in die Mühlen der Justiz gerät, weil er und seine Frau Elisabeth ein drittes Kind in die Welt setzen (unter dem Slogan »Family is four« sind mehr als zwei Kinder bei strenger Strafandrohung verboten). Als seine Frau (eine Ärztin) und die zwei legalen Kinder Josh und Maddy als Mitglieder der neuen Kolonie auf Terra Nova ausgewählt werden, bricht Jim aus dem Gefängnis aus, greift sich seine illegale Tochter Zoe und folgt seiner Familie in die Vergangenheit.

Der Pilotfilm »Genesis« ist naturgemäß in der Hauptsache damit beschäftigt, die wichtigsten Protagonisten und ihr Umfeld vorzustellen. Interessant sind dabei zwei Fakten: Zum einen ist die Zeitreise nur in eine Richtung möglich, das heißt, dass eine Rückkehr ins Jahr 2149 technisch nicht machbar ist. Zum anderen befindet sich Terra Nova auf einer anderen Zeitlinie, was bedeutet, dass Handlungen dort keine Auswirkungen auf die bekannte Zukunft haben. Inwieweit diese beiden dramaturgischen Kniffe später relativiert werden, bleibt abzuwarten.

Ansonsten erinnert der Pilot in vielen Dingen an die bekannten »Jurassic Park«-Streifen. Die Saurier stehen in Sachen Tricktechnik ihren großen Brüdern aus dem Kino in Nichts nach. Überhaupt ist die gesamte Inszenierung, vor allem der finale Kampf gegen eine Horde Acceraptors (eine fiktive Saurierart; die deutsche Übersetzung ist mir nicht bekannt, da ich die US-Folgen schaue), kurz Slasher (Schlitzer) genannt, absolut kinoreif und muss keinen Vergleich mit entsprechenden Blockbustern scheuen.
Für den übergreifenden Handlungsbogen sorgen zunächst einmal die Sixers, eine Siedlergruppe, die sich von den ursprünglichen Kolonisten abgespaltet hat und eine eigene Niederlassung betreibt. Offenbar hat die Anwesenheit der Menschen in der Vergangenheit einige negative Auswirkungen, die nicht näher beschrieben werden, und die Nathaniel Taylor, der Kommandeur der Kolonie gerne verschweigen würde. Wie in Serien üblich, werden zu diesem Themenkomplex in kommenden Episoden häppchenweise weitere Informationen folgen.

Terra Nova Pilotfilm

Ein Fazit? »Terra Nova« hat mir Spaß gemacht. Vor allem die zweite Hälfte des Piloten gewinnt merklich an Fahrt, auch wenn Jim Shannon und Nathaniel Taylor die einzigen Figuren sind, die ein echtes Profil entwickeln. Allerdings sollte man der Serie in dieser Hinsicht noch einige Folgen Zeit geben. Die erste Staffel ist auf 13 Episoden angelegt, ausreichend Zeit, um weitere Bewohner Terra Novas mit eigenen Geschichten einzuführen.

Insgesamt erscheint mir die Serie mit ihrer sehr linear gestrickten Handlungsführung und den teilweise arg banalen Dialogen (allein die Begrüßungsrede Taylors vor den neu eingetroffenen Siedlern ist eine einzige Phrasensammlung) zu flach, um länger als ein paar Folgen lang zu fesseln, doch die nächsten Episoden werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Potential hat »Terra Nova« allemal. Im ewigen Kampf um die Quoten dürfen sich die Drehbuchschreiber nur nicht zu lange Zeit lassen, dieses auch zu entwickeln.

Rüdiger Schäfer

 

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