Wenn sonst nichts im Fernsehen läuft … „Apollo 18“

„Apollo 18“ – PosterFound Footage ist im Moment in. So bezeichnet man Filme, die vorgeben, reales, per Handkamera live gedrehtes Filmmaterial zu zeigen und in der Art einer Mockumentary angelegt sind, also dem Zuschauer suggerieren, er würde sich eine tatsächliche Dokumentation ansehen. Inzwischen existiert sogar ein eigenes Subgenre, und dessen Vertreter werden immer zahlreicher. »Cloverfield«, »Paranormal Activity«, »Der letzte Exorzismus«, »Quarantäne«, »Troll­hunter« – die Liste ist lang und wird immer länger.

Auch »Apollo 18« fällt in die Kategorie der gefakten Tatsachenberichte. Tatsächlich wurde die für den Februar 1972 geplante Mondmission im September 1970 abgesagt – aus Budgetgründen, wie es offiziell hieß. Nun enthüllt der Spanier Gonzalo López-Gallego, dass er auf der Internetseite lunartruth.org 84 Stunden ungeschnittenes Videomaterial gefunden, und daraus einen knapp eineinhalbstündigen Film gebastelt habe. Man erfährt, dass Apollo 18 eben doch durchgeführt wurde, dass man der Öffentlichkeit dieses jedoch aus guten Gründen seit Jahrzehnten verschweigt.

So weit die an sich sehr gute Idee. Der Film selbst kann dann aber leider nicht halten, was die Ankündigungen versprechen. Abgesehen davon, dass mir persönlich die Found Footage-Streifen mit ihren gewollten Wackelbildern und den hektischen Kamera­schwenks allmählich tierisch auf die Nerven gehen, liefern die Macher hier nicht einmal Durchschnittskost ab. In der ersten halben Stunde sieht man wenig mehr, als ein paar Astronauten beim Essen, Schlafen und Arbeiten; das alles meist unscharf und in rauschigem Ton. Dazu gibt es schwammige Bilder der Mondoberfläche und weitgehend sinnfreie Kommentare, wie man sie bei jedem Männerabend zu hören bekommt, die aber nur dann witzig sind, wenn man ein Teil der Gruppe ist.

Mondfähre

In der zweiten Hälfte (der eigentliche Film ist gerade einmal knapp 70 Minuten lang) dominieren dann fluchende, schreiende und keuchende Protagonisten, die sich gegen eine Horde spinnenähnlicher Parasiten zur Wehr setzen müssen. Die Tierchen tarnen sich als Mondgestein, nisten sich im Körper ihrer Opfer ein und treiben diese zum Wahnsinn. Woher sie kommen, was sie wollen und wie sie all die Zeit auf dem öden Erdtrabanten überlebt haben, erfährt man natürlich nicht. Statt dessen entschließen sich die Verantwortlichen auf der Erde, sämtliche bemannten Mondmissionen abzusagen und die ganze Angelegenheit unter den Teppich zu kehren.

Schade, denn aus der an sich schönen Grundidee hätte man deutlich mehr machen können, vor allem, wenn man weiß, dass Astronauten und Forschungssonden bislang über 800 Kilogramm Mondgestein auf die Erde geschafft haben. So bleibt nur ein leidlich unterhaltsamer Gruselstreifen, den man sich ansehen kann, wenn man auf solche Art von Filmen steht oder mal wieder nichts im Fernsehen läuft. Ins Kino muss man für »Apollo 18« definitiv nicht – und fürs heimische Wohnzimmer dürfte angesichts der (absichtlich) durchgehend schlechten Bildqualität die DVD genügen.

Rüdiger Schäfer

„Apollo 18“
Kino
SF
86 min.
FSK 16

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Filme und getaggt mit , , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier hast Du nichts zu melden …