Handwerklich akzeptabel:
„Der Wilde Planet“ von John Scalzi

John Scalzi - „Der Wilde Planet“Dass sich John Michael Scalzi (geb. 1969 in Kalifornien) auf dem weiten Feld der Science Fiction erklärtermaßen aus kommerziellen Erwägungen ausgerechnet der Military SF zugewendet hat, könnte man durchaus kontrovers diskutieren, unbestritten scheint hingegen zu sein, dass zumindest sein 2006 für immerhin einen Hugo Award nominierter Roman „Krieg der Klone“ ein ausgesprochen vergnüglich zu lesendes Stück Unterhaltungsliteratur in der Tradition des Golden Age des Genres darstellt. Einigermaßen unorthodox ist auch Scalzis Einfall, seinen ebenfalls im Universum von „Krieg der ­Klone“ angesiedelten Roman „Die letzte Kolonie“ ein Jahr später aus der Perspektive einer anderen Hauptfigur noch einmal zu erzählen („Zwischen den Sternen“). Über­raschenderweise zählen sämtliche dieser ­Titel zum unterhaltsamsten, was ich auf diesem Gebiet in den letzten Jahren gelesen habe.

Zum Autor wäre noch anzumerken, dass Scalzi 2006 mit dem John W. Campbell Award für den besten neuen Autoren ausgezeichnet wurde. 2008 erhielt für das ­Sachbuch „Your Hate Mail Will Be Graded: Selected Writing, 1998–2008“ doch noch einen Hugo Award und seit 2010 ist er gewählter Präsident der Science Fiction and Fantasy Writers of America.

Für den vorliegenden Roman verfiel Scalzi auf eine weitere einigermaßen originelle Idee, handelt es sich bei „Der wilde Planet“ doch um die aktualisierte Neufassung eines 1961 von H. Beam Pipers verfassten klassischen Romans – um mit Scalzi zu sprechen: ein Reboot. (Das Original lässt sich übrigens mit wenig Aufwand im Internet googeln und herunterladen.)

Hauptfigur den Romans ist Jack Holloway, der im Auftrag der Auftrag der mächtigen Zarathustra Corporation auf dem Planeten Zara XXIII nach Bodenschätzen sucht. Der Fund einer ergiebigen Ader mit wertvollen Sonnensteinen macht den trickreichen Prospektor gleich auf den ersten Seiten des Buchs zum Milliardär.
Quasi nebenbei kommt es durch Holloway zum Erstkontakt mit einer einheimischen Spezies, den „Fuzzys“, entfernt affen­ähnlichen Wesen, die zunächst durch ein ungewöhnliches Nachahmungsgeschick auffallen. Der Prospektor informiert eine ehemalige Freundin, die Biologin Isabèl Wangai über seine Entdeckung. Deren Auffassung, bei der neu entdeckten Art handele es sich um eine intelligente Lebensform, würde nun für die Zarathustra Corporation bedeuten, dass sie alle Ansprüche auf Ausbeutung der Bodenschätze auf Zara XXIII aufgeben müsste. Aber Wheaton Aubrey VII., der gerade zufällig auf dem Planeten anwesende designierte Erbe des Konzerns, ist durchaus bereit, für praktisch unbegrenzte Profite über Leichen zu gehen…
Im Bereich des Filmes gilt als Remake die Neuverfilmung eines bereits einmal erfolgreichen Stoffes, am besten unter aktualisierten Vorzeichen. Mit seinen Themen von Umweltzerstörung, Kolonialisierung und ungebremster kapitalistischer Gier kann man Pipers Vorlage dabei eine beinahe schon bizarre Aktualität zu bescheinigen.

Was Scalzi schließlich abliefert, ist bestimmt kein großer Wurf, aber handwerklich schon einmal mehr als nur akzeptabel. Es ist eben die alte, geradlinige Geschichte vom Kampf des einen, gewitzten Idealisten gegen ein unmenschliches (oder eben nur allzu menschliches) System, wobei der Protagonist genügend als Zyniker gezeichnet ist, um nicht allzu schöngefärbt zu wirken. Ihm gegenüber stehen ein großer Konzern und seine keiner Schandtat abgeneigten Schergen. Ganz anders als in der bösen ­Realität endet das ungleiche Duell hier mit einem Triumph des Guten, lediglich mit seinem Love Interest klappt es einigermaßen überraschend nicht.
„Der wilde Planet“ stellt nicht mehr als wirklich nette Unterhaltung dar, will aber auch gar nichts anderes sein. Ob nun aller­dings das „Rebooten“ älterer Beiträge aus dem Kanon der Science Fiction zukünftig breiter Schule macht, muss sich noch ­zeigen.

Peter Herfurth-Jesse

John Scalzi
„Der Wilde Planet“
Science Fiction Roman
deutsche Erstaus­gabe
Heyne TB 53399, München 2011
Um­schlagillustration: Nele Schütz Design
Originaltitel „Fuzzy Nation“ (2011)
aus dem Amerika­nischen von Bernhard Kempen
ISBN 3-453-53399-X
382 Seiten, € 8,99

 

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