Matthias Langer: Neulich aufm Trekdinner …

Trekdinner

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Ein Trekdinner im Jahr 1996 inspirierte FO-Hofcartoonist Matthias Langer zu diesem Meisterstück – es waren einfach zuviele Captains anwesend. Zwei Jahre zuvor, bei einem Besuch des Kölner Trekdinner im Mai 1994, war bloß ein Captain zugegen gewesen. Lest im folgenden Auszüge eines Berichtes, der im Juli 1994 in FANDOM OBSERVER 61 erschien:

Warp 10 und ein Kölsch, bitte!

Beobachtungen an Bord der USS HELLERS BRAUHAUS

Monatliches Trekdinner in Köln? Wenn sich fünfzig oder mehr Leute monatlich treffen, ist das schon was mehr als ein popeliger Phantastik-Stammtisch (dessen Teilnehmer übrigens fast alle zum Trekdinner gehen …), das ist ein Thema für den FANDOM OBSERVER.

Seit über einem Jahr treffen sich die Trekkies aus Köln und Umgebung zum monatlichen Trekdinner, anfangs in beschaulicher Runde, recht bald aber in stattlicher Gesellschaft und auch nach außen als Trekkies zu erkennen, denn der Kommunikator mit Sound-Chip ist hier nicht das Maß der Dinge, hier zählen das originalgetreue Kostüm (inklusive selbstgenähter Winterausstattung aus Wollstoffen) oder die geschickt aufgeklebte bajoranische Nasenprothese. TOS, TAS, TNG und DS9 geben sich die Hand und wer diese Kürzel wirklich nicht kennt, wird nicht ausgelacht, sondern verständnisvoll aufgeklärt.

Als Gäste sind Trekkies allemal willkommen: Die Kneipe bekommt ein „USS“ vor dem Namen verpaßt, die Speisekarte kommt mit trekkiger Terminologie daher, das Personal trägt Namensschilder; Ex-„Schmeller“-Mann Arno sagt zwar, daß er nichts mit alledem zu tun habe, später erfahre ich aber, daß er selber Fan ist, und überhaupt hat die Kneipe wegen Umbaus eigentlich geschlossen, doch für die Trekkies …

Massenmedien produzieren mehr Fans als schlecht zu verkaufende SF-Taschenbücher. Was aber macht den Boom aus? Warum sind Trekkies immer wieder in Presse und Fernsehen vertreten? Und was hält der Mann von der Straße, bzw. die Frau hinter der Theke von alldem? Ich frage eine Bedienung:

FO: Du hast da dieses „Counselor“-Namensschild … Gehörst du auch zu dem Haufen?
Katharina: Nee, eigentlich nicht, aber ich finde die Sache auch gut.

FO: Wenn dir so einer nachts auf der Straße begegnen würde: Was wäre dein erster Gedanke?
Katharina: Ich würd’s amüsant finden.

FO: Und wenn dich einer in der … äh, Klingonensprache anspricht?
Katharina: Würde ich nicht verstehen.

FO: Du wärst nicht erschrocken?
Katharina: Nein, die Klingonen sind ja verbündet mit den, dem … ich weiß nicht, wie man das nennt, aber das sind Verbündete.

FO: Ich hab’ immer gedacht, das sind die Bösen, aber nun gut.
Katharina: Es gibt ja auch einen Klingonen auf der ENTERPRISE.

FO: Ja, davon hab’ ich schon gehört …

Ein sympathisches Image, keine Spur von Xenophobie hüben wie drüben und alle sind Brüder: Die Werbetreibenden dieser Welt sollten sich mal die Trekkies dieser Welt zur Brust nehmen — Katharina als Konsumentin von heute würde ihr nächstes Auto gewiß eher von einem Trekkie als von mir kaufen. Diese Sorte Fans hat den leicht exotischen Touch, den die Branche braucht und Kameraerfahrung sammeln sie in den letzten Monaten zuhauf — letztens noch beim WDR, als ein ganzer Trupp Trekkies ins WDR-Open-Air-Programm eingeladen wurden und auf Senderkosten einen ganzen Tag im Brühler „Phantasialand“ verbringen durfte (nicht zufällig als Promotion für das neue und recht teure „Galaxy“-Fahrgeschäft).

Und die Fans selber? Was sind das für Leute? Fotogene Menschen auf jeden Fall, denn meine folgende Gesprächspartnerin hat mit ihrer Freundin schon mal drei Spalten im Kölner Stadt-Anzeiger gefüllt (bei halber Höhe …):

Maggie

Maggie

FO: Ich sitze hier am Tisch mit einigen Leuten, unter anderem mit Maggie. Von ihrer Brust lacht mir Herr Kirk entgegen. Da dürfte er nicht halb so alt gewesen sein wie heute.
Maggie: Da war er 18 Jahre jünger.

FO: Was treibt dich hierher?
Maggie: Einmal, daß ich schon seit 22 Jahren „Star Trek“-Fan bin, aber nie Anschluß an eine Gruppe hatte, weil ich gar nicht wußte, daß so etwas existiert. Dann kam ich mit Freunden ins Gespräch und wir stellten fest, daß wir mit „Star Trek“ ein gemeinsames Interesse hatten. Wir hörten uns um und damals wurde das Kölner Trekdinner gerade eröffnet, mit zehn, zwölf Leuten. Und jetzt — siehst ja selber, was hier rumläuft.
Was mich hintreibt? Wenn du hierherkommst, hast du mit jedem schonmal eine gemeinsame Basis. Das Interessanteste ist, daß man im Laufe der Gespräche andere gemeinsame Interessen feststellt, andere Arten Literatur oder Film. Wir treffen uns nicht nur einmal im Monat, sondern machen auch privat viel miteinander, treffen uns bei einem, gucken Filme, oder gehen gemeinsam zu Fernsehveranstaltungen, als Publikum in „Star Trek“-Uniform.

FO: Du bist seit 22 Jahren Fan, hast du gesagt. Wie alt bist du?
Maggie: „Enterprise“ lief in Deutschland 1972 an, da war ich elf Jahre alt …

Ganz nette Truppe

Trekkies im Fernsehen sind fast schon ein gewohnter Anblick. Das führt auch dazu, daß die Fragen der ModeratorInnen klüger werden. Aber wer schreibt die Fragen? Zum Beispiel die für „Ilona Christen“? Ich frage eine Frau, die Trekkies in Talkshows bringt …

Sabine: Also, ich werde nichts schlimmes über die Trekkies sagen.

FO: Ich spreche jetzt mit … was bist du eigentlich?
Sabine: Ich bin Redakteurin. Oder einfach Sabine.

FO: Ich spreche jetzt also mit Ilonas Redakteurin. Von wem stammte die Idee, die „Kult“-Sendung zu machen?
Sabine: Das war meine Idee.

FO: Wie kamst du darauf?
Sabine: Wir hatten zuerst eine Sendung konzipiert, die da hieß „Jedem Narr seine Kappe — die tägliche Lust am Verkleiden“, und da hatten wir „Star Trek“, „Star Wars“ und „Rocky Horror“ mit angedacht. Irgendwann haben wir gesagt, das ist ein eigenes Thema, also TV- und Film-Kult.

FO: Wie haben die Fans auf die Anfragen reagiert? Also, ich weiß von einigen, dasß sie schon richtige Fernsehprofis sind.
Sabine: Ich weiß nicht, ob die Christine, die wir für die Trekkies da hatten, schonmal im Fernsehen war. Wir checken das ab, ob die schon bei Meiser gewesen sind oder bei anderen Nachmittags-Talkshows. Ansonsten probieren wir immer, die Gesprächspartner exklusiv zu kriegen, doch die müssen auch was sagen können. Der normale Trekker, der mal zum Trekdinner geht, hätte da nicht gereicht, sondern das muß schon jemand sein, der das a) lange, b) intensiv und c) vielleicht sogar in einer ehrenamtlichen Funktion macht.

FO: Ist dein Bild der „Star Trek“-Fans jetzt anders als vorher?
Sabine: Vorher hatte ich keins.

FO: Und wie ist es jetzt? Was hast du ganz persönlich für einen Eindruck gewonnen?
Sabine: Ich? Hm, eigentlich ’ne ganz nette Truppe.

Hardcore

Da ist einer, der das Fansein ganz anders ernst nimmt, der mit Überzeugung „Star Trek“ „fan“atisiert:

Tom

Tom

FO: Ich spreche mit Tom. Das ist der Herr mit der interessanten Frisur … Wenn ich dich so anschaue, dann glaube ich, du hast dich sehr bemüht, originalgetreu auszusehen. Ich habe in den Gesprächen hier den Eindruck gewonnen, daß die meisten hier sind, um über das gemeinsame Thema soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Wie kommt es dann, daß man, mit den Augen des Normalbürgers gesehen, ins Extrem umschlägt und sich auch optisch derart abhebt?
Tom: „Star Trek“ bietet uns das Forum, frei über unser Hobby zu klönen, uns wie die Figuren der Serie zu geben, character plays mit Gleichgesinnten zu betreiben — wir haben einfach die gleiche Basis.

FO: Ich bin kein Experte, aber irgendwie erinnerst du mich an Herrn Picard …
Tom: Ich glaube, da könnte man „ja“ zu sagen.

FO: Ist das eventuell ein Zeichen dafür, daß du Ideale, die durch diese Figur verkörpert werden, auch für dich in Anspruch nimmst?
Tom: Unbedingt, weil dieser Charakter meiner Meinung nach ein Vorbild ist, wie er die Philosophie von „Star Trek“ … äh, seine … es ist irgendwie seine Besonnenheit, daß er mit den Problemen, die ihm begegnen, mit einer bestimmten Ruhe umgeht. Mit seiner Toleranz sind das Attribute, die ich sehr hoch schätze, wo ich es wichtig finde, daß man die in der Gesellschaft auch anwendet: Offenheit, Toleranz usw. …

FO: Sind das Züge, die dir vorher schon zu eigen waren oder hast du diese Züge erst durch deine Identifikation mit der Figur Picard erfahren?
Tom: Ich bin eigentlich immer so gewesen. Ich kann das jetzt nur noch bestärken, optisch, weil es mir Spaß macht — der Spaß ist eigentlich die Hauptsache hier. Ich fühle mich wohl in dieser Gruppe hier, die so etwas immer schon empfanden, aber nicht so richtig ausleben konnten. Ich glaube schon, daß ich so gewesen bin, bevor ich hierherkam.

FO: Mußt du sehr oft erklären, was und wieso du in deiner Freizeit tust?
Tom: Ich sage ein paar klärende Sätze dazu, daß ich „Star Trek“-Fan bin, was ich von „Star Trek“ halte, was es mir bedeutet, was mir das Zusammensein mit Fans bedeutet — das erklärt eigentlich schon alles. Ich habe keine Probleme damit. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die die Nase rümpfen, aber es stört mich nicht, weil ich dazu stehe.

FO: Hast du im Alltag, auf der Arbeit manchmal ein Problem mit der Frisur?
Tom: Nein, ich bin Hausmann.

(Anläßlich seines ColoniaCon-Besuches im Juni bedeckte er den Kopf dann doch mit einer Baseball-Kappe …)

Aussterbende Pointen

Es gab ein paar bekannte Gesichter auf diesem Trekdinner zu entdecken, die schon erwähnten Besucher des Phantastik-Stammtisches eben, oder den Vorsitzenden des „Phantastic Club Guy Nelson“, des weltgrößten Karteileichenclubs, Ralf Zimmermann …

FO: Ich spreche jetzt mit einem uns allen bekannten Karteileichensammler. Ralf, was macht deine Sammlung?
Zimmermann: Sie steigt und steigt, und es werden immer mehr bezahlende Mitglieder vor allem.

FO: Seit wann können Karteileichen bezahlen?
Zimmermann: Wir haben neuerdings für Karteileichen eine einmalige Aufnahmegebühr von fünf Mark, die reine Karteileichen etwas abschrecken soll.

FO: Sehr originell … Warum bist du nicht verkleidet?
Zimmermann: Ich bin verkleidet — ich habe meine Nase nur nicht ausgezogen!

FO: Auf deinem Button lese ich „Raum-Marine-Traditions-Vereinigung“. Ziemlich reaktionär, vor allem, wenn ich die Kaiserfarben dazu sehe. Bist du Monarchist?
Zimmermann: Ja, der Imperator muß immer siegen.

FO: Was für ein Imperator?
Zimmermann: Der Imperator des PC „Guy Nelson“, Ralf Zimmermann!

FO: Ich denke, das genügt unseren Lesern …

Karteileichen

Der falsche Film

Wir trösten uns damit, daß Ralf sicherlich nicht repräsentativ ist für die übrigen Fans, die man auf einem Trekdinner erleben kann. Etwas aus dem Rahmen fällt aber auch jene Frau, die ich nachfolgend befrage:

Serena

Serena

FO: Ich spreche jetzt mit Serena. Du paßt hier nicht rein. Warum nicht?
Serena: Ich bin Fan von „Krieg der Sterne“, ich bin nämlich Prinzessin — naja, ich trage eben ein langes, weißes Kleid in dem Film.

FO: Du bist also im falschen Film, nicht?
Serena: Schon, aber ich bin eben auch „Star Trek“-Fan. Es gibt hier auch noch andere Leute — einen „Garfield“-Fan, der paßt hier gar nicht ’rein, trotzdem ist der hier.

FO: Was ist hier so angenehm?
Serena: Die Stimmung ist total gut. Man kann mit jedem über die Dinge reden, über die man Bescheid weiß. Es ist lustig – gute Atmosphäre.

FO: Kann ich daraus schließen, daß du schonmal komische Fragen beantworten mußt, wenn jemand, der Fan ist, bemerkt, daß du eine merkwürdige Vorliebe hast?
Serena: Merkwürdig finden das die wenigsten, die meisten finden es lustig. Merkwürdige Fragen? Es geht so …

FO: Wieso bist du „Star Wars“-Fan geblieben?
Serena: Die Geschichte ist einfach was besonderes.

FO: Man weiß es nicht genau, aber es sterben doch viele Millionen im Zuge von „Star Wars“. Wird das einfach verdrängt?
Serena: Da fließt ja kein Blut oder so, das ist ja nur Film.

FO: Dann ist es also nur Spaß?
Serena: Es sind ja auch nur irgendwie Soldaten, die da sterben, also wirklich sterben — Obi Wan oder Darth Vader sterben ja eher so, daß sie sich in eine höhere Bewußtseinsebene verwandeln.

FO: Wenn das Ziel moralisch in Ordnung geht, dann kann auch schonmal jemand sterben?
Serena: Ja (lacht).

FO: Vielen Dank für die Auskunft.

Ein seltenes Vergnügen mit seltenen Menschen, die man erst so richtig aufblühen sieht, wenn sie unter sich sind …

Manfred Müller

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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4 Antworten auf Matthias Langer: Neulich aufm Trekdinner …

  1. RoM sagt:

    Ja, die Teile von Matthias Langer wirken auch heute noch nach. “Zeitlos” dürfte die treffende Umschreibung dafür sein. Interessante Idee mit den Auszügen aus dem reichhaltigen FO-Fundus.

  2. Es wird Zeit, daran zu erinnern, daß es diesen Stiftakrobaten auch noch gibt.

    Was den Fundus angeht: In meinem persönlichen Datenarchiv schlummern noch ein paar Ausgaben, die ich rekonstruieren kann, aber vor FO #101 geht definitiv nichts, selbst wenn ich den Uraltrechner vom Dachboden hole, auf dem noch die Uraltsoftware läuft – dafür müßte ich die Uraltdokumente archiviert haben, was nicht der Fall ist. Davor gehen höchsten noch Faksimile-Scans, aber das ist ja nur halb so lustig wie indizierbare PDF.

    Alte Texte gibt es hingegen noch und manchmal sogar Bilder. Wenn also mal was thematisch passendes aufkreuzt und die Altertümchen haben irgendeine Relevanz, werde ich in jedem Fall schauen, ob sich das Ausbuddeln lohnt.

  3. Nina sagt:

    Star Trek forever! – Ich bin natürlich selbst Trekkie, habe aber nichts gegen “augenzwinkernde” Berichte. Obwohl schon ein paar Jährchen her, klingt es nach einer netter Runde, wo ich mich ev. auch wohlfühlen könnte. Und zur Karikatur: Wenn man sich schon verkleidet, was spricht dagegen, dass jeder Captain sein darf? – Ich finde es da eher daneben, wenn man in eine Runde kommt, jeder gleich in Phantasien verstrickt (in unserer Zeit gibt es nun mal keine anerkannte Ausbildung zum Sternenflottenkapitän) und dann erzählt einem der Ausrichter, wie viele Pins man in die Uniform machen darf.

  4. Uh-oh … Am Montag gibt es den nächsten Star-Trek-Cartoon. Ich hoffe, er gefällt Dir … *bibber*

    :-)