NEO-Autor Hermann Ritter: „Mit ,Weltraum-Blyton‘ könnte ich umgehen“

Hermann Ritter hat Band 13 von „Perry Rhodan NEO“ verfaßt. Das ist für den FANDOM OBSERVER nicht nur eine Nachricht, sondern auch Anlaß, einem langjährigen Mitarbeiter zu gratulieren und ihn zu fragen, wie er, der Fantasy-Enthusiast und -Autor, sich damit fühlt. Lest hier Hermanns Antworten:

Hermann Ritter und das EinhornDie meisten der Fragen, die mir Manfred Müller über meine Schreiberei für PERRY RHODAN NEO gestellt hat, kann ich nicht einfach beantworten. Ein Problem ist sicher, dass die von ihm postulierte Trennung zwischen Fantasy und Science Fiction nicht besteht – und ich kein Fantasy-Autor bin, der jetzt auf einmal Science Fiction schreiben möchte. Je nachdem, wie man das Problem bei der Frage angeht, kommt man zu unterschiedlichen Antworten.

Sind Fantasy und Science Fiction getrennte Genres? In meiner Einordnung schon, in meiner Wahrnehmung als Leser (und Schreiber) jedoch selten. Die Grenzen innerhalb der Phantastik (um einen Rahmen-Namen vorzugeben) sind fließend. Es gibt breite Überschneidungen zwischen Horror und Fantasy, zwischen Horror und Science Fiction sind diese Überschneidungen kleiner, aber vorhanden. Es gibt Science Fantasy und Supernatural Horror, das Feld ist weit gespannt. PERRY RHODAN und PERRY RHODAN NEO sind für mich in weiten Teilen ein wenig „old school“ Science Fiction. Aber das ist gut so, die Leser wären mit Tagesreisen in benachbarte Literaturgattungen nicht zufrieden (haben aber nichts gegen gelegentliche Ausflüge dorthin).

Ich bin ein Autor der phantastischen Literatur, der Phantastik schreibt. Wenn wir von einem gemeinsamen Feld dieser Literatur ausgehen, dann gibt es kein Problem bei der Zuordnung meiner „Werke“. Wenn es sich um getrennte Literaturgattungen handelt, die von getrennten Gruppen von Autoren geschrieben werden, so kann ich mich natürlich damit herausreden, dass meine erste verkaufte Kurzgeschichte Science Fiction war, wie auch weit über 90 % meiner professionell geschriebenen Geschichten in diesem Bereich liegen. Das liegt aber eher an der Verlagslandschaft, oder an den Angeboten, die man (also: ich) bekommt – von den geschriebenen Texten dürften 90 % zur Fantasy gehören. Aber da ist es schwieriger, einen Text unterzubringen.

Meine letzte Kurzgeschichte war Steampunk, eine Fingerübung, die mir deutlich Spaß gemacht hat. Würde ich sofort wieder machen – aber wer soll das drucken? Und vielleicht bin ich zu Buch-fixiert, aber ich veröffentliche gerne in Druckwerken (eigentlich: nur und ausschließlich). Ohne Buch kein Text. Oder ohne Fanzine kein Text. Sicherlich ist das im Grunde meines Herzens die Hoffnung, dass meine Werke um das Jahr 2130 entdeckt werden und ab dann zum Kanon der Weltliteratur gehören. Da das Internet nach dem Crash 2036 völlig gelöscht wird, überleben nur meine gedruckten Werke in den Bibliotheken. Also schreibe ich nur für Druckwerke.

Wie fühlt man sich, wenn man einen PERRY RHODAN NEO schreiben darf? Eigentlich ganz gut. Aber dann doch nicht viel anders als bei einem PERRY RHODAN ACTION oder irgendeinem anderen Werk. Man schreibt, man schreibt, man schreibt, füllt die leeren Seiten mit Figuren, Szenen und Ideen und auf einmal wird aus den Einzelsteinen ein Mosaik. Man hat eine Geschichte zusammen, die man erzählen darf.
Inhaltlich verrate ich nichts. Naja, ein wenig. Bei PERRY RHODAN ACTION habe ich mal gesagt, dass es Szenen gibt, die ein wenig „Hanni & Nanni im All“ sind. Mir geht es gut mit solchen Holzschnitt-artigen Beschreibungen von dem, was ich schreibe. Das sind Gefühle, die ich mit Texten verbinde, keine einer Textkritik standhaltenden Vergleiche. Wenn man das akzeptieren kann, dann wäre der PERRY RHODAN NEO in Teilen „Drei Freunde im All“; sicherlich kann man jetzt darüber nachdenken, wie es weitergeht („Geheimnis um …“ wäre schön als nächster Ansatz); aber mal ehrlich, man kann das Bild, was sich der Leser von einem macht, doch kaum beeinflussen. Ich möchte nicht Handgranaten-Hermann heißen, das dürfte klar sein, aber mit „Weltraum-Blyton“ oder so könnte ich locker umgehen.

Mir macht das, was ich geschrieben habe, beim Lesen noch Spaß. Nicht mehr beim fünften Lesen, aber beim ersten, zweiten und dritten Lesen. Und ich kann nur hoffen, dass ein wenig davon auch bei den Lesern ankommt, die zumindest beim ersten Lesen Spaß und Unterhaltung herausziehen sollen. Ob diese Lesefreude beim Fantasy- oder beim Science Fiction-Fan eintritt, ist mir dann eigentlich egal. Interessant wird es in meinem Leben dann nur noch bei der Frage, in welcher Kategorie ich den HUGO kriege. Aber das ist dann nebensächlich, wenn man ihn einmal hat.

Hermann Ritter

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Autoren und getaggt mit , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier hast Du nichts zu melden …